Sanierung oder Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt (SBF)

NR 539/18 Gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN

Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz steht für fast 60 Jahre Theatergeschichte und -tradition in Frankfurt. Bei der anstehenden Entscheidung für eine Sanierung oder einen Neubau muss sichergestellt werden, dass die Arbeitsbedingungen von Schauspiel und Oper während der Interimszeit so wenig wie möglich leiden und die notwendige Interimszeit so kurz wie möglich ausfällt. Oberstes Ziel der baulichen Tätigkeiten ist es, gute Bedingungen für die künstlerische Arbeit der Städtischen Bühnen zu schaffen. Deshalb sollte nach der 2011 beauftragten Machbarkeitsstudie neben einer genauen Bestandserfassung des Gebäudes und seiner Technik der notwendige Sanierungs- und Modernisierungsbedarf in folgender Prioritätenreihenfolge untersucht werden:

    a) sicherheitsrelevante Maßnahmen (Brandschutz etc.),

    b) Erneuerung technischer Anlagen wegen Abnutzungsdauer und

    c) energetische Aspekte.

Eine Priorisierung der Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen findet sich jedoch nur unvollständig in der Machbarkeitsstudie. Ebenso wenig wurde untersucht, welche aufführungsferneren Funktionen ausgelagert werden könnten, um im vorhandenen Gebäudebestand Platz für notwendige technische Erneuerungen zu schaffen.

Bislang gibt es keine den Stadtverordneten zur Verfügung stehende fachliche Aussage seitens der Stadtverwaltung darüber, ob und unter welchen Bedingungen eine Sanierung im Bestand unter Berücksichtigung des Bestandschutzes möglich wäre. Für die weitere Entscheidungsfindung sollte diese Frage abschließend geklärt werden. Unter der Prämisse, dass der Bestandsschutz erhalten bleibt, also die Vielzahl der heute zulässigen Lösungen u.a. in den Bereichen Fluchtwege, Brandschutz, Energieeinsparverordnung und Arbeitsstättenverordnung davon nicht tangiert werden, hat eine Sanierung im Bestand der traditionsreichen Theaterdoppelanlage am Standort Vorrang, wenn die Sanierungskosten deutlich unter den Kosten eines Neubaus liegen.

Die Stadtverordnetenversammlung möge vor diesem Hintergrund beschließen:

Damit die Stadtverordneten eine fundierte Entscheidung darüber treffen können, wie die Zukunft der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz aussieht und ob eine Sanierung zu vertretbaren Konditionen möglich ist, wird der Magistrat beauftragt:

1. Der Magistrat wird beauftragt, bis zu einer Entscheidung alle nötigen Maßnahmen, die dem Erhalt der Substanz sowie dem ungestörten Bühnenbetrieb dienen, umgehend zu veranlassen.

2. Der Magistrat möge prüfen und berichten: Wie sieht eine Übersicht und Bewertung der baulichen Mängel des Hauses aus und welche Maßnahmen sind nach der eingangs erwähnten Priorisierung erforderlich und mit welchen Kosten sind diese verbunden? Wo besteht Dringlichkeit zur Behebung der Mängel oder sicherheitsrelevanten Auflagen und was kann in späteren Bauabschnitten realisiert werden? Wie sähe ein entsprechender Zeitplan für die unterschiedlichen Dringlichkeitsstufen aus? Ist während dieser Arbeiten eine Auslagerung des Spielbetriebs ganz oder teilweise erforderlich und gegebenenfalls wie lange und mit welchen Kosten wäre das verbunden? Bei der Beantwortung dieser Fragen soll der baurechtliche Bestandsschutz, auch hinsichtlich der energetischen Anforderungen, weitgehend ausgeschöpft werden.

3. Der Magistrat möge prüfen und berichten, welche Funktionen aus der Theaterdoppelanlage ganz oder teilweise ausgelagert werden können, um Platz für die notwendige Gebäudetechnik oder die Erfüllung anderer rechtlich gebotener Maßnahmen (zum Beispiel Brandschutz, Arbeitsstättenrichtlinie) zu schaffen. Hierzu ist eine Kosten-Nutzen-Analyse unter Berücksichtigung nicht-monetärer Aspekte (zum Beispiel Folgen für den Spielbetrieb) zu erstellen.

4. Der Magistrat wird hinsichtlich der ganz oder teilweise ausgelagerten Funktionen beauftragt, ein Raumprogramm vorzulegen, das ergänzend zu den in der Machbarkeitsstudie auf Seite 372 genannten Beispielen weiterer Theater- und Opernprojekte in Deutschland und im europäischen Ausland Rechnung trägt und mit den Städtischen Bühnen abgestimmt ist.

5. Der Magistrat wird beauftragt, ein Konzept für die Prozesssteuerung vorzulegen, aus dem ersichtlich wird, mit welchen externen Fachleuten die städtischen Strukturen unterstützt werden sollen, um eine effiziente und kostensparende Umsetzung zu gewährleisten.

6. Der Magistrat wird gebeten, mit dem Land Hessen Verhandlungen über eine mögliche Beteiligung an den Kosten, die für eine Sanierung oder einen Neubau entstehen werden, aufzunehmen.