Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen

Stadtverordnete Birgit Ross, GRÜNE:

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,

sehr geehrte Damen und Herren!

Die Bildungslandschaft in Frankfurt am Main wird derzeit durch 16 berufliche Schulen bereichert, die 22 verschiedene Berufsbilder abbilden. Unsere beruflichen Schulen müssen stark sein, ihre Unterrichtsqualität muss eine hochwertige und aktuelle Ausbildung gewährleisten. Vor genau zwei Jahren fand die Abschlussveranstaltung eines sechsmonatigen Beteiligungsprozesses zur Entwicklung eines neuen Schulentwicklungsplans für die beruflichen Schulen statt, den wir heute gemeinsam beschließen.

Herr Schmitt, ich muss Sie leider korrigieren, wir werden es nicht gemeinsam beschließen, denn es gibt leider eine Protokollerklärung, dass ÖkoLinX-ARL nicht zustimmt. Ich fände es gut, darüber noch etwas zu erfahren, Frau Ditfurth.

Diese besondere und gründliche Form der Beteiligung, in die die Expertise von vielen Seiten einfließt und deren transparente Entwicklung Innovationen und viele Aspekte ermöglicht und deren Ergebnis dann breite Akzeptanz in den Schulgemeinden und der Stadtgesellschaft erfährt, wurde erstmals durch Sarah Sorge mit der Entwicklung des ersten integrativen Schulentwicklungsplans der Stadt Frankfurt initiiert, den wir 2015 beschlossen haben.

(Beifall)

Sie, Frau Weber, haben genau diese Beteiligungsform für den neuen Schulentwicklungsplan der beruflichen Schulen übernommen. Dafür gebührt Ihnen unser Lob.

(Beifall)

Wir schließen uns damit dem Lob der 16 Schulleiterinnen und Schulleiter der Frankfurter beruflichen Schulen an, die während der letzten Sitzung des Ausschusses für Bildung und Integration die Gründlichkeit des Prozesses und die damit verbundene Stärkung und die besondere Wertschätzung der beruflichen Schulen betonten, "wir haben ein sehr gutes Ergebnis mit Strahlkraft über Frankfurt hinaus."

Wie sieht das Ergebnis aus? Die beruflichen Schulen wünschen sich dringend mehr Wertschätzung. Generell ist in der Schulgemeinde, in der Stadtgesellschaft, bei Eltern, Schülerinnen und Schülern viel zu wenig über die Möglichkeiten der Ausbildung und Bildung sowie die pädagogischen Inhalte in den einzelnen Schulen bekannt. Ist Ihnen zum Beispiel allen bekannt, dass die Stauffenbergschule mit dem Frankfurter Schulpreis ausgezeichnet wurde, der unter dem Motto "Wir sind eins" ausgelobt wurde? Das Motto des nächsten Frankfurter Schulpreises ist übrigens "Was ist gerecht?".

Die beruflichen Schulen möchten und werden sich mehr in den jeweiligen Sozialraum hinein öffnen, sie werden dadurch sichtbarer. Die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen wird somit gestärkt, und dadurch wird es mehr Miteinander geben. Das ist eine Bereicherung für alle. Durch diese Kooperationen werden die berufliche Orientierung und auch die Übergänge in neue Schulformen für die Schülerinnen und Schüler leichter. Beides sind sehr sensible Punkte in der Bildungsbiografie eines jungen Menschen.

In der zweiten Arbeitsgruppe wurden Unterstützungssysteme für mehr Integration und Inklusion erarbeitet. Hier gibt es eine klare und sehr deutliche Haltung zur inklusiven Ausrichtung für alle Schülerinnen und Schüler an allen beruflichen Schulen. Auf unsere Initiative hin wurde der Passus zur Inklusion in die M-Vorlage aufgenommen, denn es ist uns wichtig, dass sich dieses starke Signal der Arbeitsgruppe in der heutigen Beschlussfassung auch wiederfindet.

(Beifall)

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Arbeitsgruppe ist die stärkere Unterstützung der Schülerinnen und Schüler aus den InteA-Klassen. Ich erinnere: InteA - Integration durch Anschluss. In diesem durch die Hessische Landesregierung geförderten Programm erhalten zugewanderte Jugendliche vor allem eine Sprachförderung, aber auch die nötige Qualifizierung für ihre weitere berufliche Zukunft. Die beruflichen Schulen leisten bereits jetzt wichtige und großartige Arbeit in der Integration von jungen Menschen mit Fluchterfahrung. Aber Konsens besteht darüber, dass genau diese Integrationsprogramme verstärkt und weiter entwickelt werden sollen. Wir GRÜNE unterstützen diesen Konsens unbedingt.

(Beifall)

Die Digitalisierung, die Ausstattung mit IT und natürlich WLAN, ist von großer Bedeutung für die beruflichen Schulen, um die Ausbildung zu gewährleisten, die Anschlüsse an die aktuelle Entwicklung ihrer Ausbildungsberufe hält. Im Pilotprojekt WLAN, welches dank Herrn Stadtrat Schneider gemäß unseres Beschlusses umgesetzt werden kann, sind zwei berufliche Schulen berücksichtigt, und zwar die Gutenbergschule und die Franz-Böhm-Schule. Die 14 anderen beruflichen Schulen müssen folgen.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zu den Themen Schulgröße und Schulstandort führen zu einer umfangreichen Neuorganisierung der beruflichen Schulen, die sehr starke räumliche und inhaltliche Synergieeffekte ermöglichen. Den neuen Berufsbildungscampus-West mit der Kooperation der Paul-Ehrlich-Schule und der Ludwig-Erhard-Schule sehen wir als eine sehr gute Entscheidung, gerade im Zusammenhang mit der Eröffnung eines beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Wirtschaft im Frankfurter Westen. Es wird auch ein weiteres neues berufliches Gymnasium an der Klingerschule mit Schwerpunkt Erziehungswissenschaften und Pädagogik geben. Das ist ebenfalls eine sehr gute Entscheidung. An der Klingerschule gibt es bereits das berufliche Gymnasium mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Die Stärkung der sozialen Berufe mit der Bildung dieses Berufsbildungscampus Gesundheit, Pflege, Soziales durch die Kooperation der drei Schulen, Klingerschule, Julius-Leber-Schule und Berta-Jourdan-Schule, halten wir ebenfalls für eine wichtige und richtige Entscheidung. Hier wird Qualität sowie Professionalisierung in den sozialen Berufen gestärkt, einem Berufsfeld, wie wir wissen, das großen Fachkräftemangel beklagt.

(Beifall)

Ebenso werden die technischen Berufsfelder gestärkt mit einem weiteren neuen beruflichen Gymnasium mit der Fachrichtung Bau und Umwelttechnik. Die Kooperation mit der Heinrich-Kleyer-Schule und der Philipp-Holzmann-Schule wird sicherlich sehr gut von den Schülerinnen und Schülern angenommen werden.

Die Neueröffnung der beruflichen Gymnasien ist eine Bereicherung für die Frankfurter Bildungslandschaft. Es ist nicht immer allen bekannt, dass an einem beruflichen Gymnasium die allgemeine Hochschulreife erreicht werden kann. Berufliche Gymnasien können also die Gymnasien der allgemeinbildenden Schulen entlasten. Ja, aber sie ermöglichen gerade den Schülerinnen und Schülern die allgemeine Hochschulreife, die bereits wissen, welches Berufsfeld ihrer Passion am besten entspricht. Auch leisten sie einen Beitrag zu mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem und damit auch für mehr Bildungsgerechtigkeit.

Meine Damen und Herren, wir sind mit den Schulleiterinnen und Schulleitern einig: Dieser neue Schulentwicklungsplan für die beruflichen Schulen ist ein starkes Ergebnis und hat er Strahlkraft über Frankfurt hinaus, wenn unser heutiger Beschluss auch zügig umgesetzt wird. Wir erwarten die entsprechenden und nötigen Haushaltsstellen im Entwurf des Doppelhaushalts 2020/2021. Auch muss ein adäquates Grundstück für den Neubau oder ein Bestandsgebäude für die Berta-Jourdan-Schule gefunden werden.

Frau Weber hat am Anfang ihrer Rede behauptet, dass seit 2001 kein neuer Beschluss hinsichtlich der beruflichen Schulentwicklung stattgefunden hat. Ich muss Ihnen sagen, da haben Sie sich geirrt. Ich habe hier Beschlüsse von 2004, 2005, 2007, 2009, 2010 und 2011.

(Beifall)

Abschließend danke ich den Schulleiterinnen und Schulleitern der beruflichen Schulen, den Eltern und allen weiteren Beteiligten für ihr Engagement und für ihre intensive Arbeit für die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler, für die Zukunft unserer jungen und diversen Generation.

Danke schön!

(Beifall)