Beruf und Pflege vereinbaren

NR 766/19 Gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN

Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen:

Der Magistrat wird gebeten,

zu prüfen und zu berichten, mit welchen Angeboten die Stadt Frankfurt am Main ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die pflegebedürftige Angehörige betreuen, unterstützen kann.

Insbesondere sollen dabei drei mögliche Serviceangebote geprüft werden:

1. Eine individuelle und fachkundige Beratung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um das Thema Pflege und die Unterstützung bei der Organisation der benötigten Dienstleistungen.

2. Das Angebot von Seminaren für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter u.a. zu folgenden Themen:

- Was tun im Pflegefall: Organisatorische, finanzielle und rechtliche Aspekte

- Grundlagen der Pflege und Betreuung: Praktische Alltagstipps

- Herausforderung Demenz: Anzeichen erkennen und verstehen

- Stressbewältigung: Fit für die Doppelbelastung Beruf und Pflege

- Führungskräfteseminar: Pflegende Mitarbeiter/innen als Herausforderung für den/die Vorgesetzte/n

3. Schaffung eines betrieblichen Betreuungsangebots für pflegebedürftige Angehörige von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Zusammenarbeit mit einem in Frankfurt ansässigen Träger der Alten- und Behindertenpflege

Begründung:

Drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden von einem Angehörigen gepflegt. Die Pflege und Unterstützung eines Familienmitglieds nimmt im Durchschnitt 36,7 Stunden pro Woche in Anspruch. Statistisch pflegt jeder siebte Beschäftigte in Deutschland über 40 Jahren einen Angehörigen zu Hause.

Auch für die Frankfurter Stadtverwaltung hat dies zur Folge, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Doppelbelastung von Beruf und Pflege eines Angehörigen zu tragen haben. Ohne Unterstützung führt dies zur psychischen und physischen Überforderung der Beschäftigten und in der Folge zu deren krankheitsbedingten Ausfall.

Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden und attraktiv für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zu sein, spielt auch für die Stadt Frankfurt am Main in Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels eine immer größere Rolle. Familienfreundliche und pflegesensible Rahmenbedingungen werden für Arbeitgeber zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil und Erfolgsfaktor.

Die Stadt Frankfurt am Main hält in ihrem Intranetangebot schon zahlreiche Informationen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, die Angehörige pflegen. Jedoch erscheint es sinnvoll, dieses Angebot um weitere Serviceangebote, wie individuelle und fachkundige Beratungsangebote, Seminarangebote und die Schaffung eines betrieblichen Betreuungsangebots, zu erweitern.

Mit den weiteren Serviceangeboten wären zahlreiche Vorteile, einerseits für die Stadtverwaltung als Arbeitgeber (Reduktion von Fehlzeiten, Ausfall- und Nachbesetzungskosten; Stärkung der Mitarbeiterbindung; Verbesserung der Mitarbeitermotivation, Wahrnehmung als familienfreundliche Arbeitgeberin) und andererseits für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Wertschätzung durch die Arbeitgeberin; kompakte Informationen durch feste Ansprechpartner; Erfahrung von Toleranz und Verständnis von Vorgesetzten und Kollegen; Betreuung des pflegebedürftigen Angehörigen in der Nähe des Arbeitsplatzes; Austausch mit ebenfalls betroffenen Kollegen) verbunden.