Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche – vereinsinternen Trainingsbetrieb wieder zulassen

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 12.November 2020

"Die Ergebnisse des vor wenigen Tagen erschienenen 'Vierten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts' der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung müssen uns aufhorchen lassen. Politik und Gesellschaft sind gefordert, der Entwicklung, dass Kinder und Jugendliche sich zu wenig und immer weniger bewegen, mit wirkungsvollen Maßnahmen entgegenzuwirken. Die Schaffung sowie die Erhaltung von Bewegungsräumen und -angeboten sind dafür die Voraussetzung", erklärt Natascha Kauder, sportpolitische Sprecherin der GRÜNEN im Römer.

Laut Bericht erfüllte die Mehrheit der Heranwachsenden in Deutschland die Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation schon vor der Pandemie nicht oder deutlich zu wenig. Besonders treffe dies auf junge Frauen zu. Kinder und Jugendliche in Deutschland bewegten sich immer weniger und entwickelten als Folge davon immer mehr Übergewicht. Das beeinträchtige nicht nur die physische, psychische und soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, sondern könne auch zu einer niedrigeren Lebenserwartung führen.

Kauder erläutert hierzu: "Die im Rahmen des "Lockdown light" getroffenen Vereinbarungen und Maßnahmen treffen auch den Amateursport - und damit auch die Sport- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche.
Aufgrund der steigenden Covid-19-Infektionszahlen und der zu ca. 75% nicht mehr nachverfolgbaren Infektionsketten war und ist es notwendig, auch den Sportbetrieb einzuschränken. Im Wettkampf- und Spielbetrieb sind nachweislich Infektionsausbrüche festzustellen gewesen. Eine mehrwöchige Unterbrechung des Spielbetriebs, in dem Sportler*innen und Mannschaften über regionale Grenzen hinweg in Kontakt mit zahlreichen weiteren Sportler*innen kommen, ist im Amateursport unabdingbar gewesen.

Der Infektionsschutz darf aber nicht gegen das Gesundheitsrisiko, das aufgrund von Bewegungsmangel entsteht, ausgespielt werden. Der 'Vierte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht' verdeutlicht sehr klar, dass der Amateursport - zumindest für Kinder und Jugendliche - vom 'Lockdown light' in eingeschränktem Maße ausgenommen werden sollte. Wir fordern die Landesregierungen bzw. die zuständigen Ministerien daher auf, es den Kommunen - hier konkret Frankfurt nach eigener Analyse des lokalen Infektionsgeschehens - freizustellen, ihre Sportstätten über den Individualsport hinaus, wieder für den vereinsinternen Sport- und Trainingsbetrieb im Kinder- und Jugendbereich zu öffnen.

Nachweislich ist gerade für Kinder und Jugendliche der Sport innerhalb und außerhalb der Schule sehr wichtig. Hier wirkt Bewegung nicht nur gesundheitsfördernd, sondern auch lernfördernd. Sport und Bewegung sind wichtiger Bestandteil der Bildung - daher ist die möglichst sofortige Öffnung der Sportstätten im Besonderen für Kinder und Jugendliche notwendig."

Kauder führt weiter aus: "Gerade die Stadt Frankfurt hat mit ihrem Hygienekonzept und Baukastensystem im Bereich der Schwimmbäder sehr schnell und vorbildlich auf die notwendigen Bedingungen reagiert und der zuständige Sportdezernent Markus Frank kämpft auf allen Ebenen für den Sportbetrieb unserer Stadt.

Unsere Sportvereine, sind wie die Sportverbände und Landessportbünde in Deutschland in der Lage, zahlreiche Sportangebote zu unterbreiten, die auch bei hohen Inzidenzwerten verantwortbar sind, um die oben genannten positiven Effekte zu erzielen und damit die Pandemiebekämpfung zu unterstützen. Umfangreiche Infektionsschutz- und Hygienekonzepte sind vorhanden und werden bzw. wurden schon erfolgreich umgesetzt. Sie haben sich seit Beginn der Pandemie bewährt und wurden seitdem laufend verbessert.

In Frankfurt haben viele Sportvereine gemeinsam mit ihren Übungsleiter*innen Hygienekonzepte für ihre jeweiligen Sportarten erarbeitet und gelernt, verantwortungsbewussten Trainingsbetrieb unter Corona-Bedingungen zu gestalten. Als zuständige in der Kommunalpolitik sollten wir den Übungsleiter*innen und Ehrenamtler*innen mehr Vertrauen bei der Umsetzung des Trainingsbetriebs schenken.

Konkret erwarten wir, dass die Sportvereine zeitnah die Möglichkeit bekommen, in festen Gruppen, in denen die Kontaktnachverfolgung sichergestellt ist, mit einem Maximum von vier bis acht Personen in Indoor-Sportanlagen bzw. von zehn bis fünfzehn Personen in Outdoor-Sportanlagen zu trainieren. Im Hinblick auf den Gesundheitsschutz und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sollte also allen Vereinen und Verbänden schnellstmöglich wieder die Möglichkeit gegeben werden, Sportangebote unter Einhaltung der Hygienevorschriften zu unterbreiten", so Kauder abschließend.

[1] https://www.krupp-stiftung.de/vierterkinderundjugendsportbericht/