Alternativprüfung des Areals für die DFB-Akademie

Stadtverordnete Ursula auf der Heide, GRÜNE:
Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Die Einlassungen der Herren Rahn und Hübner sind in der Tat in jeder Hinsicht so inakzeptabel, dass ich froh bin, dass meine Vorredner Herr Bürgermeister Cunitz und auch Herr Emmerling dazu schon das Richtige gesagt haben.

Bei all dem, was in Details hier vorgebracht wurde, aber auch was heute und in den vergangenen Wochen zum bevorstehenden Bürgerentscheid gesagt wurde, wurde völlig aus dem Blick gelassen, worum es eigentlich geht. Es geht nicht um Galopprennsport versus Fußball und DFB, es geht auch nicht um Millionengeschenke an den DFB und es geht schon gar nicht um Pferde statt Beton.

Es geht um eine Zukunftsentscheidung für dieses sehr schöne Stückchen Frankfurt in städtischem Besitz. Es geht um eine verlässliche Zukunftsperspektive und es geht um das Allgemeinwohl. Und in diesem Sinne und keineswegs nur unter Abwägung wirtschaftlicher Aspekte sagen wir GRÜNE .Nein. zum Bürgerentscheid und .Ja. zum Bürgerpark und der DFB‑Akademie auf dem Rennbahngelände.

An dem Zaun am derzeitigen Rennbahngelände hängen Schilder auf denen steht: Unbefugten ist das Betreten des Rennbahngeländes mit und ohne Hunde nicht gestattet.

(Zurufe)

Das, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wollen wir dringend ändern.

(Beifall)

Wir hatten mehrfach Ortsbeiratssitzungen auf dem Rennbahngelände und die Bürger sind rüde darauf hingewiesen worden, dass sie ja nicht auf das schöne Grün der Rennbahn kommen, und mussten über Trampelpfade den Weg zur Ortsbeiratssitzung gehen, wo übrigens der ehrenamtlich und mildtätig arbeitende Renn-Klub des Fläschchen Wasser für neun Euro an die Leute verkaufen wollte. Das nur einmal am Rande.

(Beifall, Heiterkeit)

Aber das ist nur ein Nebenkriegsschauplatz. Dass die DFB-Akademie im Interesse der Bürgerinnen und Bürger ist, dass die DFB-Zentrale und die Deutsche Fußball Liga in Frankfurt zu halten sind, wenn die DFB‑Akademie kommt, das bestreiten noch nicht einmal die Fraktionen, die gegen den Aufstellungsbeschluss waren. Perspektivisch 450 Arbeitsplätze, die für sehr viele Aktive und sportaffine Menschen hochattraktiv sind, werden künftig in Frankfurt sein. Der Erhalt der Gewerbesteuereinnahmen durch die DFL und auch der kolossale Imagegewinn, dass man im Wettbewerb mit vielen deutlich größeren deutschen Städten als Alleinstellungsmerkmal sichern konnte, Herr Frank hat es uns gesagt, sind wichtige Sachen. Sehr viele Frankfurterinnen und Frankfurter wissen das und wollen das auch.

(Beifall)

Das wissen natürlich auch die Rennbahnbefürworter und auch die Fraktionen, die gegen den Beschluss waren. Deswegen sind jetzt in den letzten Monaten endlose Debatten um die vermeintlich besseren alternativen Standorte geführt worden. Nachdem im Akteneinsichtsausschuss jeder sehen konnte, der lesen wollte und konnte, warum die angeblich so attraktiven Standorte wie die Commerzbank-Arena oder auch die südliche Bürostadt nicht infrage kommen, hat sich der Schwerpunkt der Argumentationskette jetzt darauf verschoben, dass man sagt, an welchem Tag, welche Option diskutiert wurde und mit welchem Aktenvermerk in den Akten wiederzufinden ist.

Das ist alles letzten Endes völlig irrelevant. Man konnte nachvollziehen, dass der Magistrat die Rennbahn erst sehr spät wieder in die Diskussion aufgenommen hat. Das ist völlig korrekt gewesen, weil die allermeisten Stadtverordneten in diesem Haus dafür waren, dass diese Rennbahn weiter erhalten und subventioniert wird. Also konnte gar nicht der Magistrat zu einem ganz frühen Zeitpunkt das ins Kalkül ziehen.

Das ist ein Prozess und es ist auch schon mehrfach beschrieben worden, warum das so war. Deswegen ist es richtig, dass zu dem Zeitpunkt, als klar war, dass die Rennbahn keine Zukunft hat, das herangezogen wurde. Die GRÜNEN haben übrigens schon wesentlich länger die Reißleine bei dieser Rennbahn ziehen wollen. Wir haben uns schon vor mehr als zehn Jahren gegen weitere öffentliche Subventionierungen des Rennbahnbetriebes gewandt, weil diese ebenso wie schwere Umweltverstöße durch die Rennbahnbetreiber mit dem Gemeinwohl nach unserer Meinung nicht vereinbar waren und sind.

(Beifall)

Pferderennen gibt es schon seit Jahrhunderten, das ist richtig. Aber diese aktuelle Ausprägung ist aus unserer Sicht in mehrerer Hinsicht ein Anachronismus. Es ist, die anwesenden Abkömmlinge mögen mir das verzeihen, ein feudales Relikt. Es ist hier nie ein Volkssport geworden. Bis heute sind Pferdezucht und -rennställe im Besitz weniger Familien und es ist ein Umfeld geblieben, in dem es noch Knechte und Diener gibt.

(Beifall)

Die Jockeys sind in vermeintlich selbstständiger Tätigkeit in ihrer Existenz völlig von den Rennställen abhängig und müssen, da sie im Wesentlichen erfolgsabhängig bezahlt werden, ihre Gesundheit und die der Pferde riskieren.

(Beifall)

Dazu habe ich schon in vielen Details berichtet. Galopprennen seien ein Teil der Kulturgeschichte wurde auch angeführt. Ja, das stimmt. Aber auch Stierkämpfe und Wildtierzirkusse sind Kulturgeschichte und auch sie wurden durch zahlreiche schöne Gemälde und durch die Weltliteratur verewigt. Aber die Zugehörigkeit zur Kulturgeschichte rechtfertigt aus unserer grünen Sicht keineswegs den Erhalt, wenn deren heutige Ausprägung nicht mit den heutigen Erkenntnissen, Werten und Gesetzen, zum Beispiel der Orientierung am Tierschutz, vereinbar ist.

(Beifall)

Dass diese Art Pferderennen keine Zukunft hat, das haben die Züchter und Rennklubs deshalb letztlich ganz alleine und selbst zu verantworten. Die schrille Kampagne um den Bürgerentscheid und das Agieren und Auftreten der Rennklubvertreter mit dem vorläufigen Höhepunkt, den Fraktionsvorsitzenden der GRÜNEN zu einer Unterlassungserklärung wegen der Informationen zu zwingen, ist jedenfalls für die allermeisten Frankfurterinnen und Frankfurter keine Werbung für diese Einrichtung.

(Beifall)

Es bleibt zu hoffen, dass, wenn der Pulverdampf verzogen ist, auch die positiven Erfahrungen und Bilder der Tradition noch im kollektiven Gedächtnis bleiben. Und es ist übrigens auch mit der Entscheidung gegen die Rennbahn keineswegs die Absicht verbunden, die Pferde aus Frankfurt zu verbannen. Man muss nicht frauenpolitische Sprecherin sein, um sich zu wünschen, dass auch in unserer kleinen Stadt Frankfurt noch genug Platz für Pferde verbleibt, der aber nicht am Rennbahngelände sein muss.

(Beifall)

Wir GRÜNE sagen .Ja. zum Bürgerpark und zur DFB‑Akademie, umso mehr - das wurde schon gesagt -, da inzwischen ein städtebaulicher Wettbewerb ein so gelungenes umwelt- und stadtraumverträgliches Ergebnis erbracht hat. Ganz im Unterschied zu bisherigen Bauwerken wird zum Beispiel die Höhe der Gebäude die Baumwipfel nicht überschreiten und sich ein Teil der Akademie zur Rennbahnstraße öffnen. Ja, das Gelände der Akademie wird mit Zäunen, aber keineswegs mit Mauern umgeben sein, wie es im Übrigen bei allen anderen Vereinssportanlagen auch der Fall ist. Deswegen ist es für uns GRÜNE so wichtig, dass die mindestens 18 verbleibenden Hektar endlich allen Bürgerinnen und Bürgern offenstehen sowie Raum und Nutzung auch für nicht vereinsgebundene sportliche Aktivitäten gegeben sein werden.

(Beifall)

Mehr öffentlichen Raum zur freien Gestaltung wünschen sich nicht nur in Frankfurt viele Großstadtbewohner. Das Gelände liegt in Sachsenhausen - das darf ich als Sachsenhäuserin einmal sagen - an der Grenze zu Niederrad. Die wenigen Grünflächen, die es in Sachsenhausen außerhalb des Stadtwaldes gibt, sind teilweise schon sehr stark übernutzt. Da wird dieses große weite Gelände für viele ein sehr schöner Anziehungspunkt werden. Dies gilt ebenso für die zahlreichen Niederräder Familien, die noch viel mehr werden, und für alle anderen Frankfurterinnen und Frankfurter.

Herr Frank hat es schon gesagt, mit dem Hafenpark und seinen nutzungsdefinierten Sportfeldern haben wir im Osten gerade für Jugendliche und junge Erwachsene auf vier Hektar - nur einmal zum Vergleich - einen fantastischen Hotspot geschaffen.

(Beifall)

Wir GRÜNE freuen uns jetzt, dass im Südwesten auf mindestens 18 Hektar ein naturnaher, nachhaltiger, weitgehend nutzungsungebundener Freizeit- und Sportpark entstehen kann. Wir setzen darauf, dass ebenso wie beim Hafenpark durch eine gute und breite Beteiligung der Bevölkerung ein tolles Ergebnis erzielt wird. Wir sagen ausdrücklich .Ja. zu Bürgerpark und DFB‑Akademie und .Nein. zum Entscheid.

Ich danke Ihnen!

(Beifall)