Aktuelle Stunde: Gleichgeschlechtliche Ampelpärchen

Stadtverordneter Dimitrios Bakakis, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

werte Kolleginnen und Kollegen!

"Gleichgeschlechtliche Ampelpärchen" lautet mein Thema, und ursprünglich wollte ich mich vor Sie stellen und schauen, ob es Sie nervt. Ob es Sie nervt, dass die sogenannte Homolobby wieder einmal Aufmerksamkeit für ihre Belange sucht. Ich hätte dann versucht, Ihnen darzulegen, wie genervt wir - die Homolobby - erst sind. Wir sind genervt und sind es leid, laufend dieselben Kassetten abzuspielen, ständig erklären zu müssen, warum gleiche Liebe gleiche Rechte verdient und dass sich unsere Grundrechte nicht mit einem "es reicht nun" wegwischen lassen. Ja, ursprünglich war auch ich hauptsächlich eines: genervt.

Doch dann kam der Sonntag, und das Genervtsein wich blankem Entsetzen. Ein junger Mensch, 29 Jahre alt, geboren, aufgewachsen, sozialisiert und auch radikalisiert in einem der freieren und progressiveren Länder dieser Welt, massakriert von Hass zerfressen 49 Menschen und verletzt 53 weitere. Weil sie als Frauen Frauen liebten oder als Männer Männer oder weil ihr angeborenes körperliches Geschlecht nicht wirklich das ihrige war. Und so suchte er diese Menschen in einem ihrer Schutzräume auf und mordete.

Und zu diesem Entsetzen gesellte sich Wut. Denn die, die sonst der Meinung sind, wir hätten schon genügend Rechte und die uns kleinhalten wollen, ausgerechnet die zeigten sich besorgt, weil sie meinen, uns nach solchen Taten benutzen zu können, um gegen Musliminnen und Muslime zu hetzen. Doch das Problem heißt nicht Islam, es lautet gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Hass und Verachtung. Davon tragen genau jene Hetzer am meisten in unsere Gesellschaft, die nun Sorge um Lesben und Schwule heucheln.

Und zu diesem Gefühlschaos gesellte sich auch Enttäuschung hinzu. Da sprach unsere Kanzlerin zu uns, zeigte sich erschüttert, erwähnte aber mit keiner Silbe - anders als Herr Stadtverordnetenvorsteher Siegler -, dass dieses Morden explizit gegen Lesben, Schwule und andere, die aus der heterosexuellen Norm herausfallen, gerichtet war. Mit keiner Silbe. Auch kein Wort der Solidarität. Während Hauptstädte rund um den Globus als Zeichen der Solidarität in Regenbogenfarben erstrahlten, blieb Berlin grau. Da kann man sich durchaus ignoriert und alleingelassen fühlen.

Deshalb, werte Kolleginnen und Kollegen, genau deshalb ist es mehr als bloß ein kleines Symbol, dass der Magistrat dort draußen solidarisch die Regenbogenflagge wehen lässt und uns mit gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen erfreut. Das sind in der Tat doppelte Signale. Sie zeigen uns, wir sind willkommen, und sie zeigen unseren Gegnerinnen und Gegnern, dass auch diese Form von Hass und Verachtung in unserer bunten Stadt keinen Platz hat.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

(Beifall)