600 Jahre Roma in Frankfurt – Martina Feldmayer, Direktkandidatin der Frankfurter Grünen: Freude über das Jubiläum und Nachdenklichkeit

Martina Feldmayer, Direktkandidatin im Frankfurter Landtagswahlkreis 34 und kulturpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, würdigt den 600. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung der Roma-Minderheit in Frankfurt. „Dass die Roma in Deutschland zu Recht eine anerkannte nationale Minderheit sind, zeigt ihre erste Erwähnung vor 600 Jahren“, sagt die Abgeordnete. Die Urkunde bestätigt, dass am 29. September 1418 eine Gruppe Roma-Musiker in Frankfurt gespielt und dafür 70 Gulden erhalten hat.

„Das ist ein Grund gemeinsam zu feiern. Gleichzeitig gibt es aber auch genug Gründe, nachdenklich zu sein und weiter an einer guten gemeinsamen Zukunft zu arbeiten“, ergänzt Feldmayer. Denn leider erlebten Roma in Frankfurt und anderswo immer wieder Diskriminierung und Verfolgung durch die Bevölkerung und durch den Staat. In der Zeit der NS-Diktatur wurden sie verfolgt, deportiert und ermordet. Der Porajmos, der Völkermord an den europäischen Roma in der NS-Zeit, war der Versuch einer kollektiven Vernichtung. Im Frankfurter Stadtgesundheitsamt arbeitete sogar nach dem Zweiten Weltkrieg Robert Ritter als Stadtarzt. Er war einer der bekanntesten Schreibtischtäter des Porajmos und führte in der NS-Zeit als Leiter der Rassenhygienischen Forschungsstelle die ‚rassenbiologische Erfassung‘ durch. Erst nach großen Widerständen und in privater Eigeninitiative wurde am damaligen Stadtgesundheitsamt in Frankfurt eine Gedenkplatte für die ermordeten Roma angebracht. „Es ist eine Schande, dass es von offizieller Seite hier keine Bemühungen einer Aufarbeitung gab“, kritisiert Feldmayer.

Aber auch heute gebe es immer wieder Diskriminierungen von Roma, auch in Frankfurt und auf der Straße. „Das dürfen wir gerade angesichts unserer besonderen historischen Verantwortung nie hinnehmen. Wir müssen weiter Vorurteile bekämpfen und für Gleichberechtigung eintreten“, unterstreicht die Abgeordnete. Beispielsweise hat die hessische Landesregierung 2017 einen Staatsvertrag mit dem Deutschen Landesverband der Sinti und Roma geschlossen. „Das ist gut so, denn wir müssen weiter die Rechte der Minderheiten stärken und betonen, dass Vielfalt unsere Gesellschaft bereichert“, schließt Feldmayer.