Förderprogramm „Sport und Flüchtlinge“ ausbauen –Schwerpunktangebote für geflüchtete Frauen

Gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN im Römer

In den vergangenen Jahren hat der Sport bereits vielfach seine außerordentliche Integrationskraft unter Beweis gestellt, denn im Sport sind Sprache, Herkunft, Religion und sozialer Status von untergeordneter Bedeutung. Das im Jahre 2016 ins Leben gerufene Förderprogramm "Sport und Flüchtlinge" der hessischen Landesregierung unterstützt daher Städte und Gemeinden, in denen Sportvereine und Institutionen Sport- und Bewegungsangebote mit Geflüchteten initiieren. Geflüchteten Menschen soll auf diese Weise schnell und unkompliziert das Ankommen in ihren Städten und Gemeinden erleichtert werden. Sogenannte Sport-Coaches stellen im Rahmen des Förderprogrammes den Kontakt zwischen Sportvereinen, Asyl- und Flüchtlings-unterkünften her und begleiten Geflüchtete zu den Sportangeboten. Städte und Gemeinden erhalten hierfür in Abhängigkeit von der Anzahl der untergebrachten Flüchtlinge auf Antrag eine pauschale Förderung. Bereits im Frühjahr 2016 betraute die Stadt den Sportkreis Frankfurt mit der Aufgabe, Sport- und Bewegungsangebote für Geflüchtete über einen sogenannten Sportcoach zu koordinieren.

Im Jahre 2019 wurde das Programm um "Sport-Coach-Tandems" erweitert. Im Sinne der Integration ist auch hier das Ziel, Menschen mit und ohne persönliche Migrationsgeschichte durch Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für ein ehrenamtliches Engagement oder eine sonstige freiwillige Tätigkeit im Sportverein zu gewinnen. Durch die Teilnahme am Tandem können Sport- Coaches mit eigener Zuwanderungsgeschichte somit als Vorbilder sowie als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für andere Geflüchtete dienen. Zugleich wird Integrationsarbeit zu einem Instrument der Sportentwicklung und zu einem Baustein der sozialen Arbeit vor Ort.

Zwar sind auch viele muslimische Mädchen und Frauen in Schulsport AGs oder Moscheegemeinden sportlich aktiv. Eine aktive Teilhabe dieser Mädchen und Frauen in Sportvereinen, z.B. auch als Übungsleiterinnen ist aber nicht größer zu verzeichnen. Laut Zahlen von Burrmann und Mutz aus dem Jahre 2016, vorgestellt beim Kongress "Perspektiven der Integrationsarbeit im Sport" im November 2018 in Frankfurt, beläuft sich der Anteil muslimischer Mädchen in Sportvereinen (Altersgruppe 13-17 Jahre) bei 16 Prozent, die der muslimischen Jungen der gleichen Altersgruppe hingegen bei 69 Prozent. Diesem, diversen Gründen, wie traditionelle Geschlechterrollenorientierung, islamische Konfessionszugehörigkeit, wenige Angebote ausschließlich für Mädchen und Frauen, etc., geschuldeten bestehenden Ungleichgewicht, könnte durch eine stärkere Ansprache von Frauen für die Sport-Coach-Tandems ein Stück weit begegnet werden.

Auffällig ist, dass im Antragsformular auf "Gewährung einer Landeszuwendung im Rahmen des Landesprogramms "Sport und Flüchtlinge" nur von Sport-Coaches in der männlichen Form die Rede ist. Weibliche Coaches sowie Coaches, die außerdem Erfahrung in der LSBTIQ* Community haben, sind in der Aufgabenbeschreibung nicht explizit angesprochen. Das Programm sollte daher im Hinblick auf die Teilnahme weiblicher Coaches im allgemeinen, aber auch auf die Zielgruppe LSBTIQ*aktiver umgesetzt werden.

Die Stadtverordnetenversammlung möge daher beschließen:

1. Der Magistrat wird gebeten, zu prüfen und zu berichten, welche Erfahrungen mit dem Programm "Sport und Flüchtlinge" in den Jahren 2016 bis 2019 in Frankfurt gemacht wurden. In diesem Rahmen berichtet er über die Gesamtanzahl der Sport-Coaches, die Anzahl der zustande gekommenen Tandems, die jeweiligen Sportarten, die Anzahl der sich beteiligenden Vereine und den prozentualen Anteil männlicher und weiblicher Teilnehmender.

2. Der Magistrat wird gebeten, gemeinsam mit dem Sportkreis Frankfurt darauf hinzuwirken, mehr Mädchen und Frauen sowie Menschen mit LSBTIQ* Hintergrund für ein Sport-Coach-Tandem zu gewinnen.