Internationaler Gedenktag* für verstorbene Drogengebraucher*innen - Mehr Wohnungen für Drogengebraucher*innen in Frankfurt

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 20. Juli 2020

Vor dreißig Jahren trafen sich Politiker*innen und andere aus Amsterdam, Zürich, Hamburg und Frankfurt, um vor dem Hintergrund der Situation in ihren Städten gemeinsam die "Frankfurter Resolution" zu unterzeichnen. Ziel war es, sich über alternative Strategien kommunaler Drogenpolitik auszutauschen und gemeinsam nach neuen Wegen in der Drogenpolitik zu suchen.

"Die Kernfeststellung war ebenso evident wie zentral für eine funktionierende Drogenpolitik und stimmt bis heute, nämlich, dass der Versuch der Eliminierung des Drogenangebots und des Drogenkonsums aus unserem Kulturkreis gescheitert ist und die Nachfrage nach Drogen trotz aller Aufklärungsbemühungen weiter anhält. Die Sucht nach Drogen ist ein gesellschaftliches Phänomen, das die Drogenpolitik nicht verhindern, sondern nur regulieren und allenfalls begrenzen kann. Eine Drogenpolitik, die Sucht ausschließlich mit Strafrecht und Zwang zur Abstinenz bekämpfen will, ist gescheitert. Kriminalisierung steht der Drogenhilfe und Drogentherapie im Weg und weist Polizei und Justiz eine Aufgabe zu, die sie nicht lösen können", so der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Römer Sebastian Popp.

"Wenn wir morgen wieder der verstorbenen Drogengebraucher*innen des vergangenen Jahres gedenken, geschieht dies in einer Situation, in der wir feststellen müssen, dass das Ziel einer möglichst umfassenden Versorgungssicherheit auch in Zeiten der Pandemie, nicht immer erreicht werden konnte. Es bleibt das Ziel grüner Politik, im Umgang mit Drogenabhängigkeit und Drogenabhängigen ein Höchstmaß an sozial- und gesundheitlicher Hilfe (Harmreduction) zu ermöglichen und repressive Interventionen auf ein Mindestmaß zu reduzieren", so Popp weiter.

In der Frankfurter Drogenpolitik müssen Hilfe und Repression zusammenwirken, beide Seiten tragen Verantwortung. Dieses Zusammenspiel aller Akteurinnen und Akteure ist die zentrale Basis unseres Frankfurter Wegs. Nur gemeinsam können wir ihn weiterentwickeln. Diese Gemeinsamkeit ist mit unbestreitbaren Erfolgen verbunden. Insbesondere hat sich gezeigt, dass es in Frankfurt - entgegen dem Trend in nahezu allen anderen Großstädten - gelungen ist, die Anzahl der Drogentoten vom Niveau der 90er Jahre mit bis zu 150 Toten auf das heutige Niveau von 20-30 Toten zu senken.

Das Motto diesen Jahres: "Wohnraum, soziale und medizinische Hilfen müssen ein Menschenrecht sein - ob mit oder ohne Corona/COVID 19". Dem Thema Wohnen kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Ohne Wohnung fällt es schwer, eine Abhängigkeitserkrankung in den Griff zu bekommen.

Es ist ein Erfolg der Frankfurter Drogenpolitik, dass die Zahlen der verstorbenen Drogengebraucher*innen in den letzten 30 Jahren hier, aber auch in Deutschland, zurückgegangen sind. Aber nach wie vor sterben Menschen durch den Konsum und Folgeerkrankungen.

"Die fehlende Anerkennung von Drogengebraucher*innen, als Menschen mit den gleichen Rechten wie alle anderen Frankfurter*innen und deren Verdrängung aus dem öffentlichen Raum, lösen die Probleme nicht", so Popp abschließend.

* Der Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende wird seit 1998 begangen. Er geht auf die Initiative des NRW-Landesverbandes der Eltern und Angehörigen für humane und akzeptierende Drogenarbeit e.V. zurück. Hintergrund: Am 21.7.1994 starb der Drogengebraucher Ingo Marten unter bis heute nicht geklärten Umständen. Auf Initiative seiner Mutter Karin Stumpf wurde in einem Park bei Gladbeck Deutschlands erste Gedenkstätte für verstorbene Drogenabhängige eingerichtet.