Transgender Day of Remembrance: erschreckend aktuell

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 20. November 2020

Der Transgender Day of Remembrance wird seit 1998 jährlich am 20. November begangen. Er ist ein Gedenktag für die Opfer von Transfeindlichkeit.

"Hass tötet. Fast täglich werden Menschen aus transfeindlichen Gründen ermordet. Das "Trans Murder Monitoring"-Projekt zählt weltweit 350 trans* Menschen, die in den vergangenen 12 Monaten getötet wurden. Unzählige weitere wurden wegen ihrer geschlechtlichen Identität verfolgt, angegriffen und verletzt. Wir möchten heute dieser Menschen gedenken und uns als Gesellschaft daran erinnern, dass trans* Personen weiterhin unter großen Repressalien zu leiden haben", erklärt Dimitrios Bakakis, queerpolitischer Sprecher der Fraktion.

"Wir sind erschüttert, dass Menschen Gewalt erfahren, bloß weil ihre geschlechtliche Identität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das sie bei der Geburt zugewiesen bekamen. Wir sind insbesondere darüber erschüttert, dass das auch in Frankfurt geschieht, wie wir vergangenes Wochenende leidvoll erleben mussten", führt Bakakis weiter aus. Am Abend des 14. Novembers wurde eine in den sozialen Medien als "KweenDrama" bekannte, 20jährige queere Person vor dem Einkaufszentrum MyZeil von einer Gruppe überwiegend jugendlicher Männer zunächst beleidigt und anschließend geschlagen und getreten. Berichten zufolge wurden etwa 150 Menschen Zeug*innen dieses Übergriffs - eingeschritten ist jedoch kaum jemand.

"Wir wünschen KweenDrama, dass die körperlichen und psychischen Verletzungen schnell heilen. Es ist unerträglich, was an dem Abend passiert ist. Unerträglich ist insbesondere der Angriff an sich, aber auch die Tatsache, dass so viele Menschen tatenlos dabeistanden und zuschauten. Hier wäre Zivilcourage gefragt gewesen. Wir appellieren an alle, Hilfe zu holen, wenn sie beobachten, dass jemand angegriffen wird. Wir bedauern außerdem, dass die Polizei nicht umgehend Transfeindlichkeit als mögliches Tatmotiv nannte. Nur wenn gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Motiv auch explizit benannt wird, wird die wahre Tragweite des Problems sichtbar und kann gezielt gegen solche Taten vorgegangen werden", kritisiert Bakakis. "Auch widersprechen wir der Polizei, wenn sie nun meint, die Zeil gerate in den Abendstunden nicht immer mehr zu einer "No-go-Area" für bestimmte Personengruppen. Denn ob ein Bereich als "No-go-Area" gilt, lässt sich nicht an polizeilichen Statistiken ablesen, sondern daran, ob bestimmte Menschen einen Bereich aus Angst vor Übergriffen meiden. Und das ist längst der Fall, wie wir an den Zuschriften aus den queeren Communities sehen. Wir müssen hier dringend gegensteuern und die objektive Sicherheit erhöhen, beispielsweise durch mehr sicht- und ansprechbare Polizeibeamt*innen vor Ort", so Bakakis weiter zur Situation in Frankfurt.

"Wir streiten seit jeher für die Akzeptanz von Vielfalt und kämpfen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Das werden wir auch weiterhin tun - bis wir eine vollständige Akzeptanz und Gleichberechtigung für alle Menschen ungeachtet ihrer geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung erreicht haben", so Bakakis abschließend.