Zeitgemäße Tradition – Errichtung eines Handwerkerhofes in Frankfurt am Main

E 67/19 Gemeinsamer Etatantrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2019

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Magistrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Frankfurt zu prüfen und zu berichten, wie und zu welchen Kosten die Errichtung eines "Handwerkerhofes" mit einem entsprechenden Gewerbeflächenangebot für Handwerks- und kleine stadtteilorientierte Betriebe des Dienstleistungs- und verarbeitenden Gewerbes in Frankfurt am Main geplant und durchgeführt werden kann.

Begründung:

Handwerks- und kleine stadtteilorientierte Betriebe des Dienstleistungs- und verarbeitenden Gewerbes haben es nicht immer leicht, geeignete Flächen und Räumlichkeiten zu finden. Zu hohe Mieten, Stellplatzmangel oder emissionsbedingte Nachbarschaftskonflikte erschweren die Ansiedlung von traditionellen "Hinterhofwerkstätten" zunehmend auch in Frankfurt am Main. Dabei tragen diese kleinen und mittleren Unternehmen sehr wesentlich zu einem funktionierenden Wirtschaftsgefüge bei. Das Räumlich-funktionale Entwicklungskonzept Gewerbe (RfEk) des Masterplans Industrie rechnet damit, dass Branchen, die auf Gewerbeflächen angewiesen sind, bis zum Jahr 2030 in Frankfurt am Main einen zusätzlichen Betriebsflächenbedarf zwischen 90 und 140 ha haben werden. Weiter zunehmende Einwohnerzahlen mit entsprechendem Bedarf etwa für Wohn- oder Schulbauflächen machen es dringend erforderlich, langfristig ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Flächenangebot für solche Betriebe vorzuhalten.

In einigen Großstädten in der Bundesrepublik Deutschland (zum Beispiel Hamburg, Bremen, München, Stuttgart, Potsdam, Augsburg) gibt es bereits oder entstehen unter städtischer Regie und unter teils verantwortlicher Mitwirkung der Handwerkskammern sogenannte "Handwerkerhöfe" als Eigentümer- oder Mietergemeinschaften unter einem Dach. In Hamburg-Ottensen ist seit 2014 zum Beispiel ein selbstverwaltetes Zentrum des Handwerks in Betrieb als Gewerbehof mit Zimmerei, Tischlerei, Instrumentenbau, Polsterei, Sanitärinstallation, Glaserei und Reperaturservice für Haushaltsgeräte. Hingegen wird die "Meistermeile", die 2018 in Hamburg-Eimsbüttel Richtfest feierte, bis zu 70 Handwerksbetrieben moderne Gewerbeflächen zu günstigen Mieten auf vier Etagen bieten, verwaltet durch die stadteigene Hamburger Gesellschaft für Gewerbebauförderung GmbH.

Auch in Frankfurt am Main gibt es mit dem HandWERK in der August-Schanz-Straße schon erste Erfahrungen. Aus privater Initiative entstand auf einer Fläche von 1,5 Hektar für bis zu zwölf mittelständische Firmen im Bau- und Ausbaugewerbe ein Zusammenschluss von Handwerksbetrieben an einem Ort mit einer maßgeschneiderten Neubaulösung inklusive eines zeitgemäßen Energiekonzeptes, das mit dem Energiereferat der Stadt Frankfurt entwickelt wurde.

Ein Handwerkerhof in einem Frankfurter Stadtteil mit alter Handwerks-Tradition, zum Beispiel Bornheim, mit passenden Produktions- und Lagerflächen sowie ggf. in den oberen Etagen Büro- und Wohnraum für Handwerker kann somit ein modernes Angebot sein für Handwerks- und kleine stadtteilorientierte Betriebe des Dienstleistungs- und verarbeitenden Gewerbes, auch für die jene, die nicht selbst kaufen oder bauen wollen. Der Handwerkerhof wird Synergien schaffen und die Zusammenarbeit zwischen den ansässigen Unternehmen fördern.

Das Handwerk gehört in die Stadt, denn es ist auch in guten Stadtlagen mit seinen lokalen Verflechtungen, seinen Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie in seiner Funktion als Dienstleister nicht verzichtbar und sollte auch in Zukunft beste Rahmenbedingungen zu bezahlbaren Preisen vorfinden.