Attraktive, fußgänger*innenfreundliche Stadt

Eine fußgänger*innenfreundliche Gestaltung ist wirtschaftspolitisch vorteilhaft: Verkehrsberuhigung steigert die Attraktivität der Zentren für die Nutzer*innen und unterstützt damit den Einzelhandel und die Gastronomie!

Mode, Sportartikel, Bücher, oder Gastronomie und Freizeitaktivitäten – es gibt vielfältige Dinge, die nicht im Nahbereich erhältlich sind und zu denen die Bürger*innen in die Innenstadt oder in die Stadtteilzentren gehen oder fahren. In Frankfurt gibt es nicht nur ein einziges Zentrum, sondern neben dem Hauptzentrum - der Innenstadt - auch weitere Zentren in den Ortsbezirken und Stadtteilen, beispielsweise die Berger Straße, die Schweizer Straße oder die Leipziger Straße. Diese Zentren nehmen eine wichtige Funktion ein: sie versorgen die Bürger*innen mit Waren und Dienstleistungen, die sie nicht im Nahbereich erwerben können. Gleichzeitig bieten sie unternehmerische Chancen und Arbeitsplätze und sorgen so auch über Steuern und Abgaben für die Finanzierung der Öffentlichen Haushalte.

Um lebendige, funktionierende Zentren mit einem attraktiven Produktmix zu gewährleisten, ist ökonomischer Erfolg eine Voraussetzung. Studien und Erfahrungen zeigen, dass verkehrsberuhigte Bereiche den ökonomischen Erfolg steigern können – sowohl im Kleinen, wie auch im Großen. Beispielsweise zeigte eine BigData-Analyse einer spanischen Großbank für die Stadt Madrid, dass mit der Einführung einer verkehrsberuhigten Innenstadt im Dezember 2018 ein Anstieg des Einzelhandelsumsatzes im Weihnachtsgeschäft eine Steigerung um 9,5% zur Folge hatte und gleichzeitig sich die Luftqualität stark verbessert hat. Eine für Fußgänger*innen attraktive Einkaufsumgebung ohne unmittelbaren Autoverkehr wirkte sich also positiv auf den ökonomischen Erfolg des Einzelhandels aus. Frankfurt hat hier noch viel Verbesserungspotential. Die Verkehrswege sind immer noch stark auf das Automobil ausgerichtet. Jedoch ist durch die Mengen an Fahrzeugen auf dem Weg in die Frankfurter Zentren zu den Hauptverkehrszeiten gar kein effizientes Fortkommen mehr möglich. Und in den Zentren nehmen die parkenden Fahrzeuge wertvollen Platz weg, der eher für eine attraktive Gestaltung der Einkaufsumgebung genutzt werden sollte. Um attraktive Einkaufsumgebungen zu gewährleisten, sind die Zentren also den Nutzer*innen und nicht den Fahrzeugen zu überlassen.

In Frankfurt wird derzeit viel über Verkehrsberuhigung diskutiert. Nicht nur in der Frankfurter Innenstadt wird laut über autofreie Zonen nachgedacht. Auch in den Zentren der Stadtteile, z. B. in Bornheim, Bockenheim und Seckbach wird über eine umfassendere Verkehrsberuhigung diskutiert. Dabei werden verschiedene Städte zum Vorbild herangezogen: Wien, Oslo, Kopenhagen,… Was dabei klar wird: In vielen Städten ist man sowohl gedanklich als auch in der Umsetzung weiter als in Frankfurt. Das ist schade, und verschenkt sehr viel Potential, sowohl für die Bürger*innen, als auch für die Wirtschaft. Uns soll es anspornen, nicht nur über eine fußgänger*innenfreundliche Gestaltung zu sprechen, sondern es auch umzusetzen. Dabei geht es nicht nur um die Verkehrsführung für ÖPNV und Individualverkehr, sondern auch um das wirtschaftliche, soziale, ökologische und kulturelle Stadtbild: Eine rein funktionale Einkaufsstraße mag einige Grundbedürfnisse des Einkaufens bedienen. Heutige Nutzer*innen erwarten aber mehr. Ein Zentrum ist nicht nur auf die reine Fußgänger*innenzone zwecks Warenerwerb reduziert, sondern es braucht Orte zum Wohlfühlen. Dazu gehören Naturflächen und Aufenthaltsbereiche, mancherorts auch ein spezifischer urbaner Flair. Dabei geht es nicht um Perfektion und Vollkommenheit. Frankfurt darf auch mal unfertig sein und Schwächen zeigen – auch sowas macht eine Metropole aus. Insgesamt zeigt Frankfurt aber noch zu wenig vom eigenen Charakter. Die Internationalität und Heterogenität – Hauptmerkmale der Stadt – werden kaum gezeigt: Wo findet man beispielsweise eine Thematisierung der Frankfurter Städtefreundschaften? Wo wird die Internationalität der Frankfurter Bürger*innen - der Hauptgarant für den Erfolg dieser Stadt - hervorgehoben?

