Gegen das Vergessen – gegen das Verdrängen

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 24. Januar 2020

Im Vorfeld des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust warnen die GRÜNEN im Römer davor, den Holocaust nur noch als einen Begriff der Vergangenheit wahrzunehmen. "Es darf keine Rolle spielen, wie lange Auschwitz her ist. So lange es Menschen gibt, müssen sie sich vergegenwärtigen, wohin es führt, wenn Menschen anderen Menschen die Menschlichkeit absprechen", sagt Jessica Purkhardt, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Römer.

"Dieser Gedenktag wurde im Jahr 2002 vom Europarat nicht nur als europäischer Tag des Erinnerns beschlossen, sondern auch als Mahnung zur Verhütung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Denn die Shoah ist immer auch ein Auftrag, der in die Gegenwart hineinreicht und Verantwortung überträgt.

Das Eintreten gegen Judenhass und für das Gedenken an den Massenmord darf nicht zur Beliebigkeitsfloskel werden. Viel zu oft ist es das aber so.
Wir können heute schon nicht mehr sagen 'wehret den Anfängen'. Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass die Anfänge schon wieder hinter uns liegen. Während Menschen jüdischen Glaubens einmal mehr Deutschland verlassen, weil der alltägliche Antisemitismus für sie unerträglich geworden ist, ist 'nie wieder' zur Falschaussage geworden", sagt Jessica Purkhardt. Und weiter:

"Die Gräuel des Holocaust gehören unbedingt zum schulischen Bildungskanon. Das hilft gegen das Vergessen der Vergangenheit. Aber nicht gegen das Verdrängen der Gegenwart. Mobbing jüdischer Kinder in der Schule und "Jude" als ein Schimpfwort auf Schulhöfen und der Straße gehören ebenso zur Realität wie unsanktionierte menschenfeindliche Hetzerei im Internet und das Einschleichen des Stammtisch-Antisemitismus in die Mitte der Gesellschaft. Solange Staat und Gesellschaft nicht gleichermaßen kompromisslos und grundsätzlich gegen jede Form vorgehen, vervielfacht sie sich. Hass verschwindet nie von selbst", so Purkhardt abschließend.