Theaterfestival Mousonturm

E 50/19 Gemeinsamer Etatantrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2019

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Die Magistrat möge prüfen und berichten, ob die Ausrichtung eines Frankfurter Theaterfestivals unter der Federführung des Mousonturms ab dem Jahr 2020 jährlich mit 100.000 Euro aus vorhandenen Mitteln möglich ist. Bis zum Jahr 2020 wird der Magistrat auch gebeten, sich hierfür um weitere Kooperationspartner zu bemühen (zum Beispiel um die Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH).

Begründung:

Frankfurt am Main verfügt über eine bundesweit beachtete und ausgezeichnete Theaterlandschaft, die neben den städtischen Bühnen auch aus privat geführten Theatern, vor allem aber aus einer lebendigen freien Theaterszene, besteht.

Anders als in vielen anderen Städten, die für ihre vielfältigen Aufführungsorte und Produktionen im darstellenden Spiel bekannt sind, besteht in Frankfurt am Main trotz des großen Interesses daran kein vergleichbares Theaterfestival.

Mit dem Mousonturm gibt es eine institutionelle Spielstätte, die ein solches Theaterfestival federführend veranstalten und kuratieren kann.

Am Künstlerhaus Mousonturm entstehen im Laufe einer Saison ca. zehn bis zwölf neue Produktionen zeitgenössischer Frankfurter Tanz-, Theater- und Performance-Künstlerinnen und -Künstler, und darüber hinaus bis zu zehn Abschlussarbeiten von Graduierten der Hochschulen der Hessischen Theaterakademie. Auch im Studio Naxos, auf der anderen Straßenseite des Mousonturms, kommt eine wachsende Anzahl von neuen Produktionen junger Theater- und Performanceschaffender heraus; und zahlreiche weitere Arbeiten neuerer Generation verteilen sich über die ganze Stadt - etwa im Gallus Theater, an den Landungsbrücken, im Frankfurt LAB oder im Rahmen des von ID Frankfurt veranstalteten "Implantieren"-Festivals. Zu den neu entstehenden Projekten zählen vermehrt auch Arbeiten im Stadtraum oder ortsspezifische, installative oder performative Produktionen sowie Arbeiten für ein junges Publikum.

Möglichgemacht wird diese lebendige künstlerische Vielfalt durch die neue Förderpraxis der Stadt Frankfurt, die mit der Einzelprojektförderung ebenso wie mit 2- und 4-Jahresförderungen, einem deutlich erhöhten Budget und vor allem auch höheren einzelnen Förderbeträgen als früher eine umfangreichere und kontinuierlichere Entwicklung ermöglicht hat und jungen Künstlerinnen und Künstlern eine klare Perspektive für kontinuierliche Arbeiten und Präsenz in Frankfurt eröffnet hat.

Doch zumeist endet die Förderung mit der Premiere - entweder weil die Förderstatuten das so vorsehen oder weil das Fördergeld spätestens dann aufgebraucht ist. Es mangelt an Spielmöglichkeiten, denn selbst die Mindestkünstlergagen und technischen Kosten der Vorstellungen sind stets weit teurer als das, was an der Kasse an Eintrittsgeldern eingespielt werden kann. Auch der Mousonturm ist finanziell nicht ausreichend ausgestattet, um die Stücke nach einer ersten kurzen Spielserie wieder aufzunehmen oder häufiger als dreimal aufzuführen. Ein weiterer Faktor, der die überregionale Sichtbarkeit der Frankfurter Gruppen einschränkt, ist, dass ihre Produktionen und Aufführungen sich über das Jahr verteilen.

Frankfurt fehlt ein festivalartiger Anlass, der die herausragende künstlerische Diversität und Qualität etwa in Form einer Ballung von Aufführungen verschiedener neuer Positionen und Produktionen sichtbar und erlebbar macht; der zudem etwa auch Kuratoren und Festivalleiter aus anderen Städten und Ländern nach Frankfurt locken könnte und der zugleich in Frankfurt selbst für einen besonderen Zeitraum die vermehrte Aufmerksamkeit der theaterinteressierten Öffentlichkeit auf diese Gruppen und Produktionen lenken würde.

Sinnvoll wäre deshalb, einmal pro Jahr - etwa am Ende einer jeweiligen Saison oder zu Beginn der Folgesaison - vom Künstlerhaus Mousonturm aus eine Art sieben- bis vierzehntägigen Showcase neuer Frankfurter Produktionen zu organisieren, der in mehreren weiteren Spielorten der Stadt (z.B. Mousonturm, Frankfurt LAB, Studio Naxos, Gallus Theater, Landungsbrücken u.a.) konzentriert und geballt die erfolgreichen Ergebnisse der aktuellen Förderung und Produktion vorzustellen, in die Stadtöffentlichkeit zu tragen und darüber hinaus dafür auch ein interessiertes überregionales Fachpublikum nach Frankfurt einzuladen, das die Arbeiten potentiell auch zu Gastspielen in andere Städte und Länder einladen könnte. Auch wenn sich der Mousonturm und andere freie Häuser mit ihren Räumlichkeiten, Infrastrukturen, technischen Ausstattungen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für dieses Vorhaben engagieren könnten, wäre es ergänzend zur derzeitigen Theaterförderung der Stadt wie auch zur Koproduktions- und Aufführungspraxis des Mousonturms zu sehen und zu finanzieren.

Die für die Ausrichtung notwendigen Mittel in Höhe von 100.000 Euro können so gezielt für die organisatorische und künstlerische Umsetzung genutzt werden, ohne erst grundlegende Strukturen neu aufbauen zu müssen.