Commerzbank-Arena der Eintracht zum Kauf anbieten NR 475

Stadtverordneter Taylan Burcu, GRÜNE:

Herr Vorsteher,

meine Damen und Herren!

Ich bin froh, wenn die Oberbürgermeisterwahl vorbei ist und wir uns keine absurden und unrealistischen Forderungen von manchen Kandidaten mehr anhören müssen. Ich bin auch froh, wenn die Oberbürgermeisterwahl vorbei ist und wir nicht mehr von inhaltsleeren und schlechten Plakaten, teilweise sogar ordnungswidrig an Bäumen und Bahnstationen aufgehängt, genervt werden. Wobei ich zugeben muss, dass ich, dank der vielen Christian Lindner Poser‑Plakate, da schon etwas abgehärtet bin. Und ich bin froh, wenn die Oberbürgermeisterwahl vorbei ist, und solche Anträge und Ideen, wie wir sie nun vorliegen haben, nicht mehr bei uns auf dem Tisch landen.

Aber ich darf mich nicht beschweren, denn in der jetzigen Situation der Frankfurter FDP muss ich ja fast schon froh darüber sein, dass wir keine Anträge á la .Verkaufen wir das Rathaus an Volker Stein. vorgelegt bekommen.

(Heiterkeit)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wissen bereits, dass das Wettbieten um die Eintrachtfans mit Frau Weylands Idee begann. Das habe ich damals in die Kategorie .gut gemeint aber schlecht gemacht. beziehungsweise .schlecht gefordert. eingeordnet. Wahlkampf halt, dachte ich mir. Ihre Parteifreunde haben Frau Weyland erklärt, dass diese Idee absurd ist, und damit war es das eigentlich; sollte man meinen. Dass die FDP‑Fraktion nun diese schlechte Idee aufgreift und einen Antrag daraus macht, zeigt mir, dass der Antragssteller von diesem Thema keine Ahnung hat.

(Beifall, Zurufe)

Der jetzige Vertrag, der 2020 ausläuft, ist auch für uns GRÜNE nicht optimal. Insbesondere die Tatsache - hören Sie zu -, dass der zwischengeschaltete Vermarkter einen Teil der Summe einnimmt und damit weniger Geld für die Stadt und für das Investieren in das Stadion übrig bleibt, ist suboptimal. Daher berät sich der Aufsichtrat und die Geschäftsführung der Sportpark Stadion GmbH zurzeit, holt sich Rat und Ideen von Expertinnen und Experten ein und wird sicherlich bald schon eine für alle Seiten zufriedenstellende Variante finden. Eine Variante kann beispielsweise sein, dass die Gesellschaft selbst das Stadion betreibt oder die Eintracht als Betreiber fungiert, aber ein Verkauf des Stadions kommt für uns sicherlich nicht infrage.

(Beifall)

Nicht nur wegen der Nachteile, wie zum Beispiel mangelhafte Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt oder das Risiko eines Ausschreibens, wir haben es eben von Frau Busch gehört. Das Waldstadion wurde - ich nenne es ganz ausdrücklich auch Waldstadion - mit dem Geld der Frankfurterinnen und Frankfurter gebaut und es wird auch weiterhin der Allgemeinheit gehören.

Apropos Eintracht Frankfurt, lassen Sie mich noch einige Sätze dazu sagen, da die AfD‑Fraktion offenbar nicht den Mut hatte, diesen Punkt auf der Tagesordnung zu lassen. Der Präsident der Eintracht, Herr Fischer, sagte, ich zitiere mit der Erlaubnis des Herrn Vorstehers: .Der Verein Eintracht Frankfurt muss parteipolitisch neutral bleiben, aber nur insoweit, als es sich um Parteien handelt, deren Weltanschauungen in Einklang mit den Werten des Vereins stehen..

Das tut es bei der AfD ganz eindeutig nicht. Die AfD kann sich hier noch so sehr als Opfer von Diskriminierung in der Debatte darstellen, die AfD ist nicht Opfer, sondern Täter.

(Beifall)

Wenn sich die bekanntesten und wichtigsten Politikerinnen und Politiker der AfD ständig rassistisch oder fremdenfeindlich, antisemitisch oder islamfeindlich, homophob oder frauenfeindlich und vor allem gegen unsere Demokratie äußern, dann ist es eben keine normale demokratische Partei. Es ist die Partei der geistigen Brandstifter.

(Beifall)

Ein Beispiel aus aktuellem Anlass: Gestern schaffte es die AfD, einen Ausschussvorsitz im Bundestag mit einem Asozialen namens Brandner zu besetzen, der öffentlich AfD‑Gegendemonstranten als Ergebnis von Inzest und Sodomie und als SA‑Dumpf-backen bezeichnete. Das kann selbst Erdogans AKP nicht mehr toppen.

Das alles passt nicht zu der Satzung und dem Wertesystem von Eintracht Frankfurt. Gegen Rassismus, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Antisemitismus heißt es dort, und darauf bin ich als ganz großer Eintracht‑Fan auch besonders stolz.

(Beifall)

Wir sind daher Herrn Fischer für seine klare Botschaft zu Vielfalt und Internationalität und seine Positionierung gegen die AfD sehr dankbar. Viele Frankfurterinnen und Frankfurter in anderen, kleineren Vereinen werden sicherlich auch dankbar sein, denn sie tun das auch jeden Tag, mit Worten oder mit Taten.

(Beifall)

Seit Jahrzehnten arbeiten Fußballvereine gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, konsequent waren sie dabei aber nicht immer. Neonazis, die sich als Fans ausgeben, werden von einigen sogar geduldet. Auch deshalb sind die klaren Worte von Herrn Fischer, aber auch von Christian Streich oder Kevin-Prince Boateng begrüßenswert. Wir wünschen und hoffen, dass dies von anderen Sportvereinen und Funktionären und insbesondere von Fußballstars, die heutzutage für Kinder und Jugendliche eine sehr große Vorbildfunktion haben, auch nachgeahmt wird.

(Beifall)

Lieber Herr Dr. Schulz, beschäftigen Sie sich doch lieber mit der Sicherheitspolitik oder vor allem mit den Bürgerrechten, da haben wir gewisse Schnittmengen, da haben Sie eine gewisse Kompetenz, aber überlassen Sie dieses Thema lieber denen, die wirklich Ahnung davon haben. Vielen Dank!

(Beifall, Heiterkeit, Zurufe)