GRÜNE begrüßen die Förderung des Landes für Künstlerinnen und kulturschaffende Frauen

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 21.09.2021

Frankfurt hat Ottilie W. Roederstein (geb. 1859), viel zu verdanken. Ihr besonderes Engagement für Bildung und Ausbildung, für Malerei und Kunst wirkt heute noch nach.

"Dass sich etablierte Künstlerinnen, Nachwuchskünstlerinnen sowie Künstlerinnengruppen für ein "Ottilie-Roederstein-Stipendien" in drei Kategorien bewerben können und so die Erinnerung und die Lebensleistung der Porträtmalerin Ottilie W. Roederstein so sichtbar wird, freut uns in Frankfurt sehr", so Natascha Kauder für die Kulturgruppe der GRÜNEN im Römer.

"Zu Lebzeiten und der Zeit des künstlerischen Schaffens von Ottilie W. Roederstein gab es viele Widerstände gegenüber Künstlerinnen und kaum Chancen zur Ausbildung, daher war das Lernatelier, das sie in Hofheim geschaffen hat, ein sehr wichtiger Ort und hat viele junge Künstlerinnen gefördert", so Kauder.

"Auch wenn heute mehr als die Hälfte der Studierenden an den hessischen Kunsthochschulen weiblich sind, ist die Sichtbarkeit, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und die Präsenz in Ateliers und Ausstellungen immer noch viel zu gering. Daher ist diese Künstlerinnenförderung ein sehr starkes Zeichen", erklärt Natascha Kauder abschließend.

 

Das neu vom Land Hessen aufgelegte Stipendium erinnert an das Engagement der Malerin und fördert damit zugleich Künstlerinnen und Kulturschaffende.

Ottilie W. Roederstein hatte mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Elisabeth Winterhalter, einer der ersten Ärztinnen in Frankfurt schon zu Lebzeiten eine Stiftung, die "Roederstein-Winterhalterschen Stiftung" zur Förderung junger Malerinnen, die durch die Inflation und Währungsreform jedoch völlig entwertet wurde.

Die 'Ottilie-Roederstein-Stipendien' des Landes Hessen richten sich an Künstlerinnen aller Sparten, das ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen bisherigen Förderinstrumenten.

Die Stipendien

Das Hauptstipendium in Höhe von bis zu 70.000 Euro soll die Sichtbarkeit von Künstlerinnen und ihren Arbeiten erhöhen. Für die Bewerbung ist ein Hochschulabschluss an einer der hessischen Kunsthochschulen nachzuweisen oder - im Falle eines Hochschulabschlusses in einem anderen Land - der Nachweis eines aktuellen Erstwohnsitzes in Hessen.

Das Nachwuchsstipendium, das mit bis zu 40.000 Euro dotiert ist, soll besonders talentierten jungen Künstlerinnen die Möglichkeit eröffnen, während oder unmittelbar nach ihrer Ausbildung bereits ein größeres Projekt umzusetzen. Für den Antrag ist entweder ein aktuelles Studium an einer der hessischen Kunsthochschulen nachzuweisen, ein hiesiger Hochschulabschluss, der nicht länger als drei Jahre zurückliegt, der ein Hochschulabschluss eines anderen Landes (nicht länger als drei Jahre zurückliegend) und ein aktueller Erstwohnsitz in Hessen.

Zusätzlich vergibt das Land Hessen bis zu fünf Arbeitsstipendien im Gesamtwert von 20.000 Euro an Künstlerinnen, die sich in einer besonderen familiären Belastungssituation befinden wie etwa der Erziehung eines Kindes unter 12 Jahren oder Pflegearbeit.

Gefördert werden jeweils Projektvorhaben, deren Ergebnisse in Hessen realisiert werden. Dabei erfolgt die Förderung mit einem Jahresstipendium sowie Mitteln für die künstlerische Umsetzung des Projekts. Über die Vergabe der Stipendien entscheidet eine sechsköpfige Auswahljury; je nach Bewerberinnenlage und Spannbreite der spartenübergreifenden Bewerbungen werden gegebenenfalls weitere Jurymitglieder mit entsprechender Expertise berufen.

Ansprechpartnerinnen und Informationen für Bewerberinnen

Bewerbungen sind über das Online-Portal einzureichen. Hier finden sich auch die FAQ.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Kulturfoerderung@hmwk.hessen.de
Wir werden uns um eine zeitnahe Beantwortung kümmern.

Hintergrund

Ottilie Wilhelmine Roederstein (1859-1937) war eine erfolgreiche Porträtmalerin und Zeichnerin. Sie lebte und arbeitete unter anderem in Frankfurt am Main und Hofheim am Taunus. Roederstein kämpfte gegen die zahlreichen Vorurteile der damaligen Zeit und setzte sich gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Dr. Elisabeth Winterhalter, der ersten deutschen Chirurgin, für die Gleichberechtigung der Frau ein.

Die Heussenstamm-Stiftung hatte in Kooperation mit dem Kulturdezernat und dem Frauenreferat schon 2018 eine Publikation über das Paar Ottilie W. Roederstein und Elisabeth Winterhalter herausgebracht um an die Protagonistinnen zu erinnern. Beide kämpften für das Frauenwahlrecht, für Gleichberechtigung und für die Anerkennung Ihre Berufe. Sie setzten sich über Jahre für die künstlerische, schulische und medizinische Ausbildung - insbesondere für junge Frauen - in Frankfurt ein.