Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt a.M. 2021

Stadtverordneter Manuel Stock, GRÜNE:

Herr Vorsteher, meine Damen und Herren!

Ich möchte einmal ganz grundsätzlich damit anfangen, dass selbstverständlich Religion und Weltanschauungsgemeinschaften eine wichtige Säule in unserem Zusammenleben hier in Deutschland, aber auch weltweit sind. Wenn sie sich denn Kritik und dem öffentlichen Diskurs stellen, wenn sie eigene Ansichten nicht verabsolutieren und wenn sie nicht fundamentalistisch agieren, dann sind sie wirklich eine wichtige Bereicherung unserer Gesellschaft. Ohne solche Organisationen könnte unsere Gesellschaft, so wie sie funktioniert, nicht funktionieren. Ich möchte sagen, dass das natürlich auch für solche Gemeinschaften und Zusammenschlüsse gilt, die nicht religiös geprägt sind.

Ich möchte noch einmal deutlich machen, worum es beim Kirchentag geht. Uwe Becker, Esther Gebhardt und Nils Kößler haben es getan. Worum geht es da? Da werden die relevanten Themen unserer Zeit diskutiert. Einige relevante Themen unserer Zeit wurden in Teilen schon, bevor sie in den Parlamenten diskutiert wurden, auf dem Kirchentag diskutiert. Ob das das Thema Umweltschutz ist, fairer Handel, soziale Spaltung, das Thema der Klimaerhitzung et cetera pp.

(Zurufe)

Doch Jutta von Ditfurth, der Kirchentag hat diese Themen schon lange vorher diskutiert. Das kann man einfach einmal nachschauen. Ich glaube, man sollte den Kirchentag nicht so darstellen, dass es eine Veranstaltung der zwei großen Kirchen von oben herab ist. Nein, es ist eben etwas anderes, es ist eine Veranstaltung der Laien, und deshalb ist sie besonders wertvoll, liebe Kolleginnen und Kollegen.

(Beifall)

Gerade in Zeiten, wie wir sie erleben, wo sich auch immer wieder neue Bündnisse zusammentun im politischen Kontext, ist es umso wichtiger, dass wir, gerade auch in Frankfurt, Veranstaltungen haben, die alle gesellschaftlichen Fragen wirklich von vorne bis hinten diskutieren, die auch Platz haben für Widerspruch, wo kontrovers diskutiert wird, wo auch die Kirche ihre Positionen im Nachhinein überdenkt. Das ist der 3. Öku-menische Kirchentag. Ich glaube, auch gerade darin liegt eine Chance, für die eine Kirche vielleicht mehr als für die andere, sich ein wenig mehr diesem weltoffenen Frankfurt zu öffnen. Wir haben da, gerade auch bezogen auf die katholische Kirche, wirklich das Glück, einen Stadtdekan zu haben, der bei ganz vielen Themen vorne voransteht. Ich glaube, wenn wir hier in Frankfurt diesen Kirchentag ausrichten, dann kann sich auch das positiv auf die katholische Kirche auswirken.

Ich verstehe die Aufregung da hinten nicht so ganz. Einfach melden, diskutieren - das funktioniert auch.

(Zurufe)

Machen wir es doch einmal so: Wir verabschieden diese M‑Vorlage, dann ist 2021 der Ökumenische Kirchentag, wir gehen gemeinsam hin und diskutieren danach darüber. Wir gehen gemeinsam oder zu dritt dorthin und diskutieren danach - haben wir etwas gelernt, ja oder nein, war es ok, ja oder nein.

(Beifall)

Ich glaube, die, die die Rede der klugen Generalsekretärin des Kirchentages, Frau Dr. Helmke, schon einmal in der Paulskirche gehört haben - Uwe Becker ist darauf eingegangen -, ich kann da nur sagen, ich freue mich auf diese Diskussionen, wenn eine so kluge Frau diesen Kirchentag an der Stelle organisiert. Es ist doch klar, warum die AfD - es ist auch schon gesagt worden - diesen Kirchentag einfach nicht haben möchte.

(Zurufe)

Nein, Sie sagen es doch. Ich möchte einfach einmal...

(Beifall)

Ja, die AfD fragt immer nur, sagt dann Votum im Plenum und stimmt danach dann doch mit Nein. Das kennen wir, das brauchen Sie uns nicht vormachen, Herr Reschke. 2017 hat die grüne Bundestagsabgeordnete Katrin Göring‑Eckardt die Eröffnungsrede des Kirchentages gehalten und gesagt, ich zitiere: "Und wir können klarmachen, dass Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe keine Obergrenze haben". Die Presse, Frau von Ditfurth, hat danach vermerkt: "Spontaner Applaus aus der lauschenden Menge zwischen französischem Dom und deutschem Dom". Das ist das, was diesen Kirchentag ausmacht, da geht es um Mitmenschlichkeit, da geht es um Diskussion.

Ich komme zum Schluss. Die Vielfalt, die den Kirchentag ausmacht und verkörpert, ist das Gegenmittel zum Gift der Einfalt. Liebe AfD, Ihnen passt diese Kirche einfach nicht mehr. Sie hätten lieber eine Kirche, die es vielleicht niemals gab. Eine Kirche, um jetzt einmal zum Persönlichen zu kommen, wo zwei Männer gesegnet werden, eine Kirche, wo ein Sohn einer Regenbogenfamilie gesegnet wird, die passt Ihnen einfach nicht.

(Zurufe)

Das tut mir leid, aber vielleicht diskutieren Sie einmal mit denen, die Kirche ausmachen, auf dem Kirchentag. Herr Dr. Dr. Rahn, dann reden Sie mit den Leuten dort, vielleicht kommen Sie einmal zu klugen Erkenntnissen und kommen in der Realität in dieser bunten Stadt Frankfurt an.

Vielen Dank!

(Beifall)