Theaterförderung außerhalb der Städtischen Bühnen M229

Stadtverordneter Sebastian Popp, GRÜNE:

Herr Vorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Der Kollege Dr. Dürbeck hat sich in unnachahmlicher Art und Weise Mühe gegeben, sich mit der AfD auseinanderzusetzen. Ich will das an der Stelle eher kurz halten. Aller Anfang ist schwer. Da kann man nur sagen, auch die vielen hundert Besucherinnen und Besucher der Freien Theater in dieser Stadt sind Steuerzahler. Letztlich geht es um Geld. Da müssen sie halt einmal hingehen. Da müssen sie halt einmal sprechen. Bei dem Kollegen Mund wird am Ende relativ schnell relativ deutlich, worum es ihm eigentlich geht, auch um das Geld. Da halte ich es dann mit Herrn von Wangenheim, wir brauchen dieses Geld. Und dass Sie, Herr von Wangenheim, sich hier hinstellen und von der Blackbox sprechen, ich glaube, da sind in den letzten beiden Förderzeiträumen jeweils 60.000 Euro, round about 50.000 Euro, durch die politische Einflussnahme verändert worden. Was wir von den GRÜNEN als sehr bedauerlich finden, aber wir hätten hier gerne ein stringenteres Vorgehen, aber das ist jetzt nun nicht die große Blackbox. Gerade Sie, Herr von Wangenheim, wären durchaus in der Lage, von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Amtes diese von Ihnen so wichtig gefunden Fragen, wer wurde eigentlich abgelehnt, zu erfahren. Ich weiß nicht, wo Sie damit hinwollen.

(Beifall)

Wir sind sehr stolz, nach vielen Jahrzehnten, dass wir eine neue Theaterförderstruktur auf den Weg gebracht haben, die durch einen Beirat begleitet wird. Diese Debatte, das ist in der Tat wahr, führen wir seit 1989. Jetzt haben wir sie seit ein paar Jahren eingerichtet. Das ist sehr gut. Es ist eine Erfolgsgeschichte. Wer am Ende des Tages die Millionen besorgt hat, wird dann die Geschichtsschreibung feststellen. Aber gute Ideen haben immer viele Erfinder, insofern ist das auch kein großes Problem.

Alles Gute kann man natürlich immer noch besser machen. Ich glaube, das wurde auch heute gesagt, die Manöverkritik steht demnächst an. Natürlich wird man sich dann die Richtlinien anschauen und Veränderungen vornehmen müssen. Eine Veränderung aus unserer Sicht ist wie gesagt die Frage der politischen Einflussnahme. Frau Dr. Wolter‑Brandecker hat darauf hingewiesen, dass man auch Projekte herausnehmen kann. Ein weiterer wichtiger Punkt aus der Perspektive der GRÜNEN ist die Besetzung des Beirates. Hier würden wir uns wünschen, dass in der Zukunft auch die Organisation der Theater in die Besetzung dieses Beirats im Sinne der Transparenz mit einbezogen wird. Ich möchte an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass es ein großer Wunsch der GRÜNEN wäre, dass in diesem Beirat auch ein Mensch mit Migrationshintergrund vertreten sein würde, weil auch das für die Frankfurter Theaterszene wichtig wäre.

(Beifall)

Ich glaube auch, das ist schon angeklungen, dass der Theaterbeirat sich in der Zukunft ein bisschen weiter professionalisieren muss. Wir könnten uns auch vorstellen, dass er einzelne Projekte über die Zeit hinaus berät. Das ist aber mit dem derzeitigen ehrenamtlichen Engagement dieses Beirats so nicht zu leisten. Ein gutes Modell in dieser Art und Weise gibt es zum Beispiel in Wien.

