Aktuelle Stunde: Drogenpolitik im Bahnhofsviertel

Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren!

Seit Ende der Achtzigerjahre leistet der Frankfurter Weg Pionierarbeit in der Drogenpolitik. Er dient vielen Kommunen als Vorbild und setzt Maßstäbe auch über die Grenzen Europas hinaus. Die aktuell größte Herausforderung in der Frankfurter Drogenpolitik, für die Drogenhilfe und ebenso für Konsumentinnen und Konsumenten ist die Substanz Crack.

Der Vorsitzende des Gewerbevereins Treffpunkt Bahnhofsviertel e. V. fordert aktuell die kostenlose Vergabe von Heroin und Crack und bekommt laut Pressebericht Unterstützung des Oberbürgermeisters. Nun, ich denke, die Formulierungen des Oberbürgermeisters waren in der Presse an dieser Stelle etwas unglücklich gewählt. In der täglichen Konfrontation mit dem menschlichen Leid mag die Geduld einmal am seidenen Faden hängen. Wir dürfen aber trotzdem den Leistungsdruck nicht vergessen, und dürfen nicht vergessen zu hinterfragen, welche Maßnahmen den Crackkonsumentinnen und ‑kon-sumenten wirklich helfen.

(Beifall)

Was ist verantwortbar, was ist sinnvoll und was ist auch rechtlich möglich? Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig, die Lebenswelt der Zielgruppe gut zu kennen und zu verstehen. Herr Stadtrat Majer hat heute sehr deutlich ausgeführt, wie sich der Rausch unter Crackeinfluss gestaltet, wie getrieben und agiert die Konsumentinnen und Konsumenten ihr gesamtes Dasein dem Crackkonsum unterwerfen.

Die University of Applied Sciences hat in einer Studie deutlich herausgearbeitet, dass Therapieansätze bei Crackkonsum sehr individuell gestaltet werden müssen. Keiner der Fachleute unterstützt eine Vergabe von Crack. Dies kann demnach nicht der richtige Ansatz sein, meine Damen und Herren.

(Beifall)

Die süchtigen Menschen brauchen flexible Angebote. Genau solch ein Angebot ist zum Beispiel das Nachtcafé. Es wird sehr gut angenommen, denn hier können Besucherinnen und Besucher einmal zur Ruhe kommen, zu einer Ruhe, die sie dringend benötigen. Ein weiterer Aspekt, der in der Studie herausgearbeitet wurde, ist der direkte Zusammenhang zwischen Crackkonsum und Aufenthalt der Konsumentinnen und Konsumenten in der Szene.

Die Menschen brauchen ein Angebot, um die Szene zu verlassen und um an anderer Stelle aufgefangen zu werden. Genau dieses Angebot bietet der Shuttlebus des Eastsides. Hier im Eastside finden sie einen Schlafplatz und Zugang zur Drogenhilfe, deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass das Eastside am sicheren Standort in der Schielestraße außerhalb der Szene verbleibt.

(Beifall)

Meine Damen und Herren, wir entwickeln den Frankfurter Weg stetig, alle vier Säulen haben sich bewährt. Mit Expertise und Feinarbeit werden wir auch die Herausforderung Crack meistern. Dafür braucht es Geduld und einen langen Atem.

Danke schön!

(Beifall)

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Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE:

Herr Pürsün, wir haben hier weder für Denkverbote geworben, noch haben wir welche. Wir lesen die Expertenstudien, die müssen auch Sie einmal lesen. Dort ist ganz klar erarbeitet, dass keine Vergabe von Crack gut für die Konsumentinnen und Konsumenten ist. Wir haben auch neue Ansätze, wir entwickeln den Weg weiter - Nachtcafé, Shuttlebus, Notkontingentbetten, lesen Sie die Expertise und hören Sie unseren Diskussionen im Ausschuss zu, besonders was der Stadtrat uns sagt. Okay?

(Beifall)