Demenz und Migration

E 33/20 Gemeinsamer Etat-Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2020/2021

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Für die Beratungsstelle HIWA werden für die Fortsetzung und Weiterentwicklung von Projekten im Bereich der Versorgung von an Demenz erkrankten Migrantinnen und Migranten für die Haushaltsjahre 2020/2021 jährlich 20.000,- Euro bereitgestellt.

Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig in den beiden Haushaltsjahren erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig. Über die Ausführung dieses Beschlusses ist der Stadtverordnetenversammlung binnen sechs Monaten zu berichten.

Begründung:

In Deutschland sind etwa 1,6 Millionen Menschen (mit und ohne Migrationshintergrund) an einer Demenz erkrankt, alleine in Hessen sind 100.000 Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen. Aktuelle Statistiken belegen, dass die Zahl weiter steigen wird. In Hessen alleine leben ca. 1,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. In Frankfurt am Main treffen nahezu 170 Nationen zusammen. Zahlen belegen, dass 30 Prozent der Seniorinnen und Senioren ältere Migrantinnen und Migranten sind. Viele ältere Migrantinnen und Migranten, die in Deutschland leben, werden nach ihrer Verrentung nicht in ihre Heimatländer zurückkehren. Sie werden in Deutschland älter werden und Hilfe und Unterstützung benötigen. Vor diesem Hintergrund kann davon ausgegangen werden, dass auch in Frankfurt der Bedarf an kultursensibler Beratung und Betreuung von älteren Migrantinnen und Migranten mit einer demenziellen Erkrankung sowie ihrer Angehörigen in Zukunft steigen wird.

Die Diagnose Demenz stellt zunächst für jeden Betroffenen und dessen Angehörigen, unabhängig von nationaler, kultureller oder ethnischer Zugehörigkeit, vor eine Herausforderung. Kommen hier noch ein Migrationshintergrund und die sprachliche Barriere hinzu, wachsen die Herausforderungen für alle Beteiligten. Es bestehen auch zusätzlich auf allen Seiten teilweise noch Informationslücken über Angebote und Unterstützung. Lange wurde das Thema Demenz und Migration vernachlässigt. Deshalb ist es wichtig, dass die ambulante und stationäre Altenhilfe insbesondere in den Bereichen Pflege / Betreuung und Beratung ihren Fokus mehr auf die Interkulturalität und Kultursensibilität legen. Mit dem Ziel, auf die Bedürfnisse und Belange der älteren Migrantinnen und Migranten adäquat zu reagieren.

Seit 25 Jahren ist die HIWA! Beratungsstelle für ältere Migrantinnen und Migranten des Frankfurter Roten Kreuzes ein fester Bestandteil in der Stadt und eine wichtige Anlaufstelle für diese Menschen. Zu den Tätigkeitsschwerpunkten gehören, neben der Beratung zu migrationsrelevanten Themen, Freizeitaktivitäten, offenen Angeboten, institutioneller Beratung und Vernetzung, auch das Thema Demenz und Migration. In ihrer Arbeit kann die Beratungsstelle HIWA! einen deutlichen Anstieg der Nachfrage von Betroffenen, Angehörigen und Fachkolleginnen- und Kollegen zu den Themen Demenz und Migration sowie kognitiven Beeinträchtigungen wie z.B. Vergesslichkeit feststellen. Im Rahmen der bestehenden Projekte wird deutlich, dass die Anzahl der älteren Migrantinnen und Migranten, die an einer Demenz erkrankt sind, steigen wird.

Die Beratungsstelle HIWA! möchte auf der Grundlage der gestiegenen Anfrage zu dem Thema Demenz, sei es von den direkt Betroffenen, Angehörigen und auch von Institutionen und Einrichtungen, verstärkt und bedarfsorientierter an diesem Thema weiterarbeiten und bestehende Projekte ausbauen. Mit dem Ziel, ein bedarfsgerechtes Angebot für die Betroffenen, Familienangehörigen und Institutionen anzubieten. Ein weiteres Ziel ist, die Gesellschaft für das Thema zu sensibilisieren und das Angebot um das Thema Prävention und die Weiterbildung von Fachstellen auszubauen. Um diese bestehenden Projekte aufzustocken und zu entwickeln wird eine finanzielle Unterstützung gebraucht.