Die Opfer der NS-‚ Euthanasie‘ nicht vergessen - Gräber kenntlich machen und in den historischen Kontext setzen

Gemeinsame Pressemitteilung der Fraktionen von CDU, SPD und GRÜNEN

Auf Initiative der GRÜNEN im Römer hat die Koalition einen Antrag verabschiedet, der es ermöglicht, dass die Gräber der ca. 1.500 Frankfurter Opfer der menschenverachtenden NS- "Euthanasie" gleichgesetzt werden mit den Gräbern aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft:

"Es wird höchste Zeit, dass die Opfer der NS-' Euthanasie' und deren Martyrium sichtbar werden und auch diese Gräber als Gedenkorte für die Nachwelt zugänglich werden. Das ist mir ein wichtiges Anliegen", erklärt Sylvia Momsen, Kulturpolitikerin der GRÜNEN im Römer.

"Nach dem geltenden Gräbergesetz von 1965 können die Gräber dieser Opfergruppe ein ewiges Ruherecht erhalten wie auch kenntlich gemacht und würdig gestaltet werden. Dazu zählt auch, dass Namen der Toten korrekt genannt werden sowie deren Geburts- und Todesdaten. Dazu kommt die Nennung des Sterbeortes, damit der historische Kontext der Todesumstände sichtbar wird", so Momsen weiter.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dr. Thomas Dürbeck, erläutert zu den weiteren Zielsetzungen des Antrags: "Damit alle Opfer erfasst werden können, soll der Magistrat prüfen, wie eine Datenbank für die Frankfurter Opfer der NS-'Euthanasie' erstellt und öffentlich gemacht werden kann, analog der beim Jüdischen Museum hinterlegten Datenbank für die jüdischen Frankfurterinnen und Frankfurter, unter Einbeziehung der bereits eingeleiteten Forschungsarbeiten beim Fritz Bauer Institut. Zusätzlich soll geprüft werden, wie ein öffentlich zugängliches Kataster der Grabanlagen der verschiedenen Bestattungsorte erstellt werden kann, um Angehörigen und Nachfahren wie auch der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, die Gräber der Ermordeten aufzusuchen."

"Dass auch viele Frankfurter Bürgerinnen und Bürger in der Gaskammer in Hadamar mittels Kohlenmonoxyds ermordet wurden, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass im Zuge einer dezentralisierten 'Euthanasie'-Aktion in den Jahren 1941 bis 1945 auch an weiteren nahegelegenen Orten Patienten und Patentinnen ermordet wurden. Deshalb wird der Magistrat gebeten, mit dem Land Hessen, dem Bund sowie dem Landeswohlfahrtsverband die Grabstätten der Opfer an den verschiedenen Vernichtungsorten mit den vorgeschriebenen Namen und Daten kenntlich und so für die Angehörigen und Frankfurter Bürger*innen öffentlich zugänglich zu machen", so Eugen Emmerling, Kulturpolitiker der SPD-Fraktion.

"Ein weiterer Schritt muss die gegebenenfalls nur noch teilweise mögliche Erforschung der Biografien der betroffenen Menschen sein. Nur so werden sie in die lebendige Erinnerung eingehen können", so Sylvia Momsen abschließend.