Kulturcampus Bockenheim: Endlich mutig anpacken!

Die Idee des Kulturcampus Bockenheim feiert in absehbarer Zeit ihren 10ten Geburtstag – und ihr droht immer wieder der Tod durch akute Vernachlässigung. Die Geschichte der Initiative ist bisher geprägt von großen Visionen und Versprechungen, großen Hoffnungen und Ideen, aber leider nur kleinen Schritten. Nach einer Zeit des Aufbruchs in der Amtszeit der ehemaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth, von umfassenden Beteiligungsprozessen und von großen Plänen ist der Kulturcampus seit der Amtsübernahme durch Peter Feldmann nicht mehr auf der (kultur-)politischen Agenda der Stadt. Dabei sind die Voraussetzungen ideal: Frankfurt ist eine internationale Stadt mit einer lebendigen und vielfältigen Kulturszene. Frankfurt ist eine moderne und innovative Stadt mit einer engagierten und kreativen Bürgerschaft. Mit dem Wegzug der Universität vom Standort Bockenheim sucht ein hoch attraktiver Ort nach einer neuen Identität. Und mit Initiativen wie dem offenen Haus der Kulturen, mit Institutionen wie dem FrankfurtLAB und mit Interessent*innen für gemeinschaftliche Wohnprojekte suchen Frankfurter*innen nach einem Ort, um sich nieder zu lassen. Die Chance, an diesem zentralen Ort mit seiner Geschichte einen neuen Kultur-Stadtteil zu entwickeln, an dem die Künstlerinnen und Künstler von morgen mit denen von heute zusammenkommen, ist eine einmalige Chance, wie sie nur selten vorkommt.

Wir GRÜNE haben die Idee des Kulturcampus immer positiv begleitet. Wir haben in schwierigen Auseinandersetzungen Lösungen gesucht und in Teilen auch gefunden. Unsere Wunschlösung beim für gemeinschaftliches Wohnen im Philosophicum ist nicht umgesetzt – das ist ein schmerzlicher Verlust. Wir sind dennoch weiterhin den innovativen Wohnformen in einem nachhaltigen, gemischten Quartier verbunden und werden auf die Realisierung dieser Chancen bestehen. Denn vor dem Hintergrund der sehr angespannten Wohnungssituation im Stadtteil Bockenheim und der sehr stark steigenden Nachfrage nach ausreichendem und bezahlbarem Wohnraum in Frankfurt insgesamt ist die schnelle Realisierung des Kulturcampus auch als unverzichtbarer Beitrag zur Schaffung von dringend benötigtem zusätzlichem innerstädtischem Wohnraum zu sehen. Bislang sind bis zu 1200 neue Wohnungen als Teil eines modernen und energieeffizienten Quartiers geplant. Sie werden dringend gebraucht -  dies gilt insbesondere für den geförderten und gemeinschaftlichen Wohnraum.

Zuletzt haben wir die Zukunft des Studierendenhauses gegen erhebliche Widerstände mit Projektmitteln ausgestattet. Wir haben als Teil der hessischen Landesregierung gemeinsam mit unserem Koalitionspartner sichergestellt, dass ein Kern der kulturellen Nutzungen am Kulturcampus Bockenheim, der Umzug der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, tatsächlich planerisch und finanziell abgesichert wird. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie wurde bereits in Auftrag gegeben. Wir freuen uns auf den Abschluss dieser Studie und stehen auf Landesebene auch weiter dafür ein, dass die Hochschule ihren ausreichenden Platz auf dem Gelände des Kulturcampus einnimmt - zuletzt festgeschrieben im einstimmig beschlossenen Programm für die Landtagswahlen. Mit uns GRÜNEN gibt es also über die Landtagswahl hinaus Unterstützung des Landes bei der Umsetzung des Kulturcampus.

Wir haben uns schon bei der Kommunalwahl dafür eingesetzt, dass die Einrichtungen des „Forum Kulturcampus“ (das Ensemble Modern, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, The Dresden Frankfurt Dance Company, die Junge Deutsche Philharmonie, das Frankfurt LAB, die Hessische Theaterakademie, das Hindemith Institut und die Senckenberg Gesellschaft) ihren Platz auf dem Kulturcampus ebenso finden wie auch freie Kultureinrichtungen. Wir stehen zu dieser Vision eines Zentrums der Avantgarde. Im Frankfurter Koalitionsvertrag ist festgehalten: „Wir bekennen uns zum Kulturcampus und werden das Projekt gemeinsam mit dem Land zum Erfolg führen.“ Und wir haben mit CDU und SPD vereinbart, dass gemeinsam mit den Institutionen des Forum Kulturcampus ein Realisierungskonzept erarbeitet wird und die Stadt ihren Beitrag zur Verwirklichung ebenso leisten wird, wie dass die Stadt das „Offene Haus der Kulturen“ finanziell unterstützt und ihm eine langfristige Perspektive gibt. In den letzten Jahren haben sich bedeutende Wissenschafts- und Kultureinrichtungen auf dem Campus angesiedelt, die Ansiedlung beschlossen oder ihren bisherigen Standort stark erweitert. Neben der HfMDK und den genannten Einrichtungen des "Forum Kulturcampus" sind vor allem das Tibethaus, die Jüdische Akademie des Zentralrats der Juden in Deutschland, das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und die Erweiterung des Senckenberg-Museums zu nennen. Diese Ansammlung stellt schon jetzt ein beeindruckendes Cluster von Einrichtungen dar. Umso dringender wird der gemeinsame Rahmen benötigt, damit diese Einrichtungen richtig ausstrahlen können.

Es könnte also alles gut sein, es könnte voran gehen. Leider bleiben alle diese Verabredungen nur Versprechungen, solange die zuständigen Fachdezernent*innen nicht die Initiative ergreifen. Angesichts des Umfangs und der internationalen Strahlkraft des Projekts ist auch der Oberbürgermeister gefordert: Er muss sich aktiv hinter das Projekt stellen und die Interessen der Frankfurter*innen, wie sie in den Planungswerkstätten erarbeitet worden sind, genauso vorantreiben wie die kulturellen Notwendigkeiten gerade auch im Bereich Ausbildung. Derzeit ist völlig unklar, wer die Führung übernimmt, und sicherstellt, dass die Verabredungen auch konkrete Folgen haben.

Wir fordern:

  • Die Einhaltung der Verabredungen in der Koalition und eine aktive Rolle der Stadt in Zusammenarbeit mit den Initiativen und Institutionen sowie eine abgestimmte und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Land Hessen.
  • Umgehende Aktivitäten der Stadt, um im Rahmen der Machbarkeitsstudie des Landes die Möglichkeit einer gemeinsamen Entwicklung von Hochschule und Zentrum der Avantgarde auszuloten.
  • Die Einrichtung eines ressortübergreifenden Projektmanagements, das die kulturpolitischen Vorschläge der Kulturdezernentin Ina Hartwig und die räumlich stadtplanerische Konzeption des Planungsdezernenten Mike Josef bündelt und mit den verschiedenen Interessen (einschließlich Eigentümern, Stadtteil) abstimmt.
  • Eine aktive, unterstützende Rolle des Oberbürgermeisters.
  • Die Wiederbelebung der politischen Steuerungsgruppe und des „Runden Tisches“ und die Einbeziehung des Ortsbeirats, um bestmögliche Transparenz und Kommunikation nach innen und außen zu gewährleisten.
  • Aktive Kooperation mit dem Land bei der weiteren Planung des Umzugs der HfMDK.

Der ehemalige Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Thomas Rietschel, hat in einem Interview in der F.A.Z. am 24. Mai gesagt, dass er aktuell nicht auf die Realisierung des Kulturcampus Bockenheim wetten würde, und der Stadt Mutlosigkeit vorgeworfen. Wir wollen das Vertrauen in den Mut der Stadt und die Strahlkraft des Kulturcampus wiederherstellen. Wir GRÜNE stehen dafür nach wie vor bereit. Wir fordern unsere kommunalen Partner dazu auf, dies auch zu tun – und wir fordern den Oberbürgermeister und die zuständigen Dezernent*innen auf, endlich mutig anzupacken.