Hochschule Sankt Georgen – Mirjam Schmidt, Direktkandidatin der Frankfurter Grünen: Die katholische Kirche muss sich an Menschenrechten messen lassen

Mirjam Schmidt, Direktkandidatin der GRÜNEN im Wahlkreis 37 (Sachsenhausen, Niederrad, Oberrad), äußert sich zum aktuellen Streit um den Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen, dem von Rom die Unbedenklichkeitserklärung verweigert wird und der damit die Leitung der Hochschule nicht ausüben kann, wie folgt:

„Die katholische Kirche muss sich wie alle Institutionen an den Menschenrechten messen lassen. Das geschieht in den meisten Gemeinden vor Ort auch mit zunehmender Selbstverständlichkeit, und sowohl der aktuelle Papst wie auch Bewegungen wie ‚Wir sind Kirche‘ lassen hier auch auf weitere Bewegung hoffen. Die aktuelle Auseinandersetzung um das ‚Nihil obstat‘, die Unbedenklichkeitserklärung für den Hochschulrektor Ansgar Wucherpfennig, die ihm aus Rom verweigert wird, ist aber umso bedenklicher.

Ansgar Wucherpfennig hat nichts anderes getan, als homosexuellen Menschen zumindest ein Mindestmaß an Anerkennung zuzugestehen. Er hat die Meinung vertreten, dass die Bibel Homosexualität und Heterosexualität nicht als Kontrastbegriffe kenne, und er hat die Initiative des Stadtdekans Johannes zu Eltz, eine Segensfeier für homosexuelle Paare einzuführen, die anders ist als die Trauung, unterstützt. Keine Frage: Aus unserer Sicht geht das bei weitem nicht weit genug. Dass es aber für Teile der Kurie im Vatikan anscheinend so sehr zu weit geht, dass sie den Wissenschaftler aus seinem Amt entfernen und zum Widerruf zwingen will, ist beschämend und ein Skandal.

Die Kirche tut sich mit dieser Haltung überhaupt keinen Gefallen. Auch sie sollte nicht nur die Lebensrealität anerkennen, sondern sich vor allem an den Rechten der einzelnen Menschen orientieren. Und die eigene Sexualität gehört unumstößlich in den Kernbereich dieser Rechte. Sollte die Kurie sich in diesen Bereichen nicht bewegen, müssen wir über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche erneut ganz grundsätzlich diskutieren. Im Übrigen zeigt die Diskussion vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit anderen extrem konservativen Gemeinden – christlich oder welchen Glaubens auch immer -, dass das Problem Fundamentalismus kein exklusives Problem irgendeiner Glaubensrichtung ist. Wir auf der Seite der Individuen und wenden uns gegen jegliche Fundamentalismen.“