Die Stadtverwaltung braucht Fachkräfte

Stadtverordnete Hilime Arslaner-Gölbasi, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Vorsteher, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich sitze auf meinem Platz und denke mir: wie kann man mit so wenig Ahnung so viel Meinung vertreten wie auf der rechten Seite. Ohne, dass ich auf den Antrag eingehe: Die Begrifflichkeiten, die gefallen sind. "Minderheiten". Wo leben Sie denn? Sie leben in Frankfurt mit 51 Prozent Menschen mit sogenannter Zuwanderungsgeschichte.

(Beifall)

Es sind 51 Prozent. Wer ist denn die Minderheit? Sie, in der rechten Ecke mit ihrer Meinung, sind die Minderheit. "Eingeborene", darauf ist die Kollegin schon eingegangen. Was ist das für ein Sprachgebrauch? Über welches Zeitalter reden Sie denn? Definitiv nicht von unserem Zeitalter. Definitiv nicht in Frankfurt.

(Beifall)

Sie haben zu Beginn gesagt, dass Sie hier neu sind. Dann informieren Sie sich, bevor Sie reden. Wieder einmal wenig Ahnung, aber dann eine Meinung vertreten, das geht nicht. Zur interkulturellen Öffnung der Stadtverwaltung gibt es schon seit Jahren einen Zehn-Punkte-Plan vom jetzigen Oberbürgermeister in seiner damaligen Funktion als Personaldezernent und Oberbürgermeister und von unserer ehemaligen Integrationsdezernentin. Lesen Sie sich das durch und Sie verstehen vielleicht, was damit gemeint ist. Was mich etwas irritiert hat, ist die Äußerung von Herrn Schulz zu Unternehmen der Privatwirtschaft. Er ist eigentlich ein relativ weltgewandter Mann, dachte ich. Ich verdiene mein Geld damit, und zwar gutes Geld, dass Unternehmen der Privatwirtschaft mich dafür bezahlen, interkulturelle Kompetenz für Führungskräfte zu vermitteln.

(Beifall)

Das ist es, was in der globalisierten Welt auch wichtig ist.

(Zurufe)

Nicht dazwischen babbeln. Ich habe wenig Redezeit.

(Zurufe, Beifall)

Um das Thema Fachkräfte zu beleuchten, könnte ich Daten und Fakten aufzählen. Zum Beispiel könnte ich den Konjunkturbericht der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern aufzählen, in dem dreimal im Jahr 9.000 IHK‑Mitglieder in Hessen befragt werden - aus der Baubranche, Einzelhandel und Kreditgewerbe. 47 Prozent, im Ergebnis also fast die Hälfte der 9.000 Unternehmen in Hessen, sehen den Mangel an Fachkräften als das größte Risiko für ihr Geschäft.

Ich könnte darauf hinweisen, dass die Handwerkskammer es für nötig erachtet hat, ein Welcome Center zu eröffnen. Ich könnte darüber berichten, dass der Fachkräftemonitor der Initiative Perform besagt, dass 2018 in Frankfurt 163.000 Fachkräfte fehlen, und zwar qualifizierte Fachkräfte. Aber auch, hören Sie gut zu, Helferberufe mit technischer Ausrichtung, Helferberufe mit kaufmännischer Ausrichtung. Des Weiteren wurde erwähnt, dass unsere FES ein beschleunigtes Qualifizierungsprogramm aufgelegt hat, um diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Außerdem gibt es die Akademie für Heilberufe, die zugewanderte und geflüchtete Ärzte auf die Kenntnisprüfung zur Approbation vorbereitet, Sprachkurse sind auch dabei. Die Prüfung nimmt das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen ein. Wollen Sie denen die Kompetenz absprechen?

(Beifall)

Also, dort werden auch Sprachkurse angeboten. An die Vertreter der Kammern in Frankfurt, an die FES, an die Vertreter der Initiative Perform, an die Vertreter und Vertreterinnen des Hessischen Landesprüfungsamts für Gesundheitswesen gerichtet sage ich, dass diese AfD euch mit dieser Diskussion die Kompetenz abstreitet, und das lassen wir nicht zu.

(Beifall)

Wie immer missbrauchen Sie ein Thema, springen darauf, um durch diese selbst ernannte Alternative für Deutschland Nebelkerzen zu werfen, schlimmer noch, die Bevölkerung in Ihr und Wir zu spalten sowie Neid, Hass und Missgunst zu sähen. Da sind Sie hier am falschen Platz.

(Beifall)