Gleichstellungspolitik als Teil der Kulturpolitik

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 05. März 2021

"Die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit verspricht uns das Grundgesetz und bedingt damit gleiche Chancen für die Entwicklung und Umsetzung unser aller Lebensplanungen. Das gilt in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Auch jenen, die Mode, Zeitgeist und Geschmäckern unterworfen sind wie die Kunst und Kultur", erklärt die Fraktionsvorsitzende und Kulturpolitkerin der GRÜNEN im Römer, Jessica Purkhardt.

"Wie in im Grunde allen Feldern unserer Gesellschaft hemmen auch im Kulturbetrieb althergebrachte Gewohnheiten, Stereotype und Voreingenommenheit die tatsächliche, gleichberechtigte Verwirklichung individueller Freiheit für Frauen. Mehr als man im künstlerischen und damit vermeintlich gesellschaftlich progressiveren Umfeld der Kunst vermuten mag", sagt Purkhardt.

"Dieser Zustand beherrscht seit Jahrzehnten die Kulturszene, ohne dass es merkliche Veränderungen gibt. Der Deutsche Kulturrat bestätigt, dass der Gender-Pay-Gap in der Kultur 24 Prozent, bei freien Regisseurinnen bei 39 Prozent liegt. Gerade in der darstellenden Kunst verdienen Künstlerinnen weit weniger als ihre männlichen Kollegen - in einem ohnehin prekär arbeitenden Sektor. Die weibliche Altersarmut ist somit auch hier vorprogrammiert. Die Corona-Pandemie hat nochmal deutlich gezeigt, wie dünn das Eis der finanziellen Absicherung von freischaffenden Künstlerinnen ist." Deshalb sei die Gleichstellungspolitik auch hier das passende Werkzeug, um größere Sichtbarkeit herzustellen, finanzielle Grundlagen für Frauen in Kunst und Kultur zu verbessern und insgesamt die Entfaltungsräume für sie in alle Richtungen zu erweitern, so Purkhardt.

"Wie das konkret geht, hat beispielhaft unsere hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn vorgemacht. Sie hat zahlreiche Hochschulleitungen und Spitzenfunktionen in den Hochschulen mit Frauen besetzt. So wurde Frau Prof. Dr. iur. Eva Waller Präsidentin der Hochschule Rhein Main in Wiesbaden, Frau Prof. Dr. Ute Clement zur Präsidentin der Universität Kassel gewählt und Prof. Dr. Iryna Gurevych wurde Hessens erste LOEWE-Spitzen-Professorin", zählt die GRÜNEN-Fraktionsvorsitzende auf.

"Der ergebnisorientierte Einsatz aller Gleichstellungsinstrumente muss Bestandteil der Kulturpolitik sein, vor allem auch auf kommunaler Ebene. Wir GRÜNE drängen deshalb stetig bei den Ausschreibungen zur Besetzung von Leitungsfunktionen für Kulturinstitutionen oder Jurys darum, dass diese mit Frauen besetzt werden. Wir achten akribisch darauf, dass eine paritätische Besetzung erfolgt. Zuletzt haben wir bei der Besetzung der Expert*innenkommission für die Entwicklung eines Konzeptes für ein Haus der Demokratie größten Wert darauf gelegt, diese mit namhaften Frauen zu besetzen.

"Der Einsatz der Politik für die Geschlechtergerechtigkeit darf kein Schönwetterthema sein. Deswegen sind die Aussagen einiger Politiker, es gäbe zu Pandemiezeiten wichtigere politische Anliegen und Entscheidungen als die persönliche Lebensverwirklichung von Frauen eine enttäuschende Selbsterklärung der Arbeitsverweigerung. Denn wer sich mit den Fragen um die individuelle Freiheit eines Teils der Gesellschaft nicht auseinander setzen möchte, findet erst Recht keine Lösungen für alle. Dabei ist doch genau das gerechte Maß an persönlicher Freiheit das zentrale Thema in der Bekämpfung der Pandemie. Aufrechter Einsatz dafür sind deshalb immer wichtig und keine Saisonarbeit", so Jessica Purkhardt abschließend.