Den nächsten Schritt gehen: den kontrollierten Verkauf von Cannabisprodukten in einem Modellprojekt erproben

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 07.November 2019

Am vergangenen Dienstag haben das Centre for Drug Research der Goethe-Universität und das Drogenreferat der Stadt Frankfurt die Ergebnisse der aktuellen "MoSyd"-Erhebung 2018 vorgestellt - und fast zeitgleich erläuterte die Drogenbeauftragten der Bundesregierung Daniela Ludwig in Berlin der Hauptstadtpresse den Drogen- und Suchtbericht 2019.

Anlässlich dieser Berichte erklärt Beatrix Baumann, Gesundheitspolitikerin der GRÜNEN im Römer: "Die Ergebnisse der MoSyd-Studie zeigen: Frankfurts Jugendliche probieren erst Alkohol, dann Zigaretten und manche dann auch Cannabis aus - in dieser zeitlichen Reihenfolge. Dass der Konsum dieser Drogen gegenüber dem Vorjahr ganz leicht zugenommen hat, kann ein statistischer Ausreißer sein und wird in den kommenden Jahren zu beobachten sein. Wichtiger ist: das Lebensalter, in dem Jugendliche erstmalig Alkohol, Zigaretten oder Cannabis probieren, steigt weiter an - die vom Drogenreferat umgesetzten Präventionsmaßnahmen zeigen also Wirkung."

Der genussvolle Konsum psychoaktiver Substanzen gehöre zum Alltag vieler Menschen, und zum Erwachsenwerden gehöre es, den Umgang mit ihnen zu lernen. Trotz aller Prävention werde man es nicht verhindern können, dass Jugendliche in dieser Lebensphase auch Drogen ausprobieren. Vor dieser Realität dürfe man nicht die Augen verschließen. Ein wichtiges Ziel der Prävention sei es daher, Jugendlichen Risikokompetenz im Umgang mit psychoaktiven Substanzen - seien sie legal oder illegal - zu vermitteln.

"Und in Berlin scheint eine lange verschlossene Tür sich endlich etwas zu öffnen", freut sich Baumann. "Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, hat bei der Vorstellung ihres Berichtes angekündigt, einen offenen Dialog über mögliche neue Strategien im Umgang mit Cannabis führen zu wollen und will ein Ende "ideologischer Debatten". An einem solchen offenen Dialog wird die Stadt Frankfurt sich gerne beteiligen.

Baumann fährt fort, es stehe außer Frage, dass der Konsum von Cannabis ebenso wie der Konsum anderer psychoaktiver Substanzen wie z.B. Alkohol oder Nikotin abhängig machen könne. "Wir Frankfurter GRÜNE plädieren gerade deshalb für einen rationalen Umgang mit diesen Substanzen. Die strikte Cannabis-Prohibition ist gescheitert. Noch schlimmer: der durch die Prohibition bedingte Schwarzmarkt führt zu höheren Risiken beim Cannabis-Konsum." So gebe es für die Konsument*innen keinerlei Informationen durch ausgebildetes Fachpersonal über Wirkweisen und Risiken, keinen wirksamen Verbraucherschutz und keine Qualitätsvorgaben für Cannabisprodukte.

"Die Frankfurter GRÜNEN wollen, dass Cannabis für Erwachsene grundsätzlich legal zugänglich gemacht wird - in zugelassenen Fachgeschäften, die regelmäßigen Kontrollen und eindeutigen gesetzlichen Vorgaben unterliegen müssen. Um zu entwickeln und zu erproben, wie im Detail ein solcher legaler Markt gestaltet werden sollte, wollen wir ein Modellprojekt auflegen - gerne auch gemeinsam mit anderen Großstädten in Hessen oder im Bund. Wir wollen dabei auch prüfen, wie ein wirksamer Jugendschutz aussehen kann, der ein offenes Gespräch über das Konsumverhalten fördert und gerade jungen Menschen nicht in die Hände von Dealern treibt und einem illegalen Markt ausliefert. Wir werden uns dafür einsetzen, für ein solches Vorhaben die Unterstützung der Drogenbeauftragten zu gewinnen", so Baumann abschließend.