Digitalisierung und Klimaschutz müssen zusammen gehen

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 12. Dezember 2019
 
Zu den Anforderungen an Rechenzentren in der Klimakrise äußern sich die GRÜNEN im Römer wie folgt:

"Ohne Frage ist die Standortrelevanz der Rechenzentrumsbranche für Frankfurt erheblich. Der enorme Energiebedarf der meisten Datacenter und das rasante, ungesteuerte Wachstum der Branche verhageln aber nicht nur die CO2-Bilanz der Stadt, sondern gefährden die Klimaziele insgesamt", so Ursula auf der Heide, umweltpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Römer.

"Schon heute verbrauchen die Rechenzentren in Frankfurt mehr Strom als die privaten Haushalte. Gerade deswegen muss die Stadt handeln und die in der Klimaallianz benannten Ziele bezüglich der Rechenzentren mit hoher Priorität verfolgen. Eine Ansiedlungssperre wie in Amsterdam ist aber wohl nicht die Lösung. Es dient der Reduktion der Treibhausemissionen nicht, wenn deren Produzenten nach Hanau oder in den Main-Taunus-Kreis verschoben werden. Die digitale Revolution verändert das Alltags- und Arbeitsleben und jede Internet-Recherche, jeder "gefällt mir"-Klick, jedes Streaming der Lieblingsserie frisst erhebliche Energie, produziert CO2. Der Rechenleistungsbedarf der Industrie 4.0, KI, der Finanz- und Dienstleistungsbranche, aber auch der Wissenschaft und Forschung ist exorbitant."

Auf der Heide weiter: "Dieser enorme zusätzliche Energiebedarf kann in absehbarer Zeit nicht durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Erfreulicherweise haben sich Teile der Branche auf den Weg gemacht, selbst aktiv bei der Lösung zu werden.

So gibt es mehrere marktfähige Konzepte, die eines der gravierendsten Probleme der Branche in den Griff bekommen haben: den unverhältnismäßig hohen Energiebedarf für die Kühlung. Der PUE-Wert - Power Usage Effectivness, das Verhältnis zwischen dem Energiebedarf des Servers und dessen Kühlung - ist dabei eine der entscheidenden Stellschrauben. War der Energiebedarf für die Kühlung 2008 bei großen Zentren noch mehr als doppelt so groß wie der des Rechners, sind inzwischen Werte unter 20 Prozent zusätzlichen Strombedarfs, insbesondere durch Wasserkühlsysteme möglich. Das gilt für Datacenter von Unternehmen ebenso wie für die in Frankfurt zahlreich vertretenen Colocation-Rechenzentren und auch bei Sicherstellung der unterbrechungsfreien Stromversorgung, der Heiligen Kuh der Rechenzentrumsbetreiber."

"Die Stadt muss Wege finden, für neue Rechenzentren Vorgaben zu treffen, die den Strombedarf zum Beispiel durch Festlegung des maximalen PUE Wertes minimieren. Abwärmenutzung, energieeffiziente Rechner und flächenschonende Bauweise müssen ebenfalls Thema bei Baugenehmigungen sein.

Es ist gut, dass die Steuerung von Standorten für Rechenzentren jetzt auf der Tagesordnung steht. Dennoch haben sich in Frankfurt längst mehrere Cluster ausgebildet, die weiter wachsen wollen. Umso wichtiger ist es für Neubauten, dass diese höchste Energieeffienzstufen erreichen. Zudem ist daraufhin zu wirken, dass die Abwärme genutzt wird und nicht die Stadt aufheizt, der Flächenverbrauch minimiert wird und sich die Rechenzentren ins das Stadtbild einfügen.

Das Wachstumstempo der Branche übertrifft jährlich deren eigene Erwartungen. Jede Neueröffnung macht das Erreichen des Klimaziels weniger realistisch. Wir müssen schnell handeln", so auf der Heide abschließend.