Herointherapie: Neue Verzögerung unverantwortlich

Zur Entscheidung des Bundeskabinetts zum Thema Herointherapie erklären Marcus Bocklet, drogenpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Hessischen Landtag und Olaf Cunitz, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Römer:

"Die Entscheidung des Bundeskabinetts, auf Drängen der CDU/CSU-Minister, eine gesetzliche Regelung der Abgabe von synthetischem Heroin (Diamorphin) an Schwerstabhängige weiter zu blockieren ist unverantwortlich",  so Bocklet.

Der Bundesrat hatte Ende September endlich eine Fortsetzung der Abgabe von Diamorphin an schwerstkranke Drogenabhängige gefordert. "Die Verzögerung durch das Bundeskabinett ist ein Rückschlag für das Bemühen um eine fortschrittliche Drogenpolitik", führt Cunitz aus. "Es bedarf endlich einer klaren Regelung, um Schwerstabhängigen, bei denen andere Therapieansätze bisher keinen Erfolg gezeigt haben, die notwendige medizinische Versorgung zukommen zu lassen."

"Die neuerliche Prüfung des Ansinnens ist ein reines Rückzugsgefecht von Ideologen, denn die Fakten liegen auf dem Tisch", macht Bocklet deutlich. "Die Auswertung des Modellprojekts in sieben Städten hat gezeigt, dass die Behandlung mit Diamorphin der Methadontherapie überlegen ist und deutliche Erfolge bei schwerstabhängigen Patienten erzielt werden können."

"Die konservativen Betonköpfe in Berlin sollten sich ein Beispiel an Frankfurt nehmen, wo ein fraktionsübergreifender Konsens bei dieser Thematik besteht und insbesondere Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (GRÜNE) sowie Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sich vorbildlich engagiert haben", so Cunitz weiter.

Es ist nun notwendig, dass Ministerpräsident Roland Koch bei seinen Parteifreunden in Berlin interveniert und die Blockade beendet, schließlich hatte Hessen, zusammen mit Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Initiative in den Bundesrat eingebracht. "Nun heißt es Wort halten", so Bocklet und Cunitz abschließend.