Zukunft der Innenstadt: gemeinsam vielfältig entwickeln und sichern

Pressemitteilung der GRÜNEN im Römer vom 28.01.2021

Die GRÜNEN im Römer freuen sich, dass sich die Frankfurter Bewerbung im Rahmen des Projektaufrufs „Post-Corona-Stadt“ des BMI als eine unter hunderten als Förderungsfähig erwiesen hat. Das verdeutlicht aus Sicht der GRÜNEN, wie erkennbar und dringend der Handlungsbedarf in Frankfurt ist, spiegelt aber auch die gute Vorbereitung des Förderantrags in der Verwaltung wider.
 
Dazu kommentiert Uli Baier, planungspolitischer Sprecher der GRÜNEN im Römer:
„Wir begrüßen auch die von Planungsdezernent Mike Josef angekündigte Überarbeitung und Erweiterung des Innenstadtkonzepts im Rahmen der Projektförderung. Ein Termin für die Umsetzung ab 2023 dürfte für viele Bürger*innen freilich recht fern wirken, daher sollen ganz in unserem Sinne einzelne Maßnahmen sofort ausprobiert werden. Uns muss es jetzt schnell gelingen, den gesamten Innenstadt-Raum attraktiv für alle zu gestalten. Vorab halten wir eine öffentliche Diskussion der Vorschläge für sinnvoll, die der Städtebaubeirat vor längerem gemacht hat und andere die derzeit bekannte Stadtplaner*innen in die Diskussion einbringen. Andere im aktuellen Innenstadtkonzept beschlossenen Maßnahmen warten bis heute auf ihre Umsetzung. Wichtige Anregungen hat auch der Ortsbeirat 1 geliefert – etwa zur besseren Durchlässigkeit der Wallanlagen und der Einrichtung einer erweiterten Fußgänger*innenzone im Bereich der Weißadlergasse – über die sich eine breite öffentliche Diskussion genauso lohnen würde. Vor allem sind Konzepte überfällig, wie diese neu gewonnenen öffentlichen Räume attraktiv genutzt und gestaltet werden können. Der hohe Leerstand und die Zäsur in der Innenstadt-Nutzung ermöglichen es, innovative Nutzungs-Konzepte auszuprobieren und zu evaluieren. Die Räume dafür muss die Kommune eröffnen, indem sie aktiv die Initiative ergreift, nämlich zwischen Immobilienbesitzern und Initiativen vermittelt und letztere auch finanziell unterstützt. Der Verkehrsversuch am Mainkai hat uns gelehrt: auch wo Flächen dem Verkehr entzogen werden, was wir befürworten, muss schnell ein stimmiges Konzept umgesetzt werden, damit die Umnutzung auch die letzten Zweifler*innen überzeugen kann.“
 
„Ein guter Anfang ist die Initiative, den Speisesaal im ehemaligen Karstadt-Sport-Gebäude für die Obdachlosen-Winteraktion der Katharinenkirche zu nutzen. Aber auch viele öffentliche Räume können durch Eingriffe belebt werden, wie unsere Umweltdezernentin mit den ‚Grünen Zimmern‘ im Sommer seit Jahren eindrucksvoll beweist. Und die Digitalisierung muss nicht nur zur Verödung der Innenstädte beitragen, sondern kann, eine entsprechende Infrastruktur im Sinne der ‚Smart City‘ vorausgesetzt – auch auf vielfältige Art und Weise zur ihrer Belebung beitragen“, ergänzt die Planungs- und Sozialpolitikerin und Vorstandssprecherin der GRÜNEN in Frankfurt, Beatrix Baumann, und führt weiter aus: „Um die Innenstadt langfristig als attraktiven öffentlichen Raum für eine vielfältige Nutzer*innen-Struktur zu sichern, braucht es jetzt eine entschiedene Abkehr von der konsumorientierten Monofunktionalität – hin zu einer kleinteiligen Mischnutzung: Die Politik muss dazu gemeinsam mit Bürger*innen, Expert*innen und Ämtern eine gesamtstädtische Strategie erarbeiten, wie wir so schnell wie möglich unter anderem Grünflächen mit Klimafunktion, Wohnen, Handwerk und urbane Produktion, Kultur und Bildung mit der bestehenden Nutzung durch Gewerbe und Tourismus fördern und miteinander vereinen können. Wir müssen auch darüber nachdenken, wie wir Menschen zum Verweilen in der Innenstadt einladen können, auch wenn sie dort nicht konsumieren und wie hier ein Gefühl von Gemeinschaft und gesteigerter Lebensqualität entstehen kann. Daher sollte der Magistrat bei der Überarbeitung des Innenstadtkonzepts auch die politischen Kräfte im Römer so eng wie möglich einbeziehen. Wir müssen hier alle an einem Strang ziehen.“
 
In einem Umfeld spekulativer Grundstückspreise muss es uns aber darüber hinaus dringend gelingen, ein strategisches Liegenschaftsmanagement zu etablieren, um als Stadt wichtige Weichen für Projekte stellen zu können. Immerhin die ausufernden Verkehrsflächen in der Innenstadt gehören bereits der Kommune – hier könnten wir besonders schnell handeln, wenn wir uns den zukunftsweisenden Metropolen anschließen und dem Auto sinnbildlich die Vorfahrt nehmen, ergänzt Bernhard Maier, wohnungspolitischer Sprecher der GRÜNEN im Römer. Ein wichtiger Baustein einer solchen Politik könnte auch die Abkehr von der ‚Angebotsplanung‘ sein: die Stadt sollte Bebauungspläne erst dann aufstellen, wenn sie sich mit den Investor*innen über den Kauf von Teilflächen einig geworden ist, um diese zum Beispiel in eine soziale Nutzung zu überführen. Sozial gefördertes Wohnen und gemeinschaftliche und genossenschaftliche Projekte sind uns GRÜNEN auch in der Innenstadt eine Herzensangelegenheit und bieten sich für nachhaltige Konzepte im Sinne der Weiternutzung statt Abriss und Neubau an“, so Maier abschließend.