Fassen wir zusammen: Wir brauchen attraktive Zentren und Stadtteile, die mit ihren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Funktionen den Nutzer*innen einen Mehrwert, sowie Einzelhandel und Gastronomie ökonomischen

Die Kreismitgliederversammlung der Frankfurter GRÜNEN beschließt:

Die Frankfurter Innenstadt und die Zentren der Stadtteile sollen für die Nutzer*innen attraktiver werden. Hierzu fordern wir im Einzelnen:

Die Frankfurter Zentren und die Stadtteile sollen durch Barrierefreiheit, Verkehrsberuhigung und Naturflächen lebenswerter werden. Dazu müssen bestehende Konzepte mit dem Ziel einer Attraktivitätssteigerung des Standortes weiterentwickelt werden, indem weitere Flächen fußgänger*innenfreundlich gestaltet und für den Durchgangs- und Pendlerverkehr geschlossen werden. Für die Plätze und Aufenthaltsbereiche in Frankfurt benötigen wir dazu konkrete Ziele, wie hoch der Anteil an Verkehrsfläche und Naturfläche im Stadtbild sein soll.

Die Stadtplanung muss vielfältige Nutzer*innen ansprechen und einbinden. Eine attraktive Gestaltung der Straßen und Plätze ist als ein Gestaltungsprozess zu betrachten, der nicht nur der Stadt obliegt, sondern weitere Interessensgruppen und Expert*innen partizipieren lässt: Wissenschaftler*innen sollen den Gestaltungsrahmen und die Ideenfindung sicherstellen. Durch Bürger*innenbeteiligung soll die konkrete Ausgestaltung diskutiert werden. Verbände sollen im Wissen um den Vorteil einer attraktiven Einkaufsumgebung den Gestaltungsprozess konstruktiv unterstützen.

Derzeit sind attraktive Lagen in den Zentren der Stadtteile und in der Innenstadt im Wesentlichen den großen „Ketten“ vorbehalten. Auch kleine, inhabergeführte Geschäfte, sozial-ökologisch inspirierte Unternehmen, sowie kooperative und regionale Unternehmensformen sollen von den Vorteilen von fußgänger*innenfreundlichen, verkehrsberuhigten Straßen profitieren. Durch die Ausdehnung einer fußgänger*innenfreundlichen Gestaltung kann auch diesen Unternehmen eine attraktivere Lage zu akzeptablen Preisen geboten werden. Um einen vielfältigen Mix an Unternehmen in Einzelhandel und Gastronomie zu gewährleisten, ist zu prüfen, inwieweit Auflagen und Konzeptverfahren eingesetzt werden können.

Urbane Zentren und attraktive Stadtteile leben von Wandel und Vielfalt. Zudem lassen sich aus technischen und budgetären Gründen nicht immer die perfekten Lösungen realisieren. Wir müssen die zentralen Orte in der Innenstadt und in den Stadtteilen daher so gestalten, dass sie sich modular verändern und an sich ändernde Bedürfnisse der Nutzer*innen anpassen können. Dazu benötigen wir nicht große und teure Lösungen, aber durchdachte Konzepte und viel Vorbereitung und Kommunikation im Vorfeld.

Das Thema der fußgänger*innenfreundlichen Stadt soll in das Kommunalwahlprogramm einfließen.