Projektes NeW4Job+ Wiedereinstieg in den modernen Arbeitsmarkt – angestellt oder auch selbständig

E 11/20 Gemeinsamer Etat-Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN zum Produkthaushalt 2020/2021

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Für das Projekt "New4Job+" der Gründerinnenberatungen jumpp-Frauenbetriebe e.V. werden in den Haushaltsjahren 2020/2021 jährlich 25.000 Euro für den Fall bereitgestellt, dass das Land die eigenen Zuschüsse für das Projekt um 50 Prozent reduziert. Sofern die Mittelverwendung nicht vollständig in den beiden Haushaltsjahren/im Haushaltsjahr 2020/2021 erfolgt, ist ein Budgetübertrag möglich. Eine Verwendung der Mittel für andere Zwecke ist nicht zulässig. Über die Ausführung dieses Beschlusses ist der Stadtverordnetenversammlung nach Genehmigung des Doppel-Haushaltes 2020/2021 binnen sechs Monaten zu berichten.

Begründung:

Jumpp gibt eine nachvollziehbare Begründung für die Bedeutung des Projektes "NeW4Job+ Wiedereinstieg in den modernen Arbeitsmarkt - angestellt oder auch selbständig":

54 Prozent der befragten Unternehmen in Hessen sehen die größten Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung ihres Unternehmens in den kommenden 12 Monaten im Fachkräftemangel und in den Arbeitskosten. So wurde für Hessen für das vergangene Jahr 2019 ein Fachkräfte-Engpass von 184.000 Fachkräften (7,6 %) und ein Trend-Engpass von 134.000 Fachkräften (5,7 %) prognostiziert. In Südhessen ist dieser Engpass besonders hoch.

In Frankfurt liegt der Trend-Engpass bei 58.000 (8,1%), in Offenbach bei 11.000 (6,7 %), in Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern bei 7.000 (5,6 %) und in Darmstadt bei 21.000 (5,6 %).

Aufgrund ihrer Ferne zum Arbeitsmarkt verringert sich das Humankapital der Wiedereinsteigerinnen und damit ihre Chancen, eine adäquate Stelle zu finden.

Je länger die Frauen nicht berufstätig waren, umso mehr hat ihr Humankapital abgenommen. Trotz des gerade im Raum Frankfurt/Offenbach/Darmstadt/Hanau sehr hohen Fachkräfte-Engpasses, der vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR für 2019 auf 127.000 prognostiziert wurde, sind diese Frauen nicht ausreichend qualifiziert, um die offenen Stellen zu besetzen.

Wiedereinsteigerinnen fit zu machen für ihre berufliche Zukunft, sie qualifikationsadäquat in der digitalen Arbeitswelt zu platzieren (im Arbeitsmarkt oder in der Selbständigkeit), ihre Potenziale so gut wie möglich auszuschöpfen und den Fachkräftemangel in Hessen zu mindern sind die übergeordneten Ziele des Projekts.

Erreicht wird dies durch die Entwicklung digitaler Kompetenzen, wichtiger Schlüsselkompetenzen und der Lernagilität der Teilnehmerinnen (sich Neuem gegenüber öffnen, Veränderungen mittragen und mitgestalten, neue Fähigkeiten eigenverantwortlich lernen und sich im Kopf flexibel zeigen, Bereitschaft zum lebenslangen - gerade auch digitalen - Lernen), die eine zentrale Zukunftskompetenz ist.

Folgende Zielgruppen werden genannt:

• Wiedereinsteigerinnen und Berufsrückkehrerinnen (z. B. Alleinerziehende) mit unterschiedlichem Bildungshintergrund und Berufserfahrung auf dem Weg in eine sozial-versicherungspflichtige Anstellung oder in die Selbständigkeit

• Frauen mit Migrationshintergrund (mit und ohne Fluchterfahrung) ab Deutsch-Level B2

• Frauen, die durch die Digitalisierung eine mögliche Gefährdung ihres Arbeitsplatzes erfahren

• Frauen deren aktuelles Einkommen nicht existenzsichernd ist (Minijoberinnen, Aufstockerinnen)

Das Projekt ist für jährlich 16 Teilnehmerinnen konzipiert.

Der Projektantrag bietet einen wirkungsvollen und nachhaltigen Beitrag in der Schnittstelle von Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik mit dem Fokus der Chancengleichheit im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit und dem Mehrwert der kulturellen Vielfalt. Das Konzept lässt sich an den Anforderungen einer digitalisierten Arbeitswelt messen und liefert einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Frankfurt-Rein/Main. Das Projekt unterstützt die Teilnehmerinnen dabei, eine existenzsichernde Beschäftigung zu finden und durch wirtschaftliche Unabhängigkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Durch die Bewilligung von 25.000 EUR jährlich würde die Halbierung der Landesmittel nicht vollständig ausgeglichen, das Projekt könnte so aber in modifizierter Form weiterhin durchgeführt werden können. Jumpp hat zugesagt, sich zusätzlich um Stiftungsgelder für die Fortführung des Projektes zu bemühen.