Unabhängiger Gutachter Psychatrie Höchst

Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE:
Sehr geehrte Frau Vorsteherin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren!

Ja, wir müssen uns derzeit die Frage stellen, ob gewährleistet ist, dass Patientinnen und Patienten der Psychiatrie des Klinikums Höchst würdevoll versorgt, würdevoll gepflegt sowie bestens medizinisch versorgt werden. Die Momentaufnahmen von der Station 42, die das Team Wallraff an die Öffentlichkeit brachte, erschrecken, wühlen auf und treffen uns.
Diese Bilder sind laut und sehr bizzar und konfrontieren uns mit den Herausforderungen einer psychiatrischen Akutversorgung. Denn hier werden Patientinnen und Patienten mit sehr komplexen und schwierigsten Krankheitsbildern versorgt. Und dies gilt ganz besonders für eine geschlossene Station. In sehr extremen Situationen, nämlich dann, wenn Patientinnen und Patienten aufgrund ihrer Erkrankung ihre eigene Sicherheit oder die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefährden, muss eine Gratwanderung zwischen Gesundheit und Freiheit geleistet werden.
Gerade diese Situationen sind für Patientinnen und Patienten, deren Angehörige, das Pflegepersonal und auch für Ärztinnen und Ärzte sehr schwierig. Und ich möchte an dieser Stelle den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der psychiatrischen Abteilung des Klinikums meinen größten Dank und Respekt aussprechen. Sie leisten eine äußerst intensive und wichtige Arbeit für unsere Gesellschaft.

(Beifall)

Meine Damen und Herren, die Aufnahmen des Teams Wallraff werfen viele sehr wichtige Fragen auf. Fragen bezüglich des Umgangs mit den Patientinnen und Patienten, Fragen bezüglich der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bei Fixierungen von Patientinnen und Patienten, auch Fragen bezüglich der Hygiene, Fragen bezüglich Personalressourcen und Belastungsanzeigen und auch Fragen zum Behandlungskonzept.
Gesundheitsdezernent Stefan Majer und Frau Dr. Dorothea Dreizehnter als Geschäftsführung des Klinikums Höchst haben sich sofort den Vorwürfen gestellt und umfassende Aufklärung zugesagt, ebenso der hessische Sozialminister Kai Klose. Genau diese klare Positionierung zu einer vollumfänglichen und differenzierten Analyse der Situation in der Psychiatrie des Klinikums Höchst ist absolut notwendig.
Bei der Beantwortung meiner heutigen mündlichen Frage hat Stadtrat Majer bereits wichtige erste Schritte benannt und beschrieben, die schon auf einigen Ebenen eingeleitet worden sind. In Ihrer Rede, Herr Majer, haben Sie soeben auch schon sehr viel Aufklärung geleistet, ebenso wie Frau Dr. Dreizehnter in einem sehr großen und sehr intensiven Umfang in der letzten Sitzung des Gesundheitsausschusses. Von unserer Fraktion und von mir persönlich möchte ich Ihnen dafür herzlich danken.

(Beifall)

Meine Damen und Herren, ich meine, wir sollten die durch die Aufnahme des Teams Wallraff ausgelösten Fragen als Chance begreifen, und zwar als Chance für neue Impulse in der Psychiatrie unseres Klinikums.

(Beifall)

Wichtige Impulse, die neue Wege eröffnen in der Versorgung von seelisch erkrankten Menschen, Menschen, die unserer besonderen Fürsorge bedürfen und sie auch dringend brauchen. Impulse, die bessere Standards setzen in Frankfurt und, da bin ich hoffnungsvoll, auch vielleicht über Frankfurt hinaus.


Vielen Dank!