Jährliche Förderung für das „Archiv Frau und Musik e.V.“ erhöhen

E 57/20 Gemeinsamer Etat-Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2020/2021

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Im Doppelhaushalt 2020/2021 werden für das "Archiv Frau und Musik e.V." jährlich die eingestellten Mittel in Höhe von 22.500 Euro um 17.500 € auf 40.000 Euro erhöht und verstetigt. Die Summe wird zweckbestimmt aus vorhandenen Mitteln bereitgestellt.

Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig im laufenden Haushaltsjahr erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig.

Über die Ausführung dieses Beschlusses ist der Stadtverordnetenversammlung binnen sechs Monaten zu berichten.

Begründung:

Im Jubiläumsjahr 2019 feierte das "Archiv Frau und Musik" sein 40-jähriges Bestehen. Nach wie vor leistet das "Archiv Frau und Musik e.V." hervorragende Netzwerkarbeit im breit gefächerten Bereich der Musik von Frauen. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, die Musik von Frauen zu archivieren und auffindbar zu machen. Dazu stellt das Archiv einen Onlinekatalog auf seiner Internetseite zur Verfügung. Eine Präsenzbibliothek ist zugänglich.

Das "Archiv Frau und Musik e.V." setzt sich mit seiner Sammlung, seinen Informationsdienstleistungen und seiner Lobbyarbeit täglich ganz praktisch für Chancengleichheit von Frauen in der Musikwelt ein.

Immer noch haben Frauen nicht den gleichen Zugang zu allen Ebenen des Musikgeschäftes wie Männer. Zahlen und Fakten sprechen für ein langsames Aufholen von Musikerinnen in Orchestern, und auch Dirigentinnen stehen heute häufiger am Pult. Prognosen besagen, dass es jedoch noch Jahrzehnte dauern kann, bis eine volle Gleichstellung erreicht sein wird.

Einen großen Nachholbedarf haben insbesondere historische Komponistinnen - ihre Werke werden auch heute noch wenig gehört bzw. aufgeführt. Zeitgenössische Komponistinnen profitieren ebenso von der Unterstützung und den Vernetzungsarbeiten des Archivs. Die Vorbildfunktion der sehr zahlreich im Archiv nachgewiesenen Komponistinnen kann junge Frauen dazu inspirieren, sich für diesen Beruf zu entscheiden.

Das Archiv ermöglicht die wissenschaftliche wie künstlerische Nutzung des vielfältigen Bestands. Die multimediale Sammlung enthält Noten, Bücher, Audio, Video, Fotos, Plakate, Zeitschriften, graue Literatur und Schriftgut, dies mit Schwerpunkt auf dem musikalischen Wirken von Frauen seit dem Mittelalter.

Seit der Gründung 1979 wurden über 25.000 Medieneinheiten sowie 40 Komponistinnen-Nachlässe akquiriert und katalogisiert. Es ist die größte Sammlung dieser Art weltweit.

2019 führte das Archiv Frau und Musik sein zweites Teilprojekt des Digitalen Deutschen Frauenarchivs in Frankfurt durch. Es eröffnet somit neue Perspektiven auf die Bedeutung von Musik für politische und emanzipatorische Aufbrüche - insbesondere für die Frauenmusikbewegung. Es veranschaulicht, wie sehr Musik bis heute auch beherrschende Verhältnisse spiegelt und von ihr geprägt ist.

Ein weiteres Teilprojekt des Digitalen Deutschen Frauenarchivs (DDF) ist 2020 im Archiv Frau und Musik geplant. Darüber hinaus findet die jährliche Fachtagung des i.d.a.-Dachverbands, zu der bis zu 100 Teilnehmer*innen erwartet werden, im Mai 2020 in Frankfurt statt.

Trotz minimaler finanzieller städtischer Unterstützung, die 2014 zeitweilig sogar ganz gestrichen war, leisten zudem viele Ehrenamtliche diese hervorragende Arbeit.