Geschlechtergerechtigkeit in Frankfurt

Stadtverordnete Beatrix Baumann, GRÜNE:

Vor 100 Jahren -Sie haben schon darüber gesprochen -war es Frauen zum ersten Mal möglich, als gewählte Parlamentarierinnen hier von der Stadtverordnetenversammlung aus die Geschicke Frankfurts mit zu beeinflussen. Damit war eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit ge-nommen. Daher frage ichden Magistrat:Was bleibt aus Sicht des Magistrates zu tun, um das Ziel tatsächlicher Geschlechtergerechtigkeit in Frankfurt zu erreichen?

StadtverordnetenvorsteherStephan Siegler:

Es antwortet Frau Stadträtin Heilig. Bitte!

Stadträtin Rosemarie Heilig:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,meine sehr geehrten Damen und Herren,sehr geehrte Frau Baumann!

Die entschlossenen und mutigen Frauen, die vor 100 Jahren fürdas Wahlrecht gekämpft haben, haben für uns auch heute noch eine Vorbildfunktion. Ihr Einsatz hat nicht nur Geschichte geschrieben,sondern war auch die Grundlage für die später einsetzende Frauenbewegung.Aber: Noch immer verdienen Frauen bundesweit 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Noch immer sind alleinerziehende Frauen überproportional von Armut bedroht.Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist auch hier und heute immer noch ein Problem in unserer Gesellschaft. Und Frauen in Top-Führungspositionen sind eher die Ausnahme als die Regel. Herr Siegler hat schon darauf hingewiesen, dass dies auch für unser Parlament gilt, leider. Wir hatten einmal eine Oberbürgermeisterin, eine Stadtverordneten-vorsteherin und eine Bürgermeisterin. Auch hier muss man konstatieren, es sieht so aus, als würde es doch einen Rückschritt geben.

Das alles zeigt: Auch heute müssen Frauen noch um ihre Rechte kämpfen, kämpfen gegen Diskriminierungen und gegen Missstände, die sie -trotz eindeutiger Rechtslage-im Alltag erheblich benachteiligen.Es gibt noch jede Menge zu tun. Wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten.
(Beifall)


Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler:
Es gibt eine Zusatzfrage von Frau Stadtverordneter Baumann von den GRÜNEN. Bitte!

Stadtverordnete Beatrix Baumann, GRÜNE: (Zusatzfrage)

Vielen Dank, Frau Heilig! Der Anteil von Frauen hier im Frankfurter Stadtparlament beträgt 39Prozent. Finden Sie dies als Frauendezernentin problematisch, und würde so etwas wie ein Paritätsgesetz zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen?Stadträtin Rosemarie Heilig: (fortfahrend)Ja, Frau Baumann, ich finde es problema-tisch, und ein Paritätsgesetz beziehungsweise eine Quotierung, wie sie von einigen Parteien auch hier im Stadtparlament gehandhabt wird, würde dazu beitragen, dass Frauen angemessen repräsentiert werden, nämlich mit 50 Prozent. Das ist unser Ziel. Wir sind die Hälfte der Gesellschaft, und wir sollten auch in vielen Bereichen -also auch in Führungspositionen, aber auch in den Parlamenten -50 Prozent sein. Das fände ich gut. Dann würde unter Umständen ein Paritätsge-setz, wie es gerade diskutiert wird, dazu führen.

(Beifall)