Sehbehindertentag 2020 – „gesehen werden“ in Corona-Zeiten

Pressemitteilung vom 5. Juni 2020

Zum "Sehbehindertentag" am 06. Juni 2020 erklärt Sylvia Momsen, Sprecherin für Behindertenpolitik der GRÜNEN im Römer:

"Seit März 2020 stehen sehbehinderte Menschen aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie vor völlig neuen und zusätzlichen Alltagsproblemen. Ob beim Busfahren, wo das Einsteigen beim Fahrer derzeit nicht erlaubt ist und man daher nicht nach der Linie fragen kann, in Corona-Warteschlangen vor Geschäften, beim Einkaufen mit Einkaufswagenpflicht, beim Erkennen von Abstandsmarkierungen oder beim Sprechen mit anderen Menschen, die eine Mund-Nasenbedeckung tragen, und die dadurch undeutlicher reden: Die Herausforderungen sind enorm.

Die Einhaltung der Abstandsregelungen in der aktuellen Situation ist derzeit der wichtigste Aspekt für alle, um sich selbst und andere zu schützen. Wie aber soll ich Abstand halten, wenn ich nur wenig erkennen kann? Sehbehinderte Menschen sind daher noch viel stärker als sonst darauf angewiesen, dass andere auf sie zugehen, sie ansprechen und Hilfe anbieten. Sätze wie "jetzt kommt Bus Nummer 34", "ich sage Ihnen gerne Bescheid, wenn Sie an der Reihe sind" oder "wenn Sie einen Schritt zurückgehen, stehen Sie hinter der Markierung", sind deshalb in der momentanen Situation notwendige und äußerst willkommene Gesten.

Im Sinne der UN Behindertenrechtskonvention und dem Motto "nichts über uns ohne uns", sollten die Wünsche von sehbehinderten Menschen selbst mehr in den Fokus rutschen. So wäre es beispielsweise ein Leichtes, den oftmals geäußerten Wunsch nach einer kontrastreicheren Abstandsmarkierung in Supermärkten oder an den Durchreichen für Geld an den Plexiglasscheiben vor den Kassen umzusetzen.

Neben der so wichtigen direkten Ansprache, wünsche ich mir im Umgang mit sehbehinderten Menschen zudem mehr Aufmerksamkeit und Gelassenheit, mehr Hilfsbereitschaft, mehr Kommunikation und mehr Verständnis für ihre Situation", so Momsen abschließend.

Fotonachweis: DBSV/Ziebe