Standort Mainwasen für die Europäische Schule prüfen - positive Klima- und Ökobilanz vor Ort ist Bedingung

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 11. Februar 2021

Zur weiteren Verschiebung einer Entscheidung für den Standort der Europäischen Schule erklären die GRÜNEN im Römer:

"Bei einer positiven Bilanz für Klima und Ökologie vor Ort halten wir den Mainwasen als Standort für die Europäische Schule für eine Idee mit erheblichem städtebaulichen Potenzial und Gewinn für alle Frankfurter*innen.

Wir sehen die Chance, dass komplette Areal vom Main bis zur Offenbacher Landstraße neu und groß zu denken.

Die Überlegung, die Gerbermühlstraße vom Westen kommend in gerader Linie entlang der Bahnlinie bis zur Höhe der Osthafenbrücke zu führen und hierfür die Mittel durch das Bundesverkehrsministerium zu organisieren, halten wir für vielversprechend. Sie eröffnet die Möglichkeit, das Mainufer über die jetzige Straßenführung zu überplanen und eine große öffentliche Grünfläche zu schaffen, die unter das Grüngürtelstatut gestellt wird.

Um eine adäquate Kompensation der wegfallenden Grüngürtelflächen zu erreichen, könnte das Oberräder Feld als Klimazone und Basis der Original "Grünen Soße" dauerhaft als gärtnerische und landwirtschaftliche Fläche gesichert werden.

Um dieses Potenzial zu eruieren und zu bewerten, muss aber mit der Planung und den Prüfungen endlich begonnen werden. Es steht außer Frage, dass bei diesem Projekt nicht nur rechtliche und finanzielle Hürden zu nehmen sind, sondern auch ein Interessenausgleich für Klima, Ökologie, Sport und Kleingärten gefunden werden muss.

Einen Letter of Intent unterschrieben von Bund, Land, Stadt, EZB und Europäischer Schule haben wir deswegen ausdrücklich begrüßt und unterstützt. Der unerwartete Rückzieher der mitverantwortlichen Planungs-und Bildungsdezernent*innen der SPD schadet nicht nur dem Projekt, sondern dem Ansehen der Stadt. Dass sich die Fraktionsvorsitzende hinter der Floskel "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" versteckt, obwohl dasThema seit mehr als einem Jahr auf der Tagesordnung steht, ist ein schwer erträgliches, durchschaubares Trauerspiel. Krokodilstränen sind es, die hier für den Grüngürtel vergossen werden. Tatsächlich will man sich vor der Wahl nicht Diskussionen mit Sportvereinen und Kleingärtner*innen stellen, sondern das Thema lieber gegen Wettbewerber verwenden. Kann man machen- aber so geht Regieren nicht!

Dass schließlich der OB völlig abtaucht, obwohl er schon in dieser Angelegenheit von der Bundesregierung angemahnt wurde, setzt dem Vorgang die Sonnenkönigkrone auf.

Wir sind dabei hoch erfreut, dass die Diskussion um einen gemeinsamen Standort vom Europäischer Schule und Ernst Reuter Schulen endlich beendet sind.

Die Ernst-Reuter-Schulen mit ihrem einzigartigen inklusiven Konzept können bestehen und wachsen. Das Flaggschiff "der Schule für alle Kinder" braucht besondere Räumlichkeiten, großzügige Außenflächen. Mit dem geplanten Bebauungsgebiet Frankfurt Nordwest wird die Schüler*innen Zahl zudem weiter steigen. Die Entwicklung ist jetzt gesichert.

Die Ansiedlung der Europäischen Schule im Gewerbegebiet Kaiserlei, ganz unabhängig vom Fortgang der Verhandlungen um eine Multifunktionsarena, halten wir weiter für eine völlig untaugliche Variante. Sie ist weder im Sinne der Gewerbebetriebe, die fürchten müssen, dass ein Schulkind durch den Lieferverkehr zu Schaden kommt, noch im Sinne der Schulgemeinde. Wir haben auch kein Verständnis für Bemerkungen, die Kinder und Jugendlichen der Europäischen Schule würden ja ohnehin alle mit dem Auto zur Schule gebracht. Diese Kinder und Jugendlichen sind Frankfurter*innen, und wer möchte, dass sie eine eigenständige und nachhaltige Mobilität entwickeln, der muss die Voraussetzungen dafür schaffen. Am Kaiserlei sind diese nicht gegeben.

Wir GRÜNE sind stolz darauf eine internationale Stadt zu sein, die Europäische Einrichtungen beherbergen kann. Die Europäische Schule gehört dazu und wir halten den Mainwasen für eine prüfenswerte Möglichkeit.

Der Sportverein, auf dessen Gelände die Schule entstehen würde, könnte neue, besser an den ÖPNV angebundene, großzügige Sportanlagen an der Offenbacher Landstraße erhalten und der lange gewünschte Fahrradschnellweg zwischen Offenbach nach Frankfurt könnte realisiert werden. Dass gerade für den schon vom Bau der Osthafenbrücke betroffenen Kleingartenverein schnell eine gute Perspektive und ein Ausgleich gefunden werden muss, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Der Grüngürtel ist eine der grünen Errungenschaften, ohne den Frankfurt ärmer wäre. Eingriffe oder auch nur ein "Anknabbern" sehen wir kritisch. Wo sich aber das Potenzial ergibt, an gleicher Stelle einen Ausgleich bzw. eine Ausweitung bei Beibehaltung oder Verbesserung der ökologischen Funktionen zu erreichen, schließen wir das nicht aus.Am Mainwasen ergibt sich diese Möglichkeit. Unter diesen Voraussetzungen sehen wir auch die Chancen für eine Änderung des regionalen Flächennutzungsplans in vertretbarer Zeit für machbar an.

Von dieser Variante hätten alle einen Gewinn, die Schulen, der Sportverein, die Oberräder Gärtnereien und alle Frankfurter*innen, die dadurch eine weitere attraktive Grünfläche erhalten. Es gibt keinen vernünftigen Grund, das hinauszuzögern."