Eine Entscheidung für die Kunst

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 7. Juni 2017

"Die bauliche Zukunft von Schauspiel und Oper ist sowohl ein kultur- als auch finanzpolitischer Herausforderung. Die Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz ist Symbol für den kulturellen Aufbruch und die demokratische Öffnung Frankfurts in der Nachkriegszeit. Schauspiel und Oper haben an diesem Standort Theatergeschichte geschrieben. Die Machbarkeitsstudie ist eine gute und wichtige Grundlange für die jetzt anstehenden Debatten für diese zentrale kulturpolitische Entscheidung", erklärt Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN.

"Angesichts der geprüften Varianten zwischen 848 und 868 Millionen Euro für eine Sanierung und 889 Millionen Euro für einen Neubau belegen deutlich das es richtig war, den Zustand der Theaterdoppelanlage umfangreiche zu untersuchen. Jetzt liegt 'gerechnet' auf dem Tisch, dass die für eine Sanierung nötigen Bauten und Umbauten eine Dimension erreichen würden, die im Vergleich zu einem Neubau wenig wirtschaftlich anmuten", so Stock weiter.

"Auch die deutlich geringeren Bauzeiten bei einem Neubau (sechs statt acht oder elf Jahre) und der geringeren Beeinträchtigung der künstlerischen Arbeit stützen die Entscheidungen für einen Neubau. Gleichwohl wäre der Verlust des prägenden Gebäudes an der stadtplanerisch wichtigen Nahtstelle zwischen historischer Altstadt und gründerzeitlichem Bahnhofsviertel, zwischen Museumsufer und Bankenviertel, aber auch der Verlust des symbolträchtigen Wolkenfoyers und des Chagallsaals schmerzlich. Es wäre in unseren Augen von großer Bedeutung, wenn sich diese prägenden Elemente des Baus auch in einem neuen Gebäude wiederfinden würden", führt Stock aus.

"Wir werden uns die Machbarkeitsstudie jetzt gründlich anschauen, auch im Hinblick auf notwendige Einsparmöglichkeiten. Eine in vielerlei Hinsicht so gewichtige Entscheidung muss wohl überlegt sein und in die Stadtgesellschaft hinein umfassend kommuniziert und mit ihr diskutiert werden. Schauspiel und Oper gehören ins Herz der Stadt und haben am Willy-Brandt-Platz ihren optimalen Standort. Daran halten wir auch weiter fest. Wir sehen derzeit keine sinnvolle und realistische Alternative. Es gibt viele Aspekte, die bei der anstehenden Debatte zu beachten sind - letztlich aber muss es eine Entscheidung für die Kunst sein und sie sollte als Chance angepackt werden", erklärt Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der GRÜNEN.

"Welche Lösung sich letztlich durchsetzt, es wird eine große Herausforderung auch für die künstlerische Arbeit von Schauspiel und Oper im nächsten Jahrzehnt werden. Die Interimslösungen, die soweit irgend möglich mit anderen baulichen Maßnahmen verknüpft werden sollten, werden nicht einfach zu finden sein. Wir haben schon letzten Sommer vorgeschlagen, die für die Musikhochschule auf dem Kulturcampus Bockenheim geplante Probebühne in eine Zwischenlösung einzubeziehen. Hierfür müsste die Stadt bald in Gespräche mit dem Land einsteigen", so Stock abschließend.