Thomas Dürbeck hatte darauf hingewiesen, dass wir Theater fördern wollen, aber wir wollen nicht Beton fördern. Nun braucht aber auch die freieste Gruppe einen Ort, an dem sie spielen kann. Insofern glauben wir schon, dass die Frage der Spielstätten und der Theaterhäuser ein Thema ist, das wir in der Zukunft angehen müssen. Es ist auch ein Thema gewesen, das schon im Bericht der Perspektivkommission im Jahr 2012 angerissen wurde, wie eigentlich die Ausstattung der Häuser in dieser Stadt ist und welche Veränderungen nötig sind.

Es hat eine Menge Veränderungen gegeben. Arbeitszusammenhänge haben sich im Zuge dieser Debatte verändert. Aber wir glauben, es muss weiter gehen hier Wege zu beschreiten, die es den neuen nachwachsenden Künstlerinnen und Künstlern möglich machen, auch Theater zu spielen. In diesem Kontext, auch das wurde schon angedeutet, spielt aus unserer Sicht der Mousonturm eine ganz wichtige Rolle. Er hat heute ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Stadt durch die Entscheidung, das TAT nicht mehr haben zu können und die Entscheidung, Forsythe auch nicht mehr haben zu wollen. Es heißt, er ist ein letzter Ort, in dem Avantgarde, Experiment und künstlerisches Risiko im internationalen Kontext überhaupt noch in dieser Stadt präsentiert werden. Er ist aber auch eine wichtige Schnittstelle für die jungen Theatergruppen dieser Stadt, die dort die Möglichkeit haben, sich gemeinsam mit den Theatergruppen im internationalen Kontext zu messen und ihre Arbeit zu zeigen, auch Experimente durchzuführen. Experimente, die auch - das gehört für uns auch ganz wichtig zu dieser Art von Theater - einmal scheitern können.

Insofern sind die zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel für den Mousonturm in der Vergangenheit ausreichend, um den Status quo abzusichern. Sie sind aber ganz sicherlich nicht ausreichend, um das zu zeigen, was der Mousonturm als Potenzial hätte, welche Möglichkeiten er in den Kooperationen hätte. Sagen wir einmal, der Mousonturm kooperiert mit den städtischen Bühnen, mit dem Hessischen Staatsballett, mit der Alten Oper Frankfurt, mit dem Ensemble Modern, mit den Städtischen Museen, mit dem Kunstverein und so weiter. Wir haben eine breite Landschaft von hochkarätigen Ausbildungsinstitutionen in Frankfurt, in der Umgebung und in Hessen. Hier braucht der Mousonturm mittelfristig mehr Mittel, um diese hervorragende Arbeit in der Stadt und für die Stadt weiter durchführen zu können.

Ich glaube, das freie Produzieren zeitgenössischer Spielweisen und Formate, die Teilhabe an Interaktionen, die Überschneidungen von künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung und schließlich die genreübergreifende interdisziplinäre künstlerische Arbeit gewinnt stetig an Relevanz. Sie gewinnt deshalb an Relevanz, weil sich in ihr der gesellschaftliche Wandel und die Herausforderung des 21. Jahrhunderts klarer und erkenntnisreicher widerspiegelt, als in althergebrachten Kunstformen. Deswegen brauchen wir hierfür in der Zukunft auch mehr Raum und mehr Platz in dieser Stadt.

Wir reden auch parallel über den Haushalt. Reichen die vorhandenen Mittel für die Kultur? Ich glaube, nein. Eine wachsende Stadt wie Frankfurt muss nicht nur Schulen bauen, sie muss nicht nur Kindertagesstätten aufrechterhalten, sondern sie muss auch Mittel für die Kultur zur Verfügung stellen, weil auch in einer wachsenden Stadt der Bedarf an kulturellen Bedürfnissen zunimmt.

In diesem Sinne hoffen wir, in den anstehenden Haushaltsberatungen auch wieder etwas für die Kultur bewegen zu können, oder andersherum gesprochen, wenn wir über Kürzungen im Bereich des Haushaltes sprechen, dass die Kultur einen gleichberechtigen Beitrag trägt und nicht über die Maße, wie vielleicht manches Mal in der Vergangenheit. Wir werden selbstverständlich dem M‑Vortrag zustimmen.

Danke schön!

(Beifall)