Verbesserte Verkehrsanbindung Waldstadion und Aufforstung Isenburger Schneise

Stadtverordneter Bernhard Maier, GRÜNE:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,

meine Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Eintracht hat ja heute leider in der letzten Sekunde gegen Standard Liège verloren. Aber wir schauen, dass wir heute Abend unsere gute Laune trotzdem erhalten, auch wenn ich feststellen muss, dass Herr Podstatny -jetzt sehe ich ihn gerade nicht - verbunden ist mit Herrn Rahn, weil ich so den Eindruck habe, mich zu erinnern, dass das ein Zitat von Herrn Dr. Dr. Rahn war, dass der schlafende Verkehrsdezernent Klaus Oesterling mehr erreicht als seine Vorgänger, da habe ich das das erste Mal gehört. Aber die gute Laune lassen wir uns deswegen nicht verderben. Nein, immer öfter habe ich den Eindruck, dass Frankfurt wirklich der ungeeignetste Ort für jene menschliche Erfindung ist, die für manche fast schon den Status eines gefährlichen Lebewesens hat. Es scheidet ungesunde Stoffe wie CO2 und NOx aus, es verstopft die Straßen, verursacht Unfälle, bekommt Knöllchen und nistet sich unnötig im Wald ein wie an der Isenburger Schneise.

Für uns GRÜNE ist es wirklich an der Zeit, Entscheidungen der Vergangenheit auf den Prüfstand zu stellen, verlorene Waldflächen aufzuforsten und noch viel mehr den ÖPNV und den Rad- und Fußverkehr in unserer Stadt auszubauen, ob man jetzt zur Eintracht ins Waldstadion fährt oder an jeden anderen Ort in dieser Stadt. Wir erinnern auch an das Mainufer. Es ist wichtig und wird Zeit, dass wir möglichst bald auch auf der Schweizer Straße den Radverkehr ausbauen, so wie wir das im Radentscheid mit beschlossen haben.

(Beifall)

Wir müssen gemeinsam daran arbeiten und dafür sorgen, dass die Fahrten mit dem Auto in Zukunft für jeden Einzelnen in seinem persönlichen Mix der Verkehrsmittel gesenkt werden können. Denn, seien wir doch einmal ehrlich, als Fortbewegungsmittel innerhalb Frankfurts - vor allem in den Nahbereichen von drei bis fünf Kilometern - taugt das Auto alleine doch schon lange nicht mehr, genauso wie die Pendlerfahrten nach Frankfurt.

(Beifall)

Jede und jeder sollte noch mehr Alternativen haben und sich fragen können, kann ich diese Strecke mit dem ÖPNV, mit dem Rad beziehungsweise mit einem Mix aus Auto und ÖPNV zurücklegen und so mit meiner individuellen Mobilität mehr zum Klimaschutz beitragen. Dafür müssen wir als Stadt gemeinsam mit der Region die Grundlagen und die nötige Infrastruktur bereitstellen und ausbauen. Es gibt bestimmt immer gute Gründe dafür, so schnell wie möglich ins Waldstadion zu fahren. Wenn man zum Beispiel bei einem Termin im Römer aufgehalten wird und es nur noch 15 Minuten bis zum Anpfiff der Eintracht sind, wie es mir persönlich schon passiert ist, in 15 Minuten ins Waldstadion von hier aus war eine Leistung.

Wie ärgerlich war es für die Musik-Fans, die auf dem Weg zum Konzert von Herbert Grönemeyer statt seine Musik live im Waldstadion lauschen zu können, auf dem Weg dorthin mit dem Auto im Stau standen. Wie ärgerlich war es für jeden Eintracht‑Fan, auch nur eine Minute des Spiels gegen Bayern München zu verpassen, geschweige denn eines der fünf Tore, weil er oder sie mit anderen im Wald stand und auf einen Parkplatz warten musste. Deshalb müssen wir die Anfahrt zum Waldstadion in einem Gesamtmobilitätskonzept für die Stadt mit einplanen.

Dafür sollten wir auf jeden Fall in unsere Planung nicht nur die Ortsbeiräte einbinden, sondern auch die Fanklubs von Eintracht Frankfurt. Sie sind auch wichtige Informationsgeber dafür, welche Anforderungen eben auch die Fans der Eintracht für ihre eigene Mobilitätsplanung ins Waldstadion haben. Wichtig dabei ist, dass wir alles Notwendige dafür tun, um die schon heute bestehenden guten ÖPNV-Angebote ins Stadion auszubauen. Auch wenn ein Ereignis im Stadion spät endet, wie es oftmals ja so auch in dem Bundesligafahrplan der Eintracht sein wird, muss es möglich sein, mit S‑Bahn, Bus und Straßenbahn auf jeden Fall so weit zu fahren, um an Park-and-ride-Parkplätzen auf das eigene Auto in der Region umsteigen zu können. Das sollten wir dann auch dringend dann angehen, das sagen wir ja auch in unserem Antrag.

