Neue Informationstafel für das NS-Opferfeld auf dem Hauptfriedhof

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 04. Oktober 2019

Am 2. Oktober trafen sich rund 40 Menschen zum Gedenken an die durch die Nationalsozialisten ermordeten kranken und behinderten Menschen auf dem NS-Opferfeld des Hauptfriedhofs, um der Präsentation der neuen Informationstafel bei den Euthanasiegräbern beizuwohnen.

Die Inschrift der neuen Tafel weist darauf hin, dass hier die Asche von 500 Menschen begraben wurde. Davon gehören etwa 330 zu der Opfergruppe der Nationalsozialisten der sogenannten "Euthanasie"- Morde. "Sie wurden getötet von denjenigen, welche eigentlich Leben retten sollten. Von Ärzt*innen unterstützt, von Krankenschwestern, geduldet von den Kirchen", erklärt Sylvia Momsen, Stadtverordnete der GRÜNEN im Römer.

Ein junger Mann hielt bei der Veranstaltung eine bewegende Rede zu seiner erst vor kurzem hier entdeckten Urgroßmutter und deren Lebensschicksal. Gefunden hatte er sie durch die Website der Initiative "Gegen Vergessen - Für Demokratie"- Regionale Arbeitsgruppe Rhein-Main, welche in mühseliger Arbeit seit Jahren versucht, die Schicksale der Ermordeten und ihre Lebenswege aufzuzeichnen und so der Nachwelt zu erhalten.

Viele der Sterbedaten sind falsch in den Sandstein der Gräbertafeln eingemeißelt. Das zuständige Regierungspräsidium, das von der Initiative angeschrieben wurde, um eine Korrektur vorzunehmen, hält sich bedeckt.

"Es ist schmerzlich zu erleben, dass gerade diesen Menschen ihre Würde nach dem Tod noch einmal verweigert wird", so die Stadtverordnete Momsen. "Wir werden einen Antrag ins Parlament einbringen, dass der Magistrat sich dafür einsetzen möge, diesen Missstand zu beheben. Des Weiteren sollte öffentlich dafür geworben werden, das alles Wissen über Lebensschicksale von Menschen, die durch die Nationalsozialisten im Rahmen der "Euthanasie"- Morde umgekommen sind, gesammelt und veröffentlich wird. Nur durch größtmögliche Transparenz der Geschehnisse werden wir diesen Opfern auch nur annähernd gerecht werden. Noch heute leben Kinder und weitere Angehörige dieser Opfer, deren lebenslanges Leid sich nicht beschreiben lässt. Auch diesen können wir ein wenig Frieden geben, indem wir als Stadt Frankfurt dazu beitragen, so viel wie möglich aufzuklären", so Momsen abschließend.

Weitere Informationen auf der Webseite: graeberfeld.copyriot.com