Frühe Bildung braucht mehr Qualität

Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE:

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

sehr geehrte Damen und Herren!

Sehr gute frühkindliche Bildung ist seit über 20 Jahren integraler Bestandteil der Frankfurter Bildungspolitik. Wir haben in Frankfurt immer auf gute Personalausstattung und somit auf hohe Qualität in der Kinderbetreuung Wert gelegt. Schon früh haben wir in Frankfurt Kind bezogen die Personalausstattung gewählt und so auch immer die hessischen Mindestanforderungen übertroffen.

(Beifall)

In unserer wachsenden Familienstadt ist weiterhin ein massiver Ausbau von Betreuungsplätzen nötig, einmal um den Rechtsanspruch zu erfüllen, aber auch, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf herzustellen und auch um Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten. Für uns gilt: Wir lassen kein Kind zurück, meine Damen und Herren!

(Beifall)

Wichtig ist zu betonen, dass es neben dem quantitativen Ausbau der Betreuungsplätze immer darum gehen muss, die seit Langem bestehenden sehr hohen Qualitätsstandards in der frühkindlichen Bildung in Frankfurt zu erhalten. Eine wichtige Säule des hohen Qualitätsstandards sind unsere Kinder- und Familienzentren. In den Frankfurter Kinder- und Familienzentren werden durch einen ganz besonders ganzheitlichen Ansatz in der pädagogischen Arbeit und die Einbindung der Familien die Ressourcen der Familien gestärkt. Wir haben in der Koalition vereinbart, die 16 Kinder- und Familienzentren kontinuierlich mit zwei weiteren pro Jahr auszubauen. Wir stärken damit sukzessive die Familien und die frühe Bildung, meine Damen und Herren!

(Beifall)

Zum letzten Haushalt haben wir noch mit einem besonderen Antrag zu einer kontinuierlichen Supervision die Fachkräfte in den Kinder- und Familienzentren besonders unterstützt, denn wir wissen, es ist eine sehr erfüllende, aber auch sehr fordernde Arbeit, und die psychologische Betreuung in diesem Berufsfeld ist uns sehr wichtig.

(Beifall)

Ein weiterer Schlüsselpunkt, und ich beziehe mich auf meine Vorrednerin in diesem Punkt, ist die frühkindliche Betreuung durch bestens ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Die Erhöhung des Personalschlüssels, wie sie mit der Vorlage M 88 jetzt zunächst für Kita Frankfurt heute beschlossen wird, ist natürlich eine wichtige Anpassung für mehr Qualität in den Kitas. Aber zur Umsetzung des höheren Personalschlüssels brauchen wir mehr Fachkräfte und dies ist ein sensibler Punkt, denn auch in Frankfurt ist der Fachkräftemangel immanent. Wir haben zur Gewinnung von Erzieherinnen und Erziehern im letzten Haushalt am 25.01.2019 den Etatantrag E 39 beschlossen. Leider haben wir dazu noch keine Antwort erhalten. Wir würden uns über eine Antwort dazu sehr freuen. Außerdem möchte ich noch einmal auf den Antrag von Frau Schubring, in ihrer Rede erwähnt, zurückkommen. Da ging es um ein Pilotprojekt zwischen 16- und 24‑Stun-den‑Öffnung von Kinderbetreuung. Auch da erwarten wir noch aus dem Dezernat eine Antwort. Dazu kommt noch der Etatantrag E 40 zur Einführung eines Modellprojektes für ergänzende Kinderbetreuung. Auch da warten wir dringend auf eine Antwort.

Natürlich müssen wir auch Anreize und überhaupt Möglichkeiten schaffen, dass Erzieherinnen und Erzieher in Frankfurt leben und arbeiten können.

Ich habe gehört, es gibt in den Fachausschüssen Flüstereien, dass etwas auf dem Weg ist. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns das auch vorstellen könnten. Wir brauchen dringend ein Konzept für mehr Fachkräftegewinnung. In der Vorlage M 88 ist auf Seite drei explizit erwähnt, dass Frankfurt am Main durch zunehmende Kinderzahlen gekennzeichnet ist, nun, das ist uns allen bewusst in unserer wachsenden Stadt. Wir müssen massiv Betreuungsplätze ausbauen. Wir brauchen eine aktuelle Bestandserhebung der Betreuungsplätze in Frankfurt, liebe Frau Weber. Sie haben jetzt heute gerade vor fünf Minuten darüber berichtet, dass in den letzten zweieinhalb Jahren 1.264 U 3‑Plätze, 1.299 Kindergartenplätze und 1.985 Grundschulbetreuungsplätze geschaffen wurden. Ich hätte das gerne auf Papier. Wir haben schon zweimal danach gefragt. Es wird dringend nötig, dass wir die Statistik haben und damit arbeiten. Dieser Bericht, wir kennen ihn unter KEP, zeigt uns klar den Versorgungsgrad von Kita-, Kindergarten- und Hortversorgung. Wenn ich an die Eltern denke, die dringend einen Platz brauchen, habe ich das Gefühl, dass die Zahlen eventuell nicht so glücklich aussehen könnten. Frühe Bildung in Frankfurt muss weiterhin die hohen Standards in der Qualität erfüllen und muss die notwendigen Betreuungsplätze bereitstellen.

Vielen Dank!

(Beifall)