GRÜNE fordern Zukunftskonzept Messe 2030

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 09. Juli 2020

„Ich bin sehr erleichtert, dass der Aufsichtsrat der Wirtschaftsholding Börsenverein/Buchmesse nun allen Überlegungen eine Absage erteilt hat, die Buchmesse in einem Konglomerat mit Musikmesse und diversen Gameshow-Formaten zu verschmelzen. Das hätte sowohl dem Profil der Buchmesse als auch der Musikmesse geschadet und letztlich beide Messen ernsthaft in ihrer Existenz bedroht. Das war auch die eindeutige Haltung der Autoren und Verlage“, so der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Römer, Sebastian Popp.

„Wir wissen aber auch, dass mit dieser Entscheidung nicht die Probleme des Buches und der Verlage gelöst sind. Wir befinden uns in einem Strukturwandel, der sich möglicherweise durch Corona noch beschleunigt. Dafür braucht es Entscheidungen mit Weitsicht und Augenmaß,“ so Popp weiter.

Das Kommunikationsdesaster von Messe und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Feldmann mit angekündigten und abgesagten Pressekonferenzen, vollkommen widersprüchlichen Erklärungen und halbgaren Überlegungen habe nach der Pleite um die IAA dem Messestandort Frankfurt zusätzlich geschadet.

Der Messestandort hat schon seit dem Mittelalter für Frankfurt international herausragende Bedeutung. Die Internationalität und Weltoffenheit unserer Stadt war seit dem Messeprivileg durch Friedrich II. vor fast 800 Jahren mit dem Status der freien Reichsstadt verknüpft.

Die Lage und Qualität des Messegeländes und die besondere Infrastruktur Frankfurts bieten eigentlich die idealen Voraussetzungen zur Zukunftssicherung Frankfurts als internationaler Handelsstadt.

„Trotzdem müssen wir nüchtern feststellen, dass mit dem Verlust der IAA – auch durch ein wenig geschicktes Wirken des Stadtoberhauptes mit verursacht – sowie dem grundsätzlichen Strukturwandel des Messewesens im digitalen Zeitalter der Status Frankfurts als Messestadt keine Selbstverständlichkeit ist. Die zunehmende Abschottung der nationalen Märkte in vielen Ländern tut ihr Übriges. Die Absage großer Messen wegen der Corona-Epidemie verstärkt die Gefahr, dass viele Unternehmen grundsätzlich ihr künftige Präsenz auf internationalen Messe überprüfen,“ so die Fraktionsvorsitzende Jessica Purkhardt.

„Mit den großen Messen sind immer auch viele Arbeitsplätze für den Mittelstand und lohnende Jobs für Studentinnen und Studenten verbunden. All das ist auf Dauer kein Selbstläufer mehr.

Um Frankfurts Rolle als Messestadt zu sichern, erwarten wir von der Messeführung und dem Aufsichtsratsvorsitzenden ein Zukunftskonzept Messe 2030. Wir werden beantragen, dass im nächsten Wirtschaftsausschuss ein erster Rahmen vorgestellt und diskutiert wird. Nach dem Kommunikationsdesaster um IAA und Buchmesse kann sich Frankfurt keine weitere Blöße rund um den Messestandort leisten“, so Purkhardt weiter.

„Dieses Konzept, das auf Nachhaltigkeit setzt und nicht nur kurzfristigen Trends nachläuft, braucht insbesondere eine Antwort auf die Entwicklung im Verlagswesen. Frankfurt muss auch unter veränderten Bedingungen Stadt des Buches und Stadt der Buchmesse bleiben. Diese Marke zu verwässern, hieße, die Buchmesse in Frankfurt ernsthaft zu gefährden,“ so Purkhardt abschließend.

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