Sukzessive Umstellung auf LED-Straßenbeleuchtung

Stadtverordneter Wolfgang Siefert, GRÜNE:

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, sehr geehrte Damen und Herren!

Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben.

(Zurufe)

So kann man den heute zur Debatte stehenden Antrag zur Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED zusammenfassen. Denn schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen macht die Umstellung Sinn. Nachdem wir in 2014 beschlossen haben, weite Teile der Gasbeleuchtung auf LED-Technik umzurüsten, ...

(Zurufe)

... umzurüsten - Herr Stadtrat, umzurüsten -, gehen wir nun den nächsten Schritt und werden auch bei der Modernisierung und der Neueinrichtung der konventionellen elektrischen Straßenbeleuchtung künftig nur noch auf LED-Technik setzen.

(Beifall)

Wir freuen uns darauf, dass der Magistrat diese Beschlüsse mit Hochdruck umsetzen wird.

(Beifall)

Alle Pilotprojekte, die mit Unterstützung der hessischen Landesregierung in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden, haben gezeigt, dass erhebliche Einsparungen möglich sind. So waren es in Marburg 71 Prozent und in Gießen sogar 80 Prozent an Energie, die eingespart werden konnte. Selbst bei den vergleichsweise effizienten Natriumdampfhochdrucklampen - schönes Wort -, die in Frankfurt schon teilweise verwendet werden, sind immer noch circa 50 Prozent an Energieeinsparungen zu erwarten.

Da es für die nötigen Investitionen derzeit vor allem vom Land Hessen erhebliche Fördermöglichkeiten gibt, ergibt sich auch in der Gesamtkostenbetrachtung sehr schnell eine rentable Investition. Es wird Zeit, dass Frankfurt zu den 110 hessischen Kommunen aufschließt, die ihre Straßenbeleuchtung bereits auf LED umrüsten.

(Beifall)

Soweit zu den schwarzen Zahlen. Damit habe ich jetzt hoffentlich schon einmal diejenigen überzeugt, denen der Klimaschutz nicht so sehr am Herzen liegt. Aber ich möchte an dieser Stelle auch noch etwas zu den grünen Ideen sagen. Mit dem Masterplan 100 Prozent Klimaschutz haben wir beschlossen, bis zum Jahr 2050 die Energieversorgung nahezu klimaneutral zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir zum einen die Energie aus regenerativen Quellen erzeugen, aber auch - und das ist ein unbedingt notwendiger Baustein - so viel Energie wie möglich einsparen, das heißt, Energie möglichst erst gar nicht zu verbrauchen.

Wir verwenden zurzeit für die 67.000 elektrischen Straßenlaternen circa ein Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Frankfurt. Ja, ein knappes Prozent nur für die Straßenbeleuchtung. Das sind 32,6 Gigawattstunden für die Straßenbeleuchtung, dazu kommen noch 42,5 Gigawattstunden Energie für die Gasleuchten. Sie sehen also, meine Damen und Herren, hier liegt ein erhebliches Potenzial, bei dem wir als Stadt direkt selbst handeln können. Es geht dabei nicht nur um das CO2, das über die Atmosphäre zum Klimawandel und damit zur globalen Klimaerwärmung beiträgt. Die Folgen haben wir diesen Sommer alle zu spüren bekommen.

(Zurufe)

Ja, Quatsch, es war ja scheiß kalt.

(Heiterkeit)

Es geht aber auch um die lokale Erwärmung. Jedes Prozent Energie, das wir nicht in Licht umwandeln, geht direkt als Wärme in die Umwelt. Bei der Kaltluft ist es eben genauso wie beim Energiesparen. Es ist natürlich wichtig, vorher wurde es gefordert, dass wir die Kaltluftzufuhr nach Frankfurt schützen. Genauso wichtig ist aber auch, dass wir nicht unnötig Wärme in der Stadt erzeugen. Da muss ich allen Kritikern sagen, dass wir mit der veralteten Technik die Straßen eigentlich weniger beleuchten, nein, eigentlich beheizen wir die Straßen eher. Bei Gasleuchten werden beispielsweise 92 Prozent der Energie, also ungefähr 40 Gigawattstunde pro Jahr, direkt in Wärme umgewandelt, mitten in der Stadt. Und das alles an den Tagen, an denen wir alle unter der Hitze stöhnen. Hier ist also dringend geboten, dass wir tun, was wir tun können, und das ist die Umrüstung auf LED-Technik, und zwar so schnell wie möglich.

(Beifall)

Es geht dabei aber nicht nur um Klimaschutz. LED-Leuchten können sehr zielgerichtet die Bereiche ausleuchten, die auch ausgeleuchtet werden sollen, und sie können praktisch auf jede Lichtfarbe eingestellt werden. Somit ist es also möglich, das Streulicht, also die Lichtverschmutzung, so gering wie möglich zu halten und mit der Lichtfarbe sowohl ein angenehmes Licht zu erzeugen als auch möglichst viel für den Insektenschutz zu tun. Der heutige Beschluss ist also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten und ein Beispiel dafür, dass grüne Ideen nicht nur das Klima in der Stadt, sondern auch das Klima im städtischen Haushalt verbessern.

(Beifall)

Meine Damen und Herren, wenn wir dann noch den Radverkehrsanteil und die ÖPNV‑Nutzung weiter steigern, dann sind wir in Frankfurt auf einem guten Weg in Sachen Reduzierung der Klimaerwärmung und Klimaschutz. Weil wir heute von den Initiatoren des Radentscheids vor der Sitzung die gestellten klugen Forderungen überreicht bekommen haben, möchte ich allen Zweiflern an dieser Stelle noch Folgendes mitgeben: Wer in wenigen Wochen ohne teure und diffamierende Werbekampagne über 40.000 Unterschriften für sein Anliegen sammelt, hat bewiesen, dass ein Großteil der Bevölkerung in dieser wunderschönen Stadt mehr Radwege und damit mittelbar auch mehr Klimaschutz will. Aber dieses Thema wird uns die nächsten Wochen sicher noch weiter beschäftigen.

Vielen Dank!

(Beifall)