Der Kinothek „Asta Nielsen“ Projektmittel zur Etablierung der „Frankfurter Frauenfilmtage“ zur Verfügung stellen

E 8/18 Gemeinsamer Etat - Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2018

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

1. Im Haushalt 2018 werden der Kinothek "Asta Nielsen" Projektmittel in Höhe von 20.000 € zur Etablierung von Frankfurter Frauenfilmtagen zweckbestimmt aus vorhandenen Mitteln bereit gestellt. Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig im laufenden Haushaltsjahr erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig.

2. Der Magistrat möge darauf hinarbeiten eine Ko-Finanzierung durch das Land Hessen und den Bund zu verhandeln.

Begründung:

Die Kinothek Asta Nielsen möchte in ihre bisherige Arbeit ein neues Veranstaltungsformat einbringen: ein jährlich oder alle zwei Jahre stattfindendes Programm, das von einem Themenschwerpunkt ausgeht und sich in einer Mischung aus Filmtagen und Symposion zu den Themen der Filme entfaltet.

Der geplante Titel hierfür: "Der zweite Blick" - damit ist sowohl die Andersheit der Perspektive in Filmen und in deren Rezeption angesprochen als auch die Sicht eines heutigen Publikums auf Filme aus der Geschichte. Die Auffassung der Macherinnen der Kinothek Asta Nielsen ist: Sogenannte "alte Filme" sind genauso aktuell (oder können es für ein Publikum werden), wie brandneue. Daher sollen sie im Programm beide nebeneinander stehen können.

Die Frankfurter Frauenfilmtage werden ein Format haben, das aus der Arbeit der Kinothek Asta Nielsen und deren Erfahrung der letzten 17 Jahre heraus entwickelt wurde. Sie bilden ein Forum für Filme aus der gesamten Geschichte und der Gegenwart und bringen sie miteinander ins "Gespräch". Damit können ganze Bereiche des Films aus einem Schubladen- und Nischendasein (und das betrifft im Besonderen auch Filme von Frauen) gelöst werden und für ein heutiges Publikum von Nichtspezialisten zugänglich gemacht werden - und das nicht nur im Sinne der Verfügbarkeit. Es geht den Macherinnen darum, die Filme in ihrer spezifischen Aussagekraft zu vergegenwärtigen. Es kommt dabei darauf an, sie im richtigen Kontext zu zeigen, den unter anderem erst jüngst entstandene Arbeiten bilden können, aber nicht nur. Der Ort der Aufführung sowie die Begleitung durch Kommentare und Diskussionen spielen eine weitere Rolle.

"Der zweite Blick", so lassen sich "Die Frankfurter Frauenfilmtage" vorstellen, wird in seiner Struktur, Altes und Neues zur Aufführung zu bringen, in etwa einem Musikfestival gleichen, auf dem selbstverständlich ein Klavierkonzert von Klara Schumann neben Sofia Asgatowna Gubaidulina stehen kann. Das Kino ist Bestandteil unserer Kultur wie die Kunst. Der Vergleich mit der Musik sagt aber noch mehr: Filme sind der Musik verwandt in doppeltem Sinne: Zum einen ist Film zwar zuallererst ein visuelles Medium, doch das Visuelle wird - nicht erst seit der Einführung des Tonfilms - von Musik begleitet. Zum anderen liegt Musik, Rhythmus und Melodie, im Fluss der Bilder selber. Die "Musik des Films" nannte es die (Stummfilm-)Regisseurin und Avantgardistin Germaine Dulac.

Die formale Struktur - unterschiedliche Epochen und Genres verflechten sich im Programm - soll der inhaltlichen entsprechen. So beabsichtigen die Macherinnen, das Thema der Frauen und Geschlechterverhältnisse und Aspekte des "Queer Cinema" in ihrer Verflochtenheit mit anderen gesellschaftlichen Phänomenen sichtbar zu machen. Emanzipation der Frauen im Kontext von Migration, Kolonialismus, von Rassismus. Es soll auf dem Hintergrund inhaltlicher Verbindungen für jede Ausgabe der Frankfurter Frauenfilmtage eine Vielzahl von Programmen entwickelt werden, die jeweils in einem Zusammenhang untereinander stehen, eine Gesamtgestalt bilden, eine Art "Archipel".

Die Arbeit der Kinothek ist der feministischen Filmarbeit der 1970er und 80er Jahre verpflichtet. Sie hat dort ihre Wurzeln. Ebenso hat die neue Formation regelmäßig wiederkehrenden Frankfurter Frauenfilmtage unter dem Titel Der zweite Blick dort ihre Vorläufer. Dieses Erbe, diese Herkunft, soll auch auf den Veranstaltungen selbst sichtbar werden, in eigenen Programmen. Dazu ist Vorarbeit, sind Recherchen nötig, im Hinblick auf die Programme, die jene Festivals vorstellen und einem heutigen Publikum ins Gedächtnis rufen.

In der Vorbereitungsphase von Der zweite Blick geht es inhaltlich um dreierlei:

Zum einen muss das strukturelle Konzept weiterentwickelt und müssen die ersten drei bis vier Schwerpunktthemen perspektivisch geplant werden.

Zum anderen möchte die Kinothek Asta Nielsen 2018 eine Kick-off-Veranstaltung durchführen. Zum dritten werden sich die Macherinnen hierfür auf eine umfangreiche Recherche zu begeben.

Die Recherche fasst Europa als Ganzes in den Blick - West-, Mittel-, und Osteuropa - und beginnt bei der Ermittlung, wo und wann die ersten Frauenfilmfestivals stattfanden. Sie fragen danach, wer sie organisierte und was auf ihnen geschah, welche Teilnehmerinnen kamen, welche Filme und Programme gezeigt wurden. Zu den Recherchen gehören Archivbesuche und gehören Interviews mit den damaligen Protagonistinnen und/oder Teilnehmerinnen der Frauenfilmfestivals. In Westeuropa führt das in die 1970er Jahre, in anderen Teilen Europas liegen die Anfänge oft wesentlich später.

Ziel dieser Recherchen ist, einen ständigen Programmteil jeder Ausgabe von "Der zweite Blick" vorzubereiten, in dem Vorläufer-Filmtage oder Auftakt-Filmtage mit Filmen und Gästen präsentiert wird. Die Macherinnen der "Frankfurter Frauenfilmtage" vergegenwärtigen auf diese Weise nicht nur Geschichte in deren Filmprogrammen, sie stellen uns und ihre Veranstaltung selbst in eine Geschichte und machen diese für das Publikum sichtbar und erfahrbar.