Für alle aus der, sage ich einmal, fünf bis zehn Kilometer weiten Umgebung des Waldstadions sind die notwendigen guten Abstellplätze zu schaffen, damit auch eine sportliche Anfahrt mit dem Fahrrad gelingt. Zwar ist die Garage unter den Stadiontribünen für Radfahrerinnen noch nicht so gut erreichbar, aber warum nicht in Zukunft auch hier mehr Abstellplätze zur Verfügung stellen? Vieles lässt sich sehr verbessern, deshalb auch der Antrag der Koalition.

Für uns GRÜNE gilt der Beschluss, den provisorischen Waldparkplatz am Stadtwald an der Isenburger Schneise wieder aufzuforsten. Wir brauchen mehr Bäume und vor allem Wald. Um und in unserer Stadt wurden Anfang der 2000er‑Jahre drei Hektar Bäume rund um das Waldstadion gerodet. Deshalb ist die Aufforstung notwendig, das sind in der Isenburger Schneise circa 34.000 Quadrat-meter Wald. Sicherlich gilt es im Fußball im und am Frankfurter Stadtwald, die Eintracht oder Nationalmannschaft zu unterstützen, doch kommt die Natur oft zu kurz, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald immer wieder betont.

Deren besonderes Augenmerk gilt dem Frankfurter Stadtwald, der, wie sie sagen, ich zitiere mit Genehmigung, "nicht nur durch die derzeitige Klimaveränderung, sondern vor allem durch stetig steigende Ansprüche von Verkehrsflächen alle Art, durch Bau von Versorgungseinrichtungen, aber auch durch das Vorrücken verschiedenster Bauflächen in seinem Bestand gefährdet ist". Den Stadtwald gilt es für uns GRÜNE zu schützen und auszubauen, das tun wir eben auch mit der Aufforstung des Parkplatzes an der Isenburger Schneise.

Der Prüfung eines Parkhauses in der Nähe oder über der Endhaltestelle der Straßenbahnhaltestelle "Stadion" stimmen wir deshalb zu, damit wir hier ein innovatives, multifunktionales Parkhaus für eine Vielzahl von Nutzungen planen können. Als Parkplatz für Besucherinnen des Waldstadions, aber auch als eine attraktive Quartiersgarage für Bewohnerinnen Niederrads. Herr Podstatny hat darauf schon hingewiesen, sodass eben aber für uns auch im Viertel dann Parkplätze an den Straßen abgebaut und da Bäume gepflanzt werden können, denn auch das ist das Ziel von Quartiersgaragen, dass wir den ruhenden Verkehr in den Stadtteilen dadurch verbessern, zurücknehmen und eben auch Grün in die Stadtteile bringen können, wenn wir eben wie an dieser Stelle hier eine Quartiersgarage planen.

Die Planung eines Parkhauses soll dann aber auch mit einer Begrünung an den Seiten, mit einer Kletterwand zum Beispiel, mit der Begrünung oder Solaranlage auf dem Dach erfolgen. Wir GRÜNE sehen es nicht als unsere Aufgabe an, zu den jetzt schon circa 8.000 Parkplätzen weitere dazukommen zu lassen, sondern einen Teil der circa 1.650 Parkplätze, die beim Aufforsten der Isenburger Schneise wegfallen, zu kompensieren, aber nicht alle.

Man sieht es immer wieder in der Diskussion und den Auswirkungen. Mehr Parkplätze erhöhen den Verkehr. Deshalb müssen wir mit jedem Parkhaus auch eine Quartiersgarage schaffen, um den ruhenden Verkehr in den Stadtteilen zu reduzieren. Zudem könnte ein Parkhaus wie hier auch eine Initialzündung für ein innovatives Elektro-Carsharing-Projekt sein. Forsten wir also den provisorischen Parkplatz am Stadtwald an der Isenburger Schneise auf, bauen wir den Radverkehr und den ÖPNV ins Stadion aus und planen wir ein innovatives Parkhaus, das zeigt, dass wir die Stadt vom Autoverkehr entlasten wollen. Und radeln wir gemeinsam zum Stadion, feuern wir die Eintracht in dieser Saison weiter an, ob in der Bundesliga oder Europa League. Ich zitiere aus einem kurzen Fangesang: "Denn im Wald, da spielt die Eintracht. Halli, Hallo, die Eintracht. Und die schießt auf Tor auf Tor...".

Vielen Dank!

(Beifall)