Städtische Bühnen - NR 1092

Stadtverordneter Sebastian Popp, GRÜNE:

Herr Stadtverordnetenvorsteher,

liebe Kolleginnen und Kollegen!

Nachdem die Kulturdezernentin gestern bei uns in der Fraktion erste Eckpunkte vorgestellt hat, sieht sich die Fraktion der GRÜNEN IM RÖMER weitestgehend in ihrer Position bestätigt. Der Bühnenstandort ist und bleibt der Willy‑Brandt‑Platz.

(Beifall)

So sehr wünschenswert eine Erhaltung des baulichen Ensembles der Nachkriegsmoderne - das von mir sehr geliebte Gebäude, was da heute steht - gewesen wäre, glaube ich, hat sich das, was sich vor zwei Jahren angedeutet hat, in der Machbarkeitsstudie für uns bestätigt: Eine Sanierung des Gebäudes macht keinen Sinn. Wir müssen da, glaube ich, in jeder Frage die gleichen Maßstäbe ansetzen, die wir auch bei privaten Bauherren ansetzen würden, deswegen ist eine Sanierung nicht seriös darstellbar. So bleibt unsere Haltung auch zwei Jahre später dabei, dass der Theaterplatz für einen Neubau der Städtischen Bühnen die Adresse der Wahl ist. Unser Auftrag an die weitere Planung ist deshalb zu prüfen, wie Oper und Schauspiel, entweder als Einheit oder als zwei getrennte Häuser, am Theaterplatz realisiert werden können.

Die Wallanlagen, sie wurden angesprochen, sind ein hohes Gut. Sie sind ein so hohes Gut, dass nur partieller Flächentausch für die Kulturbauten möglich ist, wenn insgesamt die Qualität der Flächen in den Wallanlagen gesichert oder sogar verbessert wird. Eine Lösung, die die Wallanlagen vollkommen unterbricht und kappt, ist allerdings aus kulturhistorischer Sicht und in Zeiten des Klimawandels für die GRÜNEN nicht denkbar, absolut nicht durchsetzbar. Zu den Planspielen, eines der beiden Häuser irgendwo in der Innenstadt unterzubringen, haben die GRÜNEN in den letzten zwei Jahren und auch nicht in den letzten Tagen, seitdem die aktuelle Debatte wieder läuft, bisher weder von der Kulturdezernentin noch vom Liegenschaftsdezernenten eine seriöse und vor allem belastbare Antwort bekommen. Weder scheinen die Verfügbarkeit, die Preise noch die logistischen Voraussetzungen eines alternativen Standortes bisher ernsthaft geprüft worden zu sein. Es wurde schon von anderer Stelle hier gesagt, der Kulturcampus ist, glaube ich, jetzt schon dreimal überplant. Und ich sage noch mal an dieser Stelle, wir haben dort ein denkmalgeschütztes Gebäude, die Unibibliothek hat überhaupt noch keinen neuen Standort. Das ist eine Strategie in die Zukunft. Zu Raab Karcher komme ich später noch mal. Deshalb sollten sich die weiteren Planungsschritte prioritär und an erster Stelle auf den Willy-Brandt-Platz konzentrieren. Auch die, die jetzt richtig - und Thomas Dürbeck hat das gerade gemacht - formulieren, dass es Kompromissbereitschaft in alle Richtungen geben muss - das teile ich absolut -, könnten an sich gleichzeitig sagen, dass jede Art von Interimsspielstätte unmöglich ist. Damit sich die Fraktion der GRÜNEN IM RÖMER aber ein wirkliches Bild machen kann, ist es wichtig, die ausführlichen Ergebnisse, die die Stabsstelle erarbeitet hat, wirklich zu kennen und vorgelegt zu bekommen. Deshalb erwarten wir einen ausführlichen Bericht zu dem Stadtverordnetenbeschluss zur Vorlage NR 539 aus dem Jahr 2018. Neben den baulichen Fragen, die aktuell diskutiert werden, sollte in dem Kontext ja auch noch ein genaues Raumprogramm geprüft werden, das aus unserer Sicht ganz wichtig ist, um überhaupt zu bewerten, welche Ergebnisse da vorgelegt wurden. Es ging um ein Konzept der Prozesssteuerung. Es wurde hier viel über Geld geredet. Und es geht natürlich auch darum, was sind die Ergebnisse der ersten Gespräche mit dem Land in dieser Frage. Diese Debatte muss jetzt begonnen werden. Und Thomas Dürbeck, an dieser Stelle muss ich ganz klar natürlich auch sagen, wir haben zum Beispiel die Frage gestellt: Planen wir mit einer Ballettsparte oder planen wir ohne Ballettsparte? Das sind ja sozusagen kulturpolitisch nicht ganz unwichtige Entscheidungen, wenn wir für die nächsten 50 ...

(Zurufe)

... oder 75 Jahre ein neues Gebäude bauen. Wir möchten darüber die Debatte führen, was wir wollen, lieber Thomas Dürbeck.

(Beifall)

Und wenn ich die Frage stelle: Brauchen wir ein Ballett? Wie werde ich sie wohl beantworten? Aus meiner persönlichen Meinung ist es so, dass es sein kann, von jetzt in 50 Jahren, dass die Sparte Ballett eine Bedeutung hat. Und wir können doch jetzt nicht allen Ernstes für viele Millionen ein Gebäude bauen und vorher diese Frage uns nicht wenigstens gestellt und sie beantwortet haben. Sag du, lieber Thomas Dürbeck, doch, ob die CDU eine Ballettsparte will! Oder sag du, lieber Thomas Dürbeck, doch endlich mal, wo das Gelände ist, was immer angekündigt wird.

(Beifall)

Konzentrieren wir uns also jetzt an dieser Stelle auf die Frage der Inhalte, die Komödie, die Tragödie, die Oper und den Tanz. Denn wenn wir nicht nur gedanklich, sondern ganz konkret bei den räumlichen Konzeptionen eines neuen Hauses sind, was für Räume brauchen wir für den Zauber des Spiels, wie sehen die idealen Bedingungen denn aus? Viele oder einige waren bei der Eröffnung des Cantate-Saals, ein kleiner Raum, eine kleine Bühne, ein kleines Orchester, zwei Schauspieler. Auch das geht. Also lassen Sie uns über die Frage der Inhalte reden und dann über die Frage der Räume!

(Beifall)

Und lassen Sie uns auch endlich diesen mühsamen Prüfmarathon um einen neuen Standort beenden. Ich glaube, die Zeit ist langsam reif für mutige Entscheidungen. Und ja, wir werden Interimslösungen haben und das wird für die Beteiligten schwierig werden. Und es geht aus meiner Sicht genau darum, eine Interimslösung zu denken, die zeitlich möglichst minimiert ist, die künstlerisch sinnvoll ist und irgendwie funktioniert und die natürlich die Frage der endlichen Mittel in den Mittelpunkt auch einer Debatte stellt. Diese Debatte müssen wir - in aller Ruhe, aus unserer Sicht - in den nächsten Monaten führen. Also, es wird nicht einfach werden in diesen Interimszeiten. Jetzt kommen wir noch mal zum Drama mit der CDU. Der von mir sehr geschätzte Kollege Dürbeck hat in einer Presseerklärung am 22.11. so schön formuliert: "Die Debatte treibt seit zwei Jahren vor sich hin, die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht eine zügige Entscheidung von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung."; "Beim Thema Oper und Schauspiel schnell zu Entscheidungen kommen."; "Gehe gleichwohl die Standortfrage vorbehaltlos an."; "Es soll keine Denkverbote geben."; "Wir erwarten jetzt die Ergebnisse."; "Aber dann wird die CDU-Fraktion unverzüglich beraten und einen Vorschlag machen." - Ja, wo ist er denn, der Vorschlag? Wo soll es denn hingehen, außer zu Raab Karcher?

(Zurufe)

Ich finde ja toll, dass sozusagen die CDU - an der Spitze Thomas Dürbeck - ein Lobbyist für das Ostend ist. Auch wir freuen uns, dass es das Ostend gibt. Das ist wichtig und es soll entwickelt werden. Wir haben aber auch das Hafenkonzept 2030. Das haben wir sogar im Koalitionsvertrag festgelegt. Wir wollen den Osthafen als Industriestandort auch weiterhin sichern und schreiben das Hafenkonzept fort. Also, ich glaube, in dem Spannungsverhältnis ist es richtig, jetzt die Ergebnisse der Stabsstelle in Ruhe zu bewerten. Und das ist ja nicht so, auch wenn es offensichtlich Thomas Dürbeck stark getroffen hat, kalt und technokratisch. Ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass wird diesem Papier, in dem sehr viele schlaue Sachen drinstehen, auch nicht wirklich gerecht. Ich glaube, an einer Stelle steht: "Glaube - Liebe - Hoffnung". Die GRÜNEN IM RÖMER glauben, dass wir in dieser schwierigen und großen Frage für die Stadt Frankfurt am Ende des Tages eine gemeinsame Position finden müssen. Weil nur mit einer gemeinsamen Position dieses Hauses, die von großen Teilen des Parlaments ...

Stellvertretender

Stadtverordnetenvorsteher

Ulrich Baier:

Kommen Sie bitte zum Ende!

Stadtverordneter Sebastian Popp, GRÜNE:

(fortfahrend)

... getragen wird, können wir ein solches Projekt gemeinsam umsetzen. Und wenn wir uns für etwas entschieden haben, dann soll es auch so umgesetzt werden.

Vielen Dank!

(Beifall)