DYKE*MARCH und Christopher Street Day: GRÜNE erinnern an politische Bedeutung

Gemeinsame Pressemitteilung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Frankfurt und der Fraktion die GRÜNEN im Römer vom 15. Juli 2021

In der Nacht zum 28. Juni 1969 starteten in New York City die Stonewall-Unruhen. Auslöser war eine Polizei-Razzia im Stonewall Inn in der Christopher Street, bei der sich Menschen aus der LSBTIQ*-Szene - insbesondere trans* Aktivistinnen und People of Color - Verhaftungen und polizeilicher Schikane widersetzten. "Pride existiert wegen einer schwarzen, bisexuellen Transfrau, die eine Sexarbeiterin war, die einen Ziegelstein auf einen Polizisten warf und so einen Aufstand gegen den Staat startete", erklärt Stadtverordnete Mirrianne Mahn und betont: "Pride ist intersektional!"

Weltweit wird in den Sommermonaten an die Stonewall-Unruhen erinnert und für die Rechte von queeren Menschen gekämpft. Seit 1981 wird darüber hinaus der Dyke March gefeiert, der als bewusst nichtkommerzielle Veranstaltung die Sichtbarkeit ALLER in den Vordergrund stellt und damit in scharfem Kontrast zu den oftmals stark kommerzialisierten und schwul dominierten Gay Prides steht. In Frankfurt wird der DYKE*MARCH am 16. Juli und der Christopher Street Day am 17. Juli 2021 begangen.

"Jedes Jahr gibt es auf der ganzen Welt regenbogengefüllte Demonstrationen und Paraden, um nicht nur die erzielten Fortschritte zu feiern, sondern auch um das Bewusstsein für die Veränderungen zu schärfen, die noch notwendig sind, um echte Gleichberechtigung zu erreichen", erläutert Stadtverordnete Dana Kube und gibt zu bedenken: "Das Erlernen der Geschichte der Kämpfe und Meilensteine der verschiedenen Teile der queeren Gemeinschaft hilft uns allen, den Kampf für Gleichberechtigung zu verstehen. Die LSBTIQ*-Communities sind so breit und vielfältig wie das ständig wachsende Akronym."

Diese Breite bleibt jedoch oft unsichtbar, wie Stadtverordnete Natascha Kauder bedauernd feststellt: "Immer noch wird Homosexualität viel zu oft mit schwul assoziiert oder gar gleichgesetzt, während lesbische und bisexuelle Frauen bestenfalls mitgemeint werden. Dabei bleiben unsere spezifischen Belange und politischen Forderungen sowie unser Beitrag zur Emanzipation queerer Menschen regelmäßig unsichtbar.

Auch mangelt es an dringend benötigten eigenen Räumen. Deshalb ist der Dyke March, mit seinem breiteren Fokus, so wichtig." Die Stadtverordnete fordert: "Lesbische Sichtbarkeit und lesbische Themen dürfen nicht untergehen" und freut sich: "Wir sind viele, fröhlich, politisch, laut und sichtbar."

"Queere Aktivist*innen haben in den fünf Jahrzehnten seit den Stonewall-Unruhen viel erreicht", stellt auch der Fraktionsvorsitzende Dimitrios Bakakis fest. "Zugleich beobachten wir jedoch seit mehreren Jahren mit wachsender Sorge, wie erstarkender Rechtspopulismus und religiöser Fundamentalismus den gesellschaftspolitischen Fortschritt bedrohen. In Deutschland, Europa und weltweit. Anfeindungen, Übergriffe und Gewalt auf der Straße nehmen zu. Mit großer Sorge beobachten wir auch die zunehmend schlechter werdende Situation in unseren Nachbarländern Ungarn und Polen, von denen auch unsere Partnerstädte Budapest und Krakau betroffen sind." Dazu führt Kreisvorstandssprecher Daniel Frank weiter aus: "Die EU wurde im März 2021 vom Europäischen Parlament zum Freiheitsraum für LSBTIQ*-Personen ernannt. Was die Freude über dieses beachtliche Statement trübt, ist die Tatsache, dass dies als Reaktion auf die Ausrufung von mehr als 100 'LGBTI-freien Zonen' in Polen erfolgte. Auch Ungarn geht bedauerlicherweise ähnliche Wege. Wir sollten uns dieses Jahr im Rahmen der CSD-Feierlichkeiten deutlich vor Augen halten: politische Akzeptanz scheint wieder auf dem Rückmarsch zu sein", so Frank weiter.

Den gesellschaftlichen Backlash beobachtet auch Kreisvorstandsmitglied Sebastian Hakan Nitz mit Sorge: "Wir haben wichtige Gleichstellungen für LSBTIQ* mit erkämpft, darunter die Ehe für alle - dafür sind die GRÜNEN in den vergangenen Jahrzehnten konsequent auf die Straße und in die Parlamente gegangen. Diskriminierungen gibt es im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben leider auch heute noch, deshalb sind unsere politischen Auseinandersetzungen alles andere als beendet. Umso schlimmer, dass wir erleben, dass wir auch bei Grundfragen der bürgerlichen Freiheiten, ja der körperlichen Unversehrtheit Rückschläge erleben. So hat es mitten in Frankfurt am Main wiederholt Gewalttaten gegen Transmenschen gegeben. Beim diesjährigen CSD sollten wir LSBTIQ* deshalb trotz aller Corona-Einschränkungen lautstark, sichtbar und geschlossen auftreten, mit der Botschaft: Noch immer kämpfen wir nicht nur ums gute Leben aller, manche von uns kämpfen weiterhin ums Überleben!"

Wir GRÜNEN streiten weiterhin für Akzeptanz und Vielfalt und stehen fest an der Seite all derer, die gegen Diskriminierung kämpfen. Lasst uns den Tag nutzen um ein buntes Zeichen gegen wachsende Intoleranz zu setzen und für eine europaweite Anerkennung der Rechte von LSBTIQ*-Personen zu kämpfen.