Wohnheim für minderjährige Auszubildende

E 58/18 Gemeinsamer Etatantrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNE zum Produkthaushalt 2018

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Für einen Zuschuss für die Projektentwicklung, juristische Begleitung und Projektsteuerung zur Einrichtung eines für minderjährige Auszubildende aus Industrie und Handwerk konzipierten Ausbildungswohnheimes mit pädagogischer Begleitung werden 100.000 EURO zweckbestimmt aus vorhandenen Mitteln bereitgestellt. Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig im laufenden Haushaltsjahr erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig.

Begründung:

Frankfurt am Main ist unter anderem als florierender Industrie- und Gewerbestandort wie auch als großer Arbeitsmarkt für das Handwerk immer attraktiver für junge Menschen, eine duale Berufsausbildung zu beginnen. Seit längerem machen die Industrie- und Handelskammer wie auch die Handwerkskammer auf fehlenden, preiswerten Wohnraum für Auszubildende aus anderen Regionen der Bundesrepublik und aus dem Ausland aufmerksam. 2016 haben zum Beispiel 5.048 Jugendliche eine Ausbildung in den rund 111.000 Betrieben begonnen, die der IHK Frankfurt am Main angeschlossen sind. Von ihnen wohnen 50 Prozent außerhalb des IHK-Bezirks, der auch den Main-Taunus- und den Hochtaunuskreis umfasst. Nach Angaben der Werkstatt-Berichte im Masterplan Industrie pendeln in diesen Berufssparten sogar 62 Prozent während der Ausbildung nach Frankfurt ein.

Aufgrund der rasant steigenden Einwohnerzahlen in Frankfurt am Main steht für junge Menschen in Ausbildung nicht genügend Wohnraum zur Verfügung. Die verfügbaren Wohnplätze, etwa im Kolpinghaus an der Lange Straße oder im Gästehaus des Bildungswerkes Bau in Frankfurt-Niederrad, sind sehr begehrt, aber nicht ausreichend. Vorhandene Wohnheimplätze in Frankfurt sind zudem sehr teuer oder nur für eine kurze Mietdauer vorgesehen, z.B. für die Unterbringung im Rahmen von Blockunterricht. Die Studierendenwohnheime sind bereits an der Kapazitätsgrenze und können Azubis aus anderen Städten und Regionen zum Teil nicht das passende Umfeld bieten, das sie benötigen. Aufgrund unterschiedlicher Tagesabläufe von Studierenden und Auszubildenden funktioniert ein gemeinsames Wohnheim in aller Regel nicht. Überdies sind etwa 30 Prozent der Azubis bei Ausbildungsbeginn nicht volljährig, und sie haben wenig Einkommen. Auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt sind sie deshalb in der Regel chancenlos.

Umfragen zufolge haben ¾ aller Azubis in Deutschland Interesse an einem Wohnheimzimmer, das ihnen kurze Wege, soziale Kontakte und eine niedrige Miete ermöglicht. Für ein solches Wohnheim wären eine gute ÖPNV-Anbindung und ein sozialverträgliches Umfeld erforderlich. Neben einem Investor sollten sich auch Kammern, Gewerkschaften, kirchliche Verbände und interessierte Unternehmen finanziell beteiligen.

Ein Auszubildendenwohnheim ist ein Projektvorschlag des Masterplans Industrie, den die Stadtverordnetenversammlung ausdrücklich unterstützt. Das Projekt würde jungen Menschen den Anreiz und die Möglichkeit geben, eine duale Ausbildung in Frankfurt zu beginnen. Ein Wohnheim wie dieses wäre ein Beitrag zur Stärkung der dualen Ausbildung in Industrie und Handwerk und zur Fachkräftesicherung im verarbeitenden Gewerbe und im handwerklichen Mittelstand. Frankfurt könnte sich gegenüber anderen Städten als Industrie- und Handwerksstandort mit attraktiven Ausbildungsbedingungen für junge Menschen positionieren. Es käme somit den Frankfurter Industrieunternehmen aber auch dem Handwerk in Frankfurt am Main nachhaltig zu Gute.