Aufarbeitung der „Arisierung“ von Grundstücken und Immobilien endlich beginnen

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 13. September 2018

Die GRÜNEN wollen die Aufarbeitung der "Arisierung" von Grundstücken und Immobilien während der NS-Zeit vorantreiben. "Die Reichspogromnacht jährt sich in wenigen Wochen zum achtzigsten Mal. Die Aufarbeitung der "Arisierung" in Frankfurt und die Rolle der Stadt sind seit langem überfällig. Auf unsere Initiative hin haben sich die Koalitionsfraktionen auf einen gemeinsamen Antrag verständigt, der den Magistrat beauftragt eine Studie vorzubereiten, in der die Rolle der Stadt Frankfurt und ihrer kommunalen Behörden im Rahmen der "Arisierung" jüdischer Grundstücke und Immobilien aufgearbeitet werden soll", erklärt Manuel Stock, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN im Römer.

"Der Historiker Dieter Wesp ist bei Recherchen im Stadtarchiv auf die sogenannte "Miersch-Liste" aus dem Jahre 1945 gestoßen, in der das Bauamt 170 Objekte aufführte, die in der Zeit des Nationalsozialismus "arisiert" wurden. Die Gesamtfläche der "arisierten" Objekte umfasst eine Fläche in der Größe der vormaligen Altstadt innerhalb der Stadtmauern", erläutert Stock. "Auch das Fritz-Bauer-Institut hat sich in diesem Jahr des Themas angenommen und im Februar eine Tagung veranstaltet. Die Leiterin des Fritz-Bauer-Instituts und Inhaberin des Holocaust-Lehrstuhls an der Goethe-Universität, Prof. Dr. Sybille Steinbacher, und die Vorsitzende des Fördervereins Fritz-Bauer-Institut e.V., Jutta Ebeling, haben sich zu recht dafür ausgesprochen, dass die Rolle der kommunalen Behörden stärker in den Blick genommen werden müssten. Andere Städte wie München haben dies bereits getan."

Die bislang prominenteste "Arisierungsmaßnahme" von Grundstücken und Immobilien in Frankfurt ist das Wohnhaus der Familie Beit von Speyer (heute Villa Kennedy) mit dem dazugehörigen Grundstück. Das Objekt wurde für 137.000 Reichsmark von der Stadt Frankfurt im Rahmen der "Arisierungen" in der NS-Zeit gekauft.1948 erhielten die Nachkommen eine Entschädigung von 150.000 DM. Im Jahr 2000 wurde das Objekt für 18 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft. Damit fiel der "Arisierungsgewinn" an die Stadt Frankfurt.

"Eine wissenschaftliche Aufarbeitung in Form einer Studie über die "Arisierung" jüdischer Grundstücke und Immobilien steht in Frankfurt aus. Mit dem Antrag bringen wir sie jetzt endlich auf den Weg", so Stock.