Vor 50 Jahren: Die erste Hausbesetzung in Deutschland

Vor 50 Jahren, am 19. September 1970 haben im Frankfurter Westend 25 Frauen und Männer, darunter mehrere Migrant*innen und Obdachlose, die „Eppsteiner 47“ besetzt.

Am nächsten Morgen hängen Transparente in verschiedenen Sprachen aus den Fenstern: "Wir haben dieses Haus besetzt, weil die Wohnungen seit langem leerstehen und systematisch zerstört wurden. Für den Eigentümer ist das Haus ein Spekulationsobjekt, für uns ist es dringend benötigter Wohnraum", stand auf einem Spruchband. Die Hausbesetzer machen die Hausnummer 47 wieder wohnlich, setzen Fenster ein, reparieren Toiletten. Sie nannten es "instandbesetzen". Es war die erste Hausbesetzung in Deutschland.

„Es war der Auftakt zu einer einzigartigen sozialen Bewegung, die über Jahre die ganze BRD umfasste und bewegte.

Es war dieser besondere Mix, der der Bewegung ihre besondere Stärke und Resonanz verschaffte: Migrat*innen (die damals noch „Gastarbeiter“ genannt wurden), die aus ihren unwirtlichen Baracken heraus wollten, Bürger*innen aus dem Westend, die um die Attraktivität und Geschichte ihres Stadtteils kämpften und um alternative Wohnformen diskutierende Frankfurter Spontis.

Es gab in den langen Jahren des „Häuserkampfes“ – an dem sich auch viele spätere Grüne beteiligten - sicher viele Niederlagen, aber es gab auch langfristig markante Veränderungen in der politischen Kultur und im Blick auf die Stadt. Ohne dieses Signal aus der Eppsteiner sähe das Westend mit seiner Gründerzeitarchitektur nicht so aus wie heute, sondern wäre viel weitgehender ein Stadtteil aus Beton.

Die Besetzer*innen wurden bei ihren Aktionen teilweise von der Bevölkerung unterstützt. Der Kampf in Frankfurt lohnte sich: Das Westend blieb ein Wohngebiet. Der (Alb-)Traum einiger Stadtplaner*innen und Politiker*innen von noch mehr Bürotürmen auf Kosten der historischen Bausubstanz ging in großen Teilen dieses Viertels nicht in Erfüllung“, so Beatrix Baumann und Bastian Bergerhoff, Vorstandssprecher*innen der Frankfurter GRÜNEN.