Ampelpärchen NR 478

Stadtverordneter Dimitrios Bakakis, GRÜNE:

Herr Vorsitzender,

meine Damen und Herren!

Es ist einigermaßen unglaublich, was man alles aus dem Thema Ampelpärchen herausholen kann. Unglaublich.

Herr Wurtz, Sie haben gefragt, wer denn so etwas braucht. Nun, ich brauche das und viele andere auch. Es brauchen insbesondere viele jüngere Menschen. Schauen Sie sich doch bitte einfach mal die Suizidraten unter den gleichgeschlechtlich liebenden Jugendlichen und unter Transmenschen an, und sagen Sie mir dann, dass es solcher Symbole nicht bedarf.

(Beifall)

Sie werfen uns vor, dass wir Menschen auf ihre Sexualität reduzieren und verkennen dabei, dass unsere Politik und unsere Maßnahmen doch genau darauf abzielen, dass es nicht mehr ständig Thema ist, wer wen warum liebt. Es ist auch für die Opfer von Gewalttaten vollkommen irrelevant, ob nun die Gewalt aus einer eher religiös begründeten Ecke oder aus einer politisch begründeten Ecke kommt. Da wiederhole ich, was ich schon einmal gesagt habe: Niemand trägt so viel Hass und Verachtung in unsere Gesellschaft wie Ihre Partei.

(Beifall)

Da sollten Sie sich einmal fragen, was Sie dazu beitragen, wenn Sie Schwulen, Lesben und Transmenschen die Rechte aberkennen, wenn Sie sie marginalisieren ...

(Zurufe)

. und wenn Sie die Dinge lächerlich machen. Sie beweisen doch immer wieder, dass Sie keine Ahnung haben, wovon Sie reden.

(Beifall)

Frau Hübner sprach allen Ernstes im Ausschuss für Bildung und Integration vor einigen Monaten davon, dass sie auch viele integrierte Homosexuelle kennen würde.

(Zurufe, Beifall, Heiterkeit)

Ich finde das unglaublich entlarvend, und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen zeigt es, was für einen Integrationsbegriff Sie haben, nämlich den der Totalassimilation. Man darf überhaupt nichts eigenes mehr behalten und möge bitte möglichst unsichtbar sein. Das Zweite ist, Sie zeigen uns auch, unter welchen Umständen Sie bereit sind, uns Homosexuelle zu akzeptieren, nämlich dann, und nur dann, wenn man uns nicht als Homosexuelle erkennt. Wenn wir nicht Händchen halten, wenn wir uns nicht in der Öffentlichkeit küssen, wenn wir uns möglichst hetero, straight-like geben, dann ist das für Sie in Ordnung. Aber wehe, wir geben uns zu erkennen, wehe, wir fordern Rechte ein, wehe, wir zeigen Zuneigung in der Öffentlichkeit. Es ist unglaublich.

(Beifall)

Ich stand vor etwas mehr als eineinhalb Jahren hier und dankte im Namen meiner Fraktion, aber auch als schwuler Frankfurter, dem Magistrat für dieses in der Tat doppelte Signal, das er mit den gleichgeschlechtlichen Ampelpärchen sendet. Ich sagte damals, dass uns, dass Menschen wie mir, damit signalisiert wird, dass wir hier willkommen sind. Ich sagte damals, dass damit auch signalisiert wird, dass Lesben- und Schwulenfeindlichkeit wie auch andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in dieser Stadt keinen Platz haben. Das wiederhole ich hiermit.

(Beifall)

Wenn Stadträtin Weber Stadtrat Oesterling dankt - dem Dank schließe ich mich an -, dann möchte ich aber auch Stadtrat Majer dafür danken, dass er das im Jahr 2015 überhaupt erst eingeführt hat. Vielen Dank!

(Beifall)

Wenn Sie sich tatsächlich Sorgen um die Rechte und die Sicherheit von Schwulen und Lesben machen - ich habe Frau Hübner letztes Jahr, glaube ich, schon eingeladen -, dann kommen Sie auf den Christopher Street Day und brechen Sie mit uns eine Lanze für unsere Rechte. Wie wäre das denn?

(Beifall, Zurufe)

Da will ich Sie einmal sehen. Sie waren da, angetrunken und haben .

(Zurufe)

Ja, ja, das ist alles bekannt. Wie dem auch sei, wir haben gelernt, Herr Wurtz, egal was, die Ampelpärchen und wir GRÜNE sind schuld an allem, an diesem Übel. Nun denn, viel Feind, viel Ehr..

Vielen Dank!

(Beifall)