Sicheres Blut rettet Leben – ohne Diskriminierung

Pressemitteilung vom 12. Juni 2020
 
Am 14. Juni 2020 ist Weltblutspendetag, mit dem diesjährigen Motto: „Safe blood saves lives – Sicheres Blut rettet Leben“. Die GRÜNEN im Römer rufen dazu auf, Blut zu spenden und fordern, homo- und bisexuelle Männer nicht länger praktisch von der Blutspende auszuschließen sowie die diskriminierende Regelung bezüglich transgeschlechtlicher Menschen zu streichen.
 
„Der Bedarf an Blutkonserven und -präparaten ist nach einem Rückgang zu Beginn der Corona-Krise wieder sprunghaft angestiegen, da Krankenhäuser versuchen, ihren normalen OP-Betrieb wieder hochzufahren. Zugleich ist die Zahl der Blutspenden im Verlauf der Pandemie eingebrochen“, erklärt Birgit Ross, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion. „Die Situation in Hessen ist ernst, wie ein Blick auf das Blutgruppenbarometer des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg Hessen zeigt. Wir müssen unbedingt sicherstellen, dass Patient*innen nach einem Unfall, der jede*n von uns jederzeit treffen kann, adäquat versorgt werden können. Daneben sind viele Menschen mit schweren chronischen Krankheiten auf regelmäßige Blutspenden angewiesen. Wir sind alle aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen und Blut zu spenden, sofern wir können und dürfen“, so Ross weiter.
 
In diesem Zusammenhang äußert Dimitrios Bakakis, queerpolitischer Sprecher der Fraktion, Unverständnis und Kritik über den praktischen Ausschluss von bi- und homosexuellen Männern von der Blutspende. „Nach der aktuellen Richtlinie der Bundesärztekammer dürfen Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM) nur dann Blut spenden, sofern sie ein Jahr keinen Sex hatten. Damit sind sie praktisch von der Blutspende ausgeschlossen. Selbst wenn sie monogam leben oder ausschließlich Safer Sex praktizieren werden sie abgewiesen. Sicherheit für die Empfänger*innen von Blutspenden erreichen wir aber nicht, indem wir ganze Gruppen pauschal ausschließen, sondern indem wir tatsächliche Risiken nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen rational abwägen. Nicht die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität stellen bei der Blutspende eine Gefährdung dar, sondern das individuelle Risikoverhalten. Deshalb darf ausschließlich letzteres das Kriterium dafür sein, ob jemand als Blutspender*in in Frage kommt oder nicht“, betont Bakakis.
 
„Eine Frist von zwölf Monaten ist sachlich unbegründet und damit diskriminierend“, pflichtet ihm Ross bei. „Die Ausschlussfrist sollte sich an der Nachweisbarkeit einer HIV-Neuinfektion orientieren, welche etwa sechs Wochen beträgt. Deshalb ist nach unserer Auffassung eine deutliche Verkürzung der Frist geboten. Wir fordern die Bundesärztekammer auf, die Richtlinien zur Blutspende dringend zu überarbeiten. Die diskriminierungsfreie Blutspende ist unbedingt zu gewährleisten“, so Ross weiter.
 
Daneben kritisiert Bakakis die Erwähnung von „transsexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ als gesonderte Gruppe, obwohl sie entweder als „heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ oder als MSM bereits benannt werden. „Das suggeriert eine besondere Gefährdung, die von trans* Personen ausgehen könnte, ist vollkommen unnötig und trägt zur Stigmatisierung dieser Menschen bei. Die Bundesärztekammer sollte ihre Richtlinien also auch dahingehend dringend überarbeiten“, so Bakakis weiter.
 
„Bitte helfen Sie mit und spenden Sie Blut – mit Verantwortung“, appellieren die beiden Kommunalpolitiker*innen abschließend.
 
Informationen über die Möglichkeiten Blut zu spenden erhalten Sie auf den Seiten des Deutschen Roten Kreuzes unter https://gruenlink.de/1s2l

Foto von Karolina Grabowska von Pexels