Unser demokratischer Sommer in Frankfurt
Liebe Freund:innen,
der Sommer 2025 hat gezeigt, wie das „neue Normal“ aussieht: Hitzewellen, heftige Regenfälle, dann wieder Trockenheit. Wasserentnahme aus Bächen war eingeschränkt, Grillen zeitweise verboten – alles Reaktionen auf extreme Temperaturen. Umso schöner ist, dass wir fast 700.000 Euro für die „Blau-Grüne Infrastruktur“ bekommen haben, um eine nachhaltige Bewässerungslösung für die Taunusanlage umzusetzen. Das System sammelt Regenwasser von Dächern und Fassaden eines neuen Hochhauses sowie Drainagewasser aus einem unterirdischen Umspannwerk – ein kleiner, aber wichtiger Beitrag zur Klimaanpassung.
Passend dazu haben wir Frankfurts erste Nebeldusche an der Hauptwacheinstalliert, die aktuell getestet und beprobt wird, damit wir im nächsten Jahr ohne „Kinderkrankheiten“ direkt starten können.
Leider brachte der Sommer auch traurige Momente: Zwei Platanen am Merianplatzwurden mutwillig zerstört. Ich bin fassungslos. Gemeinsam mit dem Grünflächenamt prüfen wir neue Pflanzungen; die leeren Baumscheiben werden zunächst begrünt. Diese Ereignisse zeigen, wie wertvoll unsere Grünflächen für Klima, Erholung und Stadtleben sind.
Und während wir über öffentliche Räume sprechen, ist Demokratie ein weiteres zentrales Thema. Der Paulsplatz gehört dazu, historisch und mitten in der Stadt. Ihn zuzubauen würde mir als Demokratin und Klimadezernentin weh tun: Die Offenheit sorgt auch für frische Luft und Schutz vor Überhitzung. Als Jury-Mitglied des Ideenwettbewerbs für das Haus der Demokratie habe ich viele spannende Entwürfe gesehen. Besonders freut mich, dass die meisten den Platz offenlassen und die Frankfurter:innen aktiv mitreden können.
Gesellschaftliches Engagement ist nicht nur in der Stadtplanung wichtig, sondern auch in Kultur und Feminismus. Dieses Jahr würdigen wir erstmals zwei Preisträgerinnen mit dem Tony-Sender-Preis: die Musik-Aktivistin Anne Breick und die künstlerische Leiterin des Internationalen Frauen*Theaterfestivals Bárbara Luci Carvalho. Angesichts gesellschaftlicher Rückschläge, queerfeindlicher Übergriffe und der massiven Defensive des Feminismus ist es besonders wichtig, mit ihnen ein starkes Zeichen für intersektionalen Feminismus sowie Allianzen gegen Queerfeindlichkeit und Rassismus zu setzen. Die Preisverleihung ist am 28. November.
Auch das System Change Camp im Grüneburgpark zeigt, wie komplex die Balance zwischen öffentlichem Raum, Naturschutz und Bürgerrechten ist. Es hat viele Diskussionen ausgelöst, auch wegen antisemitischer Vorfälle. Solches Verhalten ist inakzeptabel – wir werden alles tun, damit unsere öffentlichen Orte sicher, respektvoll und für alle offen bleiben. Das Camp wurde als Versammlung angemeldet, die keiner Genehmigung bedarf. Das Grünflächenamt und die Untere Naturschutzbehörde hatten negative Stellungnahmen abgegeben, Alternativstandorte wie beispielsweise am Rebstockpark wurden vorgeschlagen, Auflagen nur vereinzelt umgesetzt. Das Grünflächenamt traf eigene Schutzmaßnahmen – für Natur, historische Vasen und die Sicherheit der Kinder auf den Spielplätzen. Naturschutz stand hier leider hinter dem Versammlungsrecht zurück. Ich würde mir wünschen, dass Naturschutz und Wert des Grüns stärker in die Bewertung von Versammlungsanmeldungen einfließen.
Erst vor ein paar Wochen haben wir eine repräsentative Umfrage zum „Wert des Grüns“ gestartet: 5.000 Frankfurter:innen werden gefragt, wie sie Parks und Grünanlagen nutzen, welche Bedeutung diese Orte haben und was verbessert werden könnte. Ihre Antworten könnten Grundlage für kommende Diskussionen sein.
Last but not least: Am Samstag, dem 6. September 2025, lade ich zu meiner ersten Bürger:innen-Sprechstunde in die „Insel für Klima und Nachhaltigkeit“ an der Hauptwache ein. Sagt es gern weiter! Von 11 bis 13 Uhr freue ich mich auf viele Gespräche.
Eure